Boizenburg : Demokratie am Elbe-Gymnasium

Zur „Mitte-Partei“ der 9c gehörten die sieben Jungen der Klasse und ein Mädchen. Sie setzten sich in ihrem Wahlprogramm für die Wiedereinführung der Wehrpflicht und höhere Bußgeldstrafen wie für das Fahren ohne Führerschein ein.  Fotos: Katja Frick
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Zur „Mitte-Partei“ der 9c gehörten die sieben Jungen der Klasse und ein Mädchen. Sie setzten sich in ihrem Wahlprogramm für die Wiedereinführung der Wehrpflicht und höhere Bußgeldstrafen wie für das Fahren ohne Führerschein ein. Fotos: Katja Frick

Schüler der 9. Klassen stellten in einem Projekt demokratische Prozesse des deutschen Staates nach

svz.de von
16. Juli 2015, 12:00 Uhr

In den letzten Tagen vor den Ferien hat Sozialkundelehrerin Mandy Munschke für die neunten Klassen des Elbe-Gymnasiums ein Demokratieprojekt organisiert. Mit Hilfe der Referenten des Demokratie-Busses der Landeszentrale für politische Bildung simulierten die 15-Jährigen demokratische Abläufe in der Bundesrepublik Deutschland und erfuhren beispielsweise, wie Kommunalwahlen funktionieren. An drei Tagen beschäftigt sich jede Klasse mit jeweils einem anderen Themenbereich. Ein Bereich ist die Kommunalpolitik samt der dazugehörigen Wahlen. Referent dafür ist in diesem Jahr Patrick Sevecke, vor nicht allzu langer Zeit selbst Schüler am Elbe-Gymnasium. Heute studiert er Wirtschaftsrecht.

Heiß diskutiert wurde im Projektbereich Parteien und Wahlprogramme von Referent Carsten Socke. Hier mussten die Schüler Parteien gründen, sich ein Wahlprogramm überlegen, dieses ihren Mitschülern vorstellen und vor ihnen verteidigen. Da war von Wahlmüdigkeit keine Spur.

Die 9c gründete drei Parteien: Die Ökonomische Feministische Partei Deutschlands (ÖFPD), zu der acht Mädchen gehörten, die Partei Mitte mit den sieben Jungen der Klasse und einem Mädchen sowie die Umwelt Sanitäter Partei Deutschlands (USPD).

Hanna, Hedi, Paula, Greta, Lara, Luisa, Emilia und Julia von der ÖFPD setzten sich für die Gleichberechtigung ein, auch von Männern und Frauen, für die Homo-Ehe, für die Abschaffung von Plastiktüten und für das Recht auf Nacktheit. Zu letzterem Punkt gab es einige Fragen von den zeitweiligen politischen Gegnern in der Klasse. Hanna und Hedi antworteten darauf. „Wir finden es ungerecht, wenn Männer mit freiem Oberkörper herumlaufen dürfen, wenn es warm ist. Wir müssen Strafe dafür zahlen. Wir haben einen Körper und wir wollen ihn nicht verdecken müssen, wenn wir das nicht wollen. Damit wollen wir dagegen angehen, dass der nackte weibliche Körper nur als Sexualobjekt gesehen wird.“ Auf die Frage, ob sie das als geeigneten Weg sähen, war sich die ÖFPD einig in ihrem „Ja“.

Die überwiegend männliche Mitte-Partei forderte vor allem die Wiedereinführung der Wehrpflicht, die Abschaffung der Einkommensgrenzen für das Bafög und höhere Geldstrafen für Ordnungswidrigkeiten wie das Fahren ohne Führerschein. „Denn das bedroht die Bevölkerung und trägt außerdem zum Abbau der Schulden bei“, begründete Parteikandidat Lennart diese Forderung. Die Absicht, die Wehrpflicht wieder einzuführen, rief bei den weiblichen Klassengegnern großen Widerspruch und Unverständnis hervor. „Wir wollen eine schlagkräftige Armee mit 500  000 Soldaten. Wir wollen uns wehren können, wenn es zum Kriegsfall kommt“, verteidigte Lennart diese Forderung.“

Die USPD hatte vor allem die Einführung einer Steuer für Plastiktüten in Höhe von 0,5 Prozent des jeweiligen Einkaufs auf dem Programm, das Verbot der Einführung von Teakholz, um die Regenwälder zu schonen, den Ausstieg aus der Energieerzeugung durch Atomkraft und die Förderung von erneuerbaren Energien. Die Einführung der Plastiktütensteuer in ihren Einzelheiten wurde von den Mitschülern skeptisch gesehen, doch die USPD verteidigte diese Steuer ohne wenn und aber. „Plastik ist so schädlich für die Umwelt und unsere Gesundheit“, sagte Parteikandidatin Mia.

Einen Punkt hatten alle drei Parteien in ihr Wahlprogramm aufgenommen: Die Legalisierung von Cannabis. Ihre Argumente waren ähnlich: Cannabis wäre heute trotz Verbots eine Alltagsdroge. Bei einer Legalisierung mit der kontrollierten Abgabe einer begrenzten Menge Cannabis in einem festgelegten Zeitraum würde der deutsche Staat durch die Mehrwert- und Einkommenssteuer enorm viel Geld einnehmen und könnte dazu noch eine Genussmittelsteuer aufschlagen. Das wäre tatsächlich mal ein Beitrag, um die zwei Billionen Schulden abzubauen, um die sich die nächste Generation offensichtlich große Sorgen macht.

Die 9a besuchte heute übrigens Bürgermeister Harald Jäschke und ließ sich von ihm Einblick in die reale Politik der Stadtvertretung und der Stadtverwaltung geben, dem dritten Themenbereich des Projektes.

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