Lübtheen : Der Bolzplatz hat sie so stark gemacht

Dana Schröder, Jenna Giese, Johanna Mahnel,  Leonie Reisenleiter, Lena Schröder, Jasmin Riecher und Lena Roggmann - das soll das „Dreamteam“ für den Landestitel werden.
Dana Schröder, Jenna Giese, Johanna Mahnel, Leonie Reisenleiter, Lena Schröder, Jasmin Riecher und Lena Roggmann - das soll das „Dreamteam“ für den Landestitel werden.

Lübtheener Schülerinnen trainieren für den Sturm auf den Fußball-Olymp von Mecklenburg-Vorpommern: „Wir wollen Landesmeister werden“

svz.de von
12. Januar 2018, 12:00 Uhr

Mit vollem Tempo bewegt sich ein blonder, langer Zopf in der Oldag-Halle aus der Mitte des Spielfeldes in Richtung Tor. Ein kurzer Haken nach rechts und das Mädchen, dem der Zopf gehört, schießt einen Lederball unwiderstehlich in die linke Ecke. Im Kasten steht ein erwachsener Mann, der keine Chance hat, diesen Kracher abzuwehren. „Johanna ist unser Top-Talent“, sagt Sportlehrer Andreas Cordt. Der Direktor ist gleichzeitig der Coach einer der besten Mädchen-Fußballteams des Landes - und das in seiner Freizeit.

Diesmal soll es endlich gelingen, die Trophäe für Mädchen-Fußball der fünften Klassen (WK4) nach Lübtheen zu holen. „Wir wollen Landesmeister werden“, sagt Johanna Mahnel und versenkt einen weiteren Vollspannschuss mühelos im Netz. Die Zehnjährige ist die Führungsspielerin eines Teams, das so stark ist wie kaum eine andere Mädchentruppe. Und das hat gleich mehrere Gründe. Zum einen sind die Mädels ein richtig eingeschworener Haufen mit großen Kämpferherzen und zum anderen hat ihnen die Ausbildung in Lübtheen sehr geholfen, so stark zu werden. „Eigentlich wollen sie immer trainieren und löchern mich, wann wir wieder in die Halle können. Ich schaue dann nach entsprechenden Zeiten und leite diese Einheiten mit großer Freude. Aber stark gemacht hat unsere Fußballerinnen vor allem das Kicken auf unseren Bolzplätzen auf dem Schulhof“ sagt Andreas Cordt.

Wenn dort zum Teil zehn bis 40 Jungs gegen die Kugeln hauen, scheuen diese Mädchen nicht zurück. Im Gegenteil - häufig setzen sie sich einfach durch. Das hilft ihnen auch bei den Kreismeisterschaften. Die haben sie jüngst in Grabow locker gewonnen. Zum Regionalausscheid in Schwerin stehen noch ein paar Trainingseinheiten an, aber auch dort haben die Lindenstädterinnen beste Chancen.

„Fernziel ist die Landesmeisterschaft. Aber man muss eben einen Schritt nach dem anderen machen“, sagt Cordt, der die Mädchen auf einem guten Weg sieht. Es seien sogar ein oder zwei Fußballerinnen dabei, denen er eine Karriere bis zur Nationalmannschaft zutrauen würde. In Lehrgängen hätten sie mehrfach auf sich aufmerksam gemacht. Ob im Kicker-Camp des Hamburger SV, von Hansa Rostock oder sogar von Real Madrid. Vor allem Johanna Mahnel ist mit ihren zehn Jahren schon sehr weit. Wie einige andere spielt sie beim LSV Concordia Lübtheen. Allerdings nicht wie bei Mädchen häufig üblich in den jüngeren Jungenteams, sondern in der D-Jugend. „Bei den Kleineren wäre sie einfach zu stark“ attestiert Direktor Cordt dem Mädchen Ausnahmefähigkeiten.

Dem dritten Platz des Landesfinals soll in diesem Jahr also möglichst der Titel folgen. Und so unrealistisch erscheint das nicht. Denn in dieser Auflage der Schulmeisterschaften treten die Mädchen aus Lübtheen nicht mehr als der jüngere Jahrgang an, sondern sind auch von der körperlichen Konstitution nicht mehr im Nachteil. „Sie hatten auch gegen die Größeren keine Angst, weil sie ja auf dem Bolzplatz auch gegen ältere Jungs kicken. Aber diesmal habe ich die Hoffnung, dass unsere Mädchen, die im übrigen auch an fast allen anderen Sportevents erfolgreich teilnehmen, den Pokal an unsere Schule holen“, so Andreas Cordt, der in diesem Moment schon wieder so einen satten Schuss seiner Top-Spielerin bestaunen darf.

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