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70 Zentimeter Fehlhöhe : Deich vor Boizenburg zu niedrig

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Bei der Frühjahrsschau wurde bekannt, dass Hafen- und Sudedeich direkt vor Boizenburg bis zu 70 Zentimeter Fehlhöhe aufweisen

Manche Experten munkeln, schon im Februar 2016 sei ein nächstes Hochwasser der Elbe zu erwarten gewesen. Zum Glück schert sich der Fluss nicht um solche Orakel, im Februar stieg der Pegel vor Boizenburg nur auf 3,34 Meter.

Die schlechte Nachricht bei der diesjährigen Frühjahrsdeichschau am Mittwoch war, dass es beim nächsten Hochwasser ernst wird für Boizenburg. Denn direkt vor der Stadt, auf 1,25 Kilometern Hafendeich und 256 Metern Sudedeich bis zum Sudeabschlusswehr, befindet sich der Abschnitt, auf dem bei einem nächsten Hochwasser am ehesten dass Wasser überfließen würde.

Schon bei der Herbstdeichschau im letzten Jahr hatte das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Westmecklenburg darüber informiert, dass die Deiche bei Boizenburg auf 12 Kilometern Länge zwischen 46 und 77 Zentimeter zu niedrig sind.

Grundlage dieser neuen Erkenntnis war eine 2D-Modellstudie der Bundesanstalt für Gewässerkunde zur Elbe. Durch die Deichsicherungen der Oberlieger in den letzten Jahren musste der Bemessungshochwasserpegel bei Wittenberge neu festgelegt werden. Nun geht man davon aus, dass im schlimmsten Fall das Hochwasser dort einen Pegel von 7,99 Meter haben könnte. Dann müssten 4545 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abfließen.

Die Defizitanalyse, mit der daraufhin die möglichen Schadenspotenziale für die 73,6 Kilometer Deiche im Bereich Boizenburg durchgespielt und dementsprechende Prioritäten erstellt wurden, war im Herbst noch nicht abgeschlossen. Zur Frühjahrsdeichschau lag die Prioritätenliste nun vor, mit dem genannten Ergebnis.

Lothar Nordmeyer, der Verantwortliche für Hochwasserschutz im Umweltministerium MV, und der Abteilungsleiter des StALU, Frank Müller, betonten jedoch, dass es auch auf dem betreffenden Abschnitt noch einen Freibord von 30 Zentimetern gebe. Das hieße, wenn 4545 Kubikmeter pro Sekunde bei Wittenberge abfließen müssten, würden Hafen- und Sudedeich noch 30 Zentimeter über den aufzuhaltenden Wassermassen stehen. Aber wegen möglicher Wellenschläge und Erosionserscheinungen des Erdreichs sei der eine Meter Sicherheit des Freibords für den Deich notwendig. Allerdings gelte dies nur für den Deich, für die Hafenmauer in Boizenburg sei es ausreichend, wenn sie wie jetzt nur noch 20 Zentimeter Sicherheit aufweise, da hier ja keine Erosionserscheinungen zu erwarten seien.

Mit den Baumaßnahmen zum Ausgleich der Fehlhöhe in dem betreffenden Bereich werde frühestens übernächstes Jahr begonnen, erklärte der verantwortliche StALU-Dezernent Michael Lübke. Derzeit würden die technischen Varianten durchgespielt. Wenn auch die Baugrunduntersuchungen dazu erfolgt seien, wolle das StALU auch das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe MV mit ins Boot holen und die möglichen Maßnahmen absprechen.

Frank Nordmeyer führte aus, dass im Rahmen des nationalen Hochwasserschutz-Programms von Ingenieuren derzeit auch durchgerechnet werde, welche Auswirkungen eine Umleitung von Wasser vor der Engstelle Boizenburg bis hinter die Stadt hätten oder das Aufgraben dieser Engstelle zwecks Erweiterung. Dabei gehe es nicht nur um die Pegelsenkung für Boizenburg, sondern auch um die daraus möglicherweise folgenden Pegelerhöhungen für Lauenburg.

Michael Lübke erläuterte außerdem noch, dass es derzeit Untersuchungen der Wallanlagen in Boizenburg gebe. Dabei soll festgestellt werden, ob deren hydraulische Leistungsfähigkeit und ökologische Durchgängigkeit noch der Wasserrahmen-Richtlinie entsprechen.

Zudem würden 2016 das Schöpfwerk Gothmann und die Thielsche Schleuse saniert. Ersteres weise altersbedingte Betonschäden auf, die Schleuse sei an einigen Stellen undicht.

Des weiteren müssten die lebensgefährlichen Bewehrungseisen am Schöpfwerk Blücher entfernt werden. Diese waren durch das Renaturierungs-Projekt LIFE zusammen mit Fundamentresten zutage getreten.

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erstellt am 13.Mai.2016 | 11:45 Uhr

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