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Hagenower Kreisblatt

23. August 2017 | 04:28 Uhr

Hagenow : Dem Zauber des Klangs erlegen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

SVZ-Redakteur Mayk Pohle berichtet von seinem Klassikerlebnis mit den Berliner Philharmonikern in der Redefinder Reithalle

Eigentlich mag ich ja Hardrock und kann mit Klassik wenig anfangen, sehr wenig. Aber wenn das vielleicht beste Orchester der Welt kommt, die Berliner Philharmoniker in Redefin sind, da sollte man doch dabei sein. Oder? Wer weiß, wann das Ensemble wieder mal zu uns kommt. Wahrscheinlich nicht so schnell wieder.

Schon nach den ersten Klängen der gut 80 Musiker wird mir klar, das wird ein besonderer Abend. Auch ein Laie wie ich merkt sofort, dass da ein ganz besonderes Orchester am Wirken ist. Diese unaufdringliche Kraft der Musik, diese filigranen Töne, dieses perfekte Zusammenwirken. Es ist schlicht ein Erlebnis, eine Offenbarung. Man erliegt schnell dem Zauber der Musik, dieser Musik. Profis wollen dann zwar am Anfang zwei kleine Fehler gehört haben, die meisten der 3000 in der Reithalle werden, wie ich, das überhaupt nicht gemerkt haben.

Klassikkonzerte in Redefin haben ihren eigenen Reiz, das sieht man schon an der Kleidung der Besucher. Mit den allerbesten Sachen und sehr hohen Schuhen kommt auch auf den neuen Wegen im Gestüt nicht gut zurecht. Und so ist im weit gereisten Publikum alles zu sehen, von sportlichen Jeans, über den klassischen Anzug sogar eine kurze bayerische Lederhose war vertreten. Es gibt zwei Strömungen bei diesen Picknick-Konzerten. Die einen kommen gut vorbereitet schon mittags auf das Gelände, um dort zu lagern und die Atmosphäre zu genießen. Die anderen reisen nur zum Konzert an und treffen dann auch gleich die Picknick-Fans, die ihre Ausrüstung zurück in die Wagen bringen, um dann auch ins Konzert zu gehen. Alles läuft betont entspannt, die Organisation der Festspielleute grenzt nicht nur in Sachen Freundlichkeit an Perfektion. Und so sind die Mitarbeiter im improvisierten Ticketcenter die Ruhe selbst. Keine Frage ist zu viel, kein Wunsch zu ungewöhnlich, nach jeder Voranmeldung wird geforscht. Obwohl die Philharmoniker eigentlich lange ausverkauft sind, kommen immer wieder einige wenige, die Karten verkaufen wollen. Über den Preis von 130 Euro pro Karte spricht hier niemand, kein Wunder bei dem Orchester.

Ein wenig Disziplin wird hier von allen verlangt, von den Musikern aus Berlin, die mit drei Bussen nach Redefin gekommen sind, sowieso. Aber auch vom Publikum. Wenn der Dirigent die Halle betritt, gibt es keine Gnade mehr. Zuspätkommer müssen dann draußen warten bis zur ersten kleinen Pause. Erst dann huschen Dutzende noch zu ihren Plätzen. Folgsam fasst auch jeder zweite nach offizieller Warnung in seine Tasche um zu kontrollieren, ob das Handy auch aus ist. Und tatsächlich klingelt während der gut zwei Stunden nicht ein einziges Telefon. Nur das Hüsteln ist bei der Menschenmenge unvermeidlich. Doch diejenigen, die es trifft, gucken immer wieder entschuldigend in die Runde.

Der Taktstock hebt sich und wie von Zauberhand wird es schlagartig still. Die Zeit des Genießens beginnt. Mir, als Laien, sagen die zwar die Komponisten viel, die Stücke jedoch nichts. Doch das macht nichts, denn bei der Klasse des Orchesters ist es fast egal, was gespielt wird. Vielen anderen scheint es auch so zu gehen, wie man sich in der Pause immer wieder zuraunt. Begeisterung ist das falsche Wort, viele sind wirklich ergriffen. Hoch erfreut sind dann auch die meisten als es überraschend auch noch eine Zugabe gibt, die ruhig hätte länger dauern können. Dann ist es fast so schnell vorbei wie es begonnen hat. Ein wenig Murren gibt es dann doch noch, über die paar Besucher, die nach dem letzten Takt des offiziellen Stückes aus der Halle hasten, als wenn draußen gleich der Bus abfahren würde. Dabei sollte man sich für einen derartigen Abend vor allem eines nehmen, Zeit.

Hinterher bin ich ganz benommen von der Musik, es hat etwas von einem Rausch. Viele, die sich danach noch beim Bier oder im VIP-Bereich treffen, suchen nach Worten für das, was sie gerade gehört haben. Jeder drückt das anders aus, doch jeder ist froh, dabei gewesen zu sein.

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erstellt am 24.Jun.2014 | 11:45 Uhr

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