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Hagenower Kreisblatt

19. November 2017 | 06:15 Uhr

Radelübbe : Der Adel fürs Buchen-Land

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

In MVs Wäldern sollen wieder mehr Laubbäume stehen. Güte-Saat aus Gammelin

von
erstellt am 26.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Noch sind die Netze nahezu leer. Dafür neigen sich die Äste der Rotbuchen gen Boden, so schwer wiegt die Last ihrer Saat. „Dieses Jahr ist ein Ausnahmejahr“, sagt Mathias Fiedelmann, Förster im Forstamt Radelübbe bei Hagenow. Läuft alles optimal, landen bis Ende Oktober etwa 900 Kilogramm Bucheckern auf einem Hektar in den ausgelegten Erdnetzen – kein Vergleich zur „unterdurchschnittlichen Ernte“ vor zwei Jahren. Und das hat nicht nur in finanzieller Hinsicht einen Wert für die Landesforst, sie dient auch dem  Wald von morgen. Denn in MV sollen wieder mehr Laubbäume stehen.

Der Wald in 100 Jahren: Seit 1995 arbeitet die Landesforst an einem Umbauplan. Mehr Rotbuchen, weniger Fichten zum Beispiel. Denn angesichts des Klimas wäre MV das Buchen-Land schlechthin, sagt Mathias Fiedelmann. Deshalb soll der Bestand landesweit wieder steigen. 1995 waren es noch 14 Prozent, 21 Prozent könnten es mal werden. Der Anteil der Fichte soll dagegen von neun auf vier Prozent sinken. 

Damit will das Land wieder zurück zum Ursprung.  Denn wenn man vor Jahrzehnten nicht gerodet hätte, wäre die Rotbuche die dominierende Baumart, erklärt Forstamtsleiter Dr. Christof Darsow. Damals galt: Anbauen, was schnell wächst, um zügig an viel Holz zu kommen. Also pflanzte man  Fichten und Kiefern, zum Teil aus Nordamerika oder Süddeutschland. „Es gab Zeiten mit anderen Prämissen“, sagt dazu Mathias Fiedelmann. Doch diese Baumarten sollen nun wieder Stück für Stück zurückgedrängt werden. Denn heute sucht man den optimalen Baum passend zum Boden und Klima. 

Wie die Buche. Und aus Fiedelmanns Revier stammt der „Adel unter dem Saatgut“, sagt  Christof Darsow. Auf etwa viereinhalb Hektar in den Krüger Tannen bei Gammelin tragen die Rotbuchen Früchte mit Gütesiegel. Nur 0,2 Prozent der deutschen Waldflächen gehören zu den besten Saatgutbeständen des Bundes. Dafür kontrolliert die  Gütegemeinschaft für forstliches Vermehrungsgut (DKV) regelmäßig Bäume auf ihre Qualität. Sind sie zum Beispiel gut, gerade und volumig gewachsen. Dadurch erhofft man sich eine „Steigerung der Wuchsleistung und der Vitalität“, sagt Christof Darsow. Das sei vor allem auch angesichts des Klimawandels wichtig, ergänzt Mathias Fiedelmann.

Eiche und Kiefer, Douglasie und Lärche, Küsten- und Weißtanne Heinbuche und Esskastanie – nicht nur die Saat der Rotbuche aus dem Radelübber Forstamt ist gefragt. Und warum gibt es gerade hier so gute Bestände? Das liegt einerseits am Erbgut. „Es spiegelt aber auch die Pflege der Förster über die Jahrzehnte wider“, erklärt Fiedelmann. Die Forstwirte ernten  also das, was einst unsere Eltern und Großeltern gesät haben.

Spätestens Mitte Oktober dürften die Netze unter den 130 Jahre alten Bäumen voller Bucheckern sein. Die Forstwirte rollen sie dann per Hand zusammen und schütten den Inhalt in eine Trommel, die das wertvolle Saatgut von Laub und Ästen trennt. Die Früchte werden „per Hand verlesen“, erklärt Christof Darsow.  Diese kommen  in die Samendarre der Landesforst nach Jatznick in Vorpommern. Etwa 1000 Kilogramm – so viele Bucheckern könnte das Radelübber Forstamt in diesem Jahr für den Wald von morgen liefern.

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