Jagdrecht : De Gautsherr lad’te tau Jagd

Wecker väl to äten kricht, kann ok de Nacht dörchfieern. Hier Gautshus Vogelsang bi Lalendörp.
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Wecker väl to äten kricht, kann ok de Nacht dörchfieern. Hier Gautshus Vogelsang bi Lalendörp.

De Rittergautsbesitzer harn je dat Jagdrecht up ehr Länderien.

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01. November 2014, 14:55 Uhr

De Rittergautsbesitzer harn je dat Jagdrecht up ehr Länderien. Dortau hürten meist dusende Morgen Acker, Gräunland un Holt. Ein ore ok twei Gautsjägers müßten ümmer dorför sorgen, dat de herrschaftliche Koek nauch Wildbret har. Taugliek harn’s ‘n scharp Ooch up Wilddeif. Oewer dat is noch ‘n Kapitel för sik. Wenn nu de Jagd bevör stünn, denn köm dat ganze Dörp in Uprägung ; binah alle Inwahners harn dormit tau daun. Daachlang wür vörrüst. In’t Herrnhus ore Sloss wür denn schüert un putzt, dat de välen Rüme för de Gäst man recht angenähm herricht’t weeren. De Vörräte in’n Wienkeller würden upstockt, Swien, Kalwer, Gäus un Aanten würden slacht’t. Dortau kömen för de hogen Jagdherrn noch dit un dat an “exquisite Leckerbissen”, dei taun Deil ut de Stadt ranschafft würden. De Koekschen un Mamsellen harn väl, väl Arbeit. Ehr stünn’ noch Frugens ut dat Dörp tau Siet, un tosamen hebben se denn de besten Spiesen anricht’t. An’n Jagdmorgen föhrten Grafen un Barone in Vierertoech vör, anner Herrn mit ehren Jagdwagen. De lütten Gautslüd keken, meist woll ut’n Verstäk rut, niegierig, oewer gewiß ok mit düüster Gedanken un Groll achter de edlen Ankömmlinge an. De Uptakt tau jerer Jagd weer ümmer ein “vorzügliches Frühstück”.
In ein oll Kakbauk von 1893 steiht bi Monat Oktober ünner “Speisezettel für Gesellschaftsessen“ (Jagdfrühstück) : Bouillon in Tassen , Blätterteigpastetchen , kalter Rehrücken, kaltes Filet, Hasenpastete, Farcepastete, Gans in Gallert, Italienischer Salat. Hiervon würden’s doch woll satt! Oewer ne, dat geiht wierer: Wurstschüssel mit diversen Wurstsorten, saure und Salzgurken, Kartoffelsalat, warme Wiener und Frankfurter, Russische Creme, Brottorte mit Rum, Käse, Butter, Brot un denn ‘ne grote Utwahl alkoholische Getränke. Soväl kann ‘n Minsch doch gor nich äten! Ne, jerer söch sik von’t Büffett na sienen Gesmack ut, von dit ‘n bäten, von dat ‘n bäten, schön langsam oewer de Tung’n gahn laten. Nu weeren’s denn all satt un ok half dun, un denn güng’t tau Jagd. De Dachlöhners un ok de Schaulmeister un de grötteren Kinner würden an de Jagddaach mit inspannt, as Driewer un so. Dat Wildbret köm na’t Verblasen up Lerrerwagens lad’t un wür na’n Gautshoff föhrt. - Ein Schaulmeister har 1926 Gelägenheit, bi ein Jagdfest mit an de Tafel tau sitten. Dat weer up ein Gaut von de Grafen Hahn. De ‘n Schaulmeister güngen de Ogen oewer. Dat geef Hummer mit Majo, Rinds-, Kalwer - un Swienbraden mit Gemüse un Kompott, dortau Wien un denn noch füllt Aant. Tauletzt denn noch Mokka un Zigarrn. Dat Äten duerte drei Stunn’! Weck vertehrten “ungeheure Mengen” un seegen ok dorna ut. Na’t Äten müß de Schaulmeister gahn, hei weer in disse Gesellschaft denn doch nich stannesgemäß un salonfähig. Un in de Katens seeten de Dachlöhners mit mör Knaken achter ehr Bratketüffel un Hering, groff Brot un Speck. De Dachlöhners güngen na de Driefjagd na Hus ore eerst noch taun Furrern in de Peer - un Kauställ. Un wenn dat Fest bi de Herrschaft noch in Gang’n weer, denn kömen de Deinstlüd (Gesinde) all werrer up de Bein. De Wirtschaft müß doch an’t Lopen holln warden, dat man frische Inkünfte rinkömen, dat’n ok in’t nächste Johr werrer schön fieern künn. In disse “von Gott gegebenen (Un)ordnung” flöt up de ein Siet de Wien un Sekt, up de anner Siet väl Sweit un Tranen.

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