Boizenburg : Dein Name sei „Fairhafen“

Max Schenk und Maria Effenberger vor dem Namen des Skateparks. Im Vordergrund arbeitet Florin Eidmann an einem „Olli“.  Fotos: Frick
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Max Schenk und Maria Effenberger vor dem Namen des Skateparks. Im Vordergrund arbeitet Florin Eidmann an einem „Olli“. Fotos: Frick

Seit Freitag ist der Boizenburger Skatepark geöffnet - „Hier ist jeder willkommen“, heißt es nach den jüngsten Ereignissen in der Stadt

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02. November 2015, 08:00 Uhr

An diesem Freitagnachmittag war das Gelände des Skateparks Treffpunkt für alle Boizenburger, ob jung oder alt, ob beruflich oder politisch mit der Stadt verbunden oder  als Bewohner. „Ich bin verliebt in Boizenburg“, sagte Fanny Eidmann, die Hauptinitiatorin des Skateparks, in ihrer Eröffnungsrede. „Weil es hier so viele tolle Leute gibt, die sich kümmern. Angefangen beim Bürgermeister über den Kinoverein und die Stadtverwaltung bis zu den Nachbarn. Gemeinsam haben die Boizenburger dieses Projekt auf die Beine gestellt.“

Sie wollte nicht darauf eingehen, wie schwer der Weg bis dahin war, sondern wie es geschafft wurde. Alles habe vor zweieinhalb Jahren mit einer von einer Mitschülerin initiierten Umfrage unter den Boizenburger Jugendlichen begonnen, was sie sich für ihre Freizeit wünschten. Die meisten wollten einen Skatepark. Sie und ihre Mitstreiter hätten viel gelernt bei der Verwirklichung des Projekts, meinte die jetzige Studentin. „Wir wissen jetzt, wie eine Stadtvertretung funktioniert und dass die Einwohnerfragestunde bei den Sitzungen meistens Punkt sieben oder acht der Tagesordnung ist. Der Vorteil einer Stadt wie Boizenburg ist, dass man den Bürgermeister auch mal im Kino treffen kann, um Dinge zu besprechen. Am besten für uns war aber, dass unser Bürgermeister bei Facebook ist, denn darüber kommunizieren die Jugendlichen nun einmal.“

Sie zeigte sich beeindruckt, wie viele Jugendliche sich gerade in den letzten Wochen in das Projekt eingebracht haben, sogar schon 15- und 16-Jährige. Die Jugendlichen der jetzigen Skaterinitiative gaben ihr Recht, indem sie auf der zuletzt aufgestellten Rampe jeden Buchstaben von SKATEPARK mit Inhalten wie K für Kreativität, T wie Toleranz und P wie Potenzial versahen. „Es ist unheimlich stark, was Jugendliche hier auf die Beine gestellt haben“, sagte Max Schenk, der zusammen mit der Schülerin Maria Effenberger die neue Spitze der Skaterinitiative bildet. „Und unheimlich stark, was hier noch passieren kann.“

Der Skatepark sei ein Ort der Demokratie, für Toleranz und gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit. „Hier ist jeder willkommen“, erklärte der 20-Jährige Boizenburger. „Wenn man sich ansieht, was bei uns in den letzten zwei Monaten passiert ist, gibt es auch traurige Ereignisse. Wer hierher fährt, sieht die Brandruine der geplanten Flüchtlingsunterkunft. Es geht nicht, dass man Angst haben muss, wenn man seine Stimme gegen solche Brandanschläge erhebt, Angst vor Übergriffen. Wir hoffen, dass die Leute durch diesen Ort hier den Mut haben ‚Nein’ zu sagen, ‚wir haben keinen Bock darauf!’“ „Boizenburg bleibt bunt!“, ergänzte Fanny Eidmann, und beide ernteten für dieses Statement großen Applaus.

Im Anschluss taufte Max Schenk den Park auf den Namen „Fairhafen“, indem er ein Skateboard auf dem Boden zerbrach. Danach wurde die Spendentafel enthüllt mit den Namen der wichtigsten der zahlreichen Bürger und Institutionen, die Geld für die Verwirklichung des Projekts gespendet haben.

 „Es ist toll, was die Jugendlichen hier geleistet haben“, zeigte sich der Bürgermeister Harald Jäschke in einem Gespräch am Rande beeindruckt. „So ein Ort ist in dieser Zeit viel wichtiger, als eine einmalige Demonstration von Demokratie“, meinte die Bürgervorsteherin Heidrun Dräger. Am Ende gab Max Schenk noch einen Ausblick: „Das wird toll hier“, ist er sich sicher. „Wir wollen hier viele Veranstaltungen organisieren und Konzerte herholen.“

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