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Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 20:45 Uhr

Lübtheen : „Demokratie kann schwierig sein“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau über die Arbeit in ihrer Stadt. Förderprojekt „warmUp“ verbessert nachhaltig das Schulklima.

svz.de von
erstellt am 18.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Es sind die markantesten Worte, die die Lübtheener Bürgermeisterin am Montagmorgen in der Lindenschule spricht: „Demokratie kann schwierig sein!“ Und in gewohnter Weise nimmt das Stadtoberhaupt auch vor den Schülern, die gerade ein dreijähriges Projekt zum Thema Demokratie erfolgreich beendet haben, kein Blatt vor den Mund. „Demokratie kann sogar anstrengend sein, wenn sich eben viele an Entscheidungen beteiligen dürfen. Aber sie muss sein – unbedingt“, sagt Lindenau und erklärt den Schülern, die das Projekt „warmUp“ intensiv genutzt haben, warum das so ist.

„Die Zeiten als alle einem Führer blindlings hinterher gelaufen sind, haben wir zum Glück weit hinter uns. Die Vielfalt der Meinungen und die Fähigkeit, Kompromisse zu bilden, das ist das Wertvolle an der Demokratie“, so Lindenau. Und die Schüler der ehemaligen 8., 9. und 10. Klassen kleben an den Lippen der Bürgermeisterin. Die Schüler selbst durften in dem Projekt viel über Demokratie im Alltag erfahren. Aber auch Exkursionen und viele Erfahrungsberichte gehörten zum aufwendigen Programm, das von der Mecklenburger Anstiftung mit Sitz in Wismar unter Aufwendung von einem hohen vierstelligen Betrag an Fördergeld auf die Beine gestellt wurde.

„Die freie Entfaltung in unserem Land, das ist ein hohes Gut und kann gar nicht genug geschätzt werden“, sagt Schulleiter Andreas Cordt. Er ließ noch einmal Revue passieren, was Mattes Heyde und Jacob Przemus von „warmUp“ in Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeiterin Vivien Schwarzkopf alles auf die Beine gestellt haben. Der Besuch von Jobmessen, ein Samba-Workshop, das Thema Cybermobbing in einem Seminar und der Besuch eines Aussteigers aus der rechten Szene – in Lübtheen hatten die Schüler ein Angebot, das es anderswo kaum gibt. Und das sei auch gut so, meinte Schulleiter Cordt. Denn noch immer seien die Einflüsse der rechtsgerichteten Parteien in Lübtheen gefährlich. „Wir müssen uns mit allen Mitteln gegen jegliche Form von Extremismus wehren. Und wenn wir auf die Straße müssen, um friedlich zu demonstrieren“, so Cordt.

Sehr dankbar zeigten sich beim lockeren Meeting in der Lindenschule gestern auch die federführenden Initiatoren Heyde und Przemus. „Wie unsere Angebote in Lübtheen angenommen wurden, war außergewöhnlich. Hier haben tatsächlich nicht nur die Schüler herausragend mitgemacht, sondern auch auf die Lehrer und den Schulleiter war Verlass. Die Arbeit hat hier so viel Spaß gemacht“, so Heyde. Und Przemus fügt an: „Für uns ist jetzt das Projekt formal beendet, weil ja kein Fördergeld mehr fließt, aber ideel können sich Lehrer und Schüler auch weiterhin bei uns melden und auf Unterstützung zählen.“

Über ein Resultat waren sich an der langen Tafel in der Lindenschule alle einig. Das Klima und der Umgang miteinander haben sich durch das Projekt nochmals deutlich gebessert. Jeder könne mit jedem offen reden. Es gebe keine Tabus in persönlichen Gesprächen und keine Voreingenommenheit. Heike Seifert, Leiterin einer achten Klasse, resümierte: „Wir konnten mit den Kindern tief in viele wichtige Themen eintauchen. Das waren tolle Erfahrungen.“ Und ganz am Ende konnte Storch Heinar, die Symbolfigur des Lübtheener Projektes für Demokratie, den Kindern mit einem sanften Flügelschlag ein „Auf Wiedersehen“ wünschen, das nicht nur so dahingesagt war.

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