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Jahrelanges Martyrium : Der Albtraum ist endlich zu Ende

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Thomas D. aus Walmsburg wurde wegen dreifachen Mordversuchs vor dem Landgericht Lüneburg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Frühestens in 15 Jahren kommt Täter wieder frei

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erstellt am 17.Feb.2015 | 13:07 Uhr

Schön haben es die Prigges in ihrem Haus und Garten in Walmsburg. „Wir sind im Jahr 2008 hierher gezogen, weil es so schön ruhig ist, kein Durchgangsverkehr, der Wald ganz in der Nähe“, erläutert Raimond Prigge im Gespräch mit SVZ. Schön haben es die Prigges „wieder“ muss man eigentlich sagen. Denn hinter ihnen und ihren Nachbarn liegt ein jahrelanges Martyrium, das  am 16. September vorigen Jahres in einem dreifachen Mordversuch eskalierte. Der 52-jährige, arbeitslose Thomas D. hatte auf Raimond Prigge und ein Ehepaar in seiner Nachbarschaft   mit einer scharfen Waffe geschossen (SVZ berichtete). Glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass alle Drei nur leicht verletzt wurden und noch am Leben sind.

Lebenslange Haftstrafe für Thomas D. Das Landgericht Lüneburg verurteilte den Täter am vergangenen Freitag zu einer lebenslangen Haftstrafe.  Das heißt, erst nach 15 Jahren wird zum ersten Mal geprüft, ob man ihn auf Bewährung  auf freien Fuß setzten kann, weil er keine Gefahr mehr für seine Mitmenschen darstellt, oder ob er weiterhin in Haft bleiben muss.

„Wir sind so sehr erleichtert, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr“, so Raimond Prigge zu Hause auf seinem Sofa. Er ist immer noch krankgeschrieben. Langsam   kehrt wieder ein Gefühl in seine verletzte, rechte Hand  zurück. Sie ist noch geschwollen, aber er kann die Finger bis auf einen wieder  krümmen. Als Thomas D. über ihm stand und auf seinen Kopf zielte- Prigge war vor seinem Haus gestolpert und lang auf dem Rücken - hatte das Opfer schützend seine Hand vor sein Gesicht gehalten. Die Kugel war in die untere Handkante eingedrungen und blieb in der Hand zwischen Daumen und Zeigefinger stecken.

Raimond Prigge kann auch wieder schlafen, nachdem ihn nach der Tat Albträume quälten  und er  lange Zeit schlecht einschlafen konnte. Die Gedanken drehten sich im Kreis um den schrecklichen 16. September.

Jetzt ist das Leben wieder leicht. Der 63-Jährige, der bei der Straßenbaubehörde in Lüneburg angestellt ist, freut sich auf seinen vorzeitigen Ruhestand, in den er demnächst eintritt. „Unser ganzes Leben hat dieser Streit mit dem Täter bestimmt. Wir haben uns nicht mehr in den Garten getraut, wenn er draußen auf seinem Grundstück war, ich bin bei Dunkelheit nicht mehr mit dem Hund raus gegangen, wir haben sogar überlegt, zu unserer Tochter nach Lübeck zu ziehen, weil es nicht mehr zum Aushalten war.“

Als Thomas D. im Jahr 2009 das Grundstück gegenüber den Prigges kaufte und sich von Erspartem ein kleines Haus baute, lief noch alles normal. Man hätte geredet, er habe ihnen den Rohbau gezeigt, man habe ihn zum Grillen eingeladen. Der Nachbar kam zwar nicht, aber naja. Doch dann ging es langsam  los. Thomas D. beschuldigte ihn,   den Hund  auf seinem Grundstück sein Geschäft machen zu lassen. Die Beschimpfungen wurden immer unflätiger, besonders die Frauen bedachte  er mit sexistischen Schimpfworten aus der untersten Schublade. Der Nachbar links von Prigges zeigte  Thomas D.  an, es kam  zu einer Verhandlung und einer Verurteilung auf Bewährung. Thomas D. sollte 400 Euro Strafe zahlen. Das brachte ihn nicht zum  Innehalten. Bald danach legte er mit seinen wüsten Beschimpfungen wieder los, Hundekot flog über den Zaun, Autoreifen wurden zerstochen, über Autos Lackfarbe gegossen.  Er ohrfeigte den Nachbarn linker Hand von Prigges, es kam wieder zu einer Verhandlung und zu einer Strafe von 1000 Euro, dieses Mal ohne Bewährung.

Terror ging trotzdem unvermindert weiter

Danach ging der Terror  trotzdem weiter. Prigges installierten Anfang 2014 eine Kamera und es wurde für einige Zeit wesentlich ruhiger. Doch im August eskalierte die Situation. Wüste Drohungen - ich mach dich fertig, mit dir rechne ich noch ab - wechselten sich mit Beschimpfungen und Beschuldigungen  ab.

 Als am Tattag Raimond Prigge und seine  beiden Nachbarn rechts von ihm auf dem unbewohnten Grundstück  neben dem von Thomas D. Busch wegschnitten, um eine bessere Sicht auf dessen Haus zu haben und sich gegenseitig warnen zu können, kam Thomas D. vorzeitig von einer Einkaufstour zurück, raste ins Haus und holte seine Pistole.

 Hätte  Nachbar G.  sich nicht gerade zur Seite gedreht, als D. auf ihn schoss, hätte Raimond Prigge nicht seine Hand vor das Gesicht gehalten, als D. über ihm stand und schoss, hätte die Pistole nicht versagt, als er auf den Kopf von Nachbarin G. zielte und wäre die Munition nicht schon so alt gewesen und daher von geringer Durchschlagskraft, wäre es in Walmsburg wahrscheinlich um Mord gegangen.

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