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Hagenower Kreisblatt

24. November 2017 | 03:00 Uhr

"Der Aha-Effekt ist riesig"

vom

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2013 | 06:46 Uhr

Hagenow | Meister Eckhard Wolter hat Lisa und Jenny schon vor der Schicht gewarnt: "Eure Hände bleiben heute bestimmt nicht sauber." Zwei Stunden später stehen die beiden 13-Jährigen in der Produktionshalle der Hagenower Fahrzeugbaufirma FMS. Die Hände rußverschmiert, in den Haaren Eisenspäne. Die Mädchen entgraten mit der Feile Eisen teile, die frisch aus dem Plasma-Brennofen kommen. "Da hängt hinten oft noch Schlacke dran, die entfernt werden muss", sagt Jenny. Dass sie heute am Girls Day mit Kopftuch und Jeans am Schraubstock steht, ist ihre Entscheidung. "Büro-Jobs sind nichts für mich. Ich möchte nicht dort arbeiten, wo mir die Füße einschlafen", sagt sie.

Seit 9 Uhr ist sie mit ihrer Freundin Lisa in der lauten Halle. Funken fliegen, Sägen kreischen, Maschinen dröhnen. "Frauen in Männerberufen? Warum nicht", sagt Geschäftsführer Dirk Friemann. "Wenn diejenige ein Faible dafür hat und Spaß an der Metallverarbeitung findet. Ich kenne auch Frauen, die gute Schweißer sind. Man muss halt der Typ dafür sein."

Ausprobieren und typische Männerberufe kennenlernen - das wollten gestern im Landkreis knapp 350 Mädchen. Bereits zum zehnten Mal hatte Hagenows Gleichstellungsbeauftragte Heike Schweda den Aktionstag koordiniert. 56 Betriebe machten mit. "Wir haben diesmal wirklich nur Firmen ausgewählt, die die Mädchen auch mitmachen lassen", sagt sie. "Nur Betriebsrundgänge allein bringen nicht viel. Die Mädchen sollen auch was tun." Den "Girls Day" hält die Gleichstellungsbeauftragte auch im zehnten Jahr für "äußerst sinnvoll". Es müsse sich bei den Schülerinnen einfach noch mehr herumsprechen, dass es auch eine Vielzahl von technischen Berufen gibt, die ihnen gefallen könnten. Immer noch würden sich Mädchen bei ihrer Ausbildungs- und Studienwahl zu häufig für "typische Frauenberufe", wie Frisörin oder Verkäuferin entscheiden. "Es gibt heutzutage aber nicht mehr die typischen Männer- und Frauenberufe."

In Hagenow interessierten sich gestern die Mädchen am meisten für die Aufgaben der Polizei und der Bundeswehr. In die Betriebe des Gewerbegebiets Gallin wollten so viele fahren, dass die Stadt zwei Busse gechartert hat. Und auch die freien Plätze im Technikbereich der Stadtverwaltung, in der Redaktion der Schweriner Volkszeitung und im Labor bei Danone waren schnell vergriffen.

Eckhard Wolter, der Meister aus dem Hagenower Fahrzeugwerk, freut sich über das Interesse der Mädchen. Bisher hätte sich jedes Jahr jemand zum Girls Day bei ihm angemeldet. "Und jedes Mal ist der Aha-Effekt bei den Kindern riesig." Es sei eben doch was anderes, wenn man mal selbst mit anpackt und erlebt, was die Arbeiter jeden Tag leisten. Auch wenn die Mädchen nach so einem Tag wissen, dass der Beruf nicht zu ihnen passt - so hätten sie wenigstens eines gelernt: die Arbeit der anderen wertzuschätzen.

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