Unruhe im Bataillon in Hagenow : DDR-Panzer raus aus dem Wappen?

Gelöbnis am Mittwoch für 76 Rekruten, stolz wird dabei auch das Wappen des Bataillons gezeigt, rechts unten ist der jetzt diskutierte Schützenpanzer vom Typ „BMP“ zu sehen.
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Gelöbnis am Mittwoch für 76 Rekruten, stolz wird dabei auch das Wappen des Bataillons gezeigt, rechts unten ist der jetzt diskutierte Schützenpanzer vom Typ „BMP“ zu sehen.

Vorstoß von CSU-Bundestagsabgeordneten Silberhorn gegen Hagenower Bataillon stößt auf Empörung in der Region

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25. Mai 2017, 20:45 Uhr

Die Bundeswehr kommt einfach nicht zur Ruhe, und wieder einmal stehen die Hagenower Grenadiere im Mittelpunkt. Jetzt geht es um das Wappen des Bataillons 401. In dem ist nämlich auch ein BMP-Schützenpanzer aus sowjetischer Produktion zu sehen. Geht es nach dem CSU-Bundestagsabgeordneten  Thomas Silberhorn aus Bayern soll der aus dem Wappen verschwinden, weil auch die DDR-Geschichte in der Bundeswehr konsequent aufgearbeitet werden müsse.

Der CSU-Mann, der auch Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist, hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aufgefordert, das Großreinemachen in der Bundeswehr nicht nur auf das Erbe der Wehrmacht zu beschränken. „In der Debatte über deutsche Militärtradition muss auch die Geschichte der Nationalen Volksarmee der DDR kritisch und konsequent aufgearbeitet werden“, sagte Silberhorn dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).  Im Interesse der Opfer des DDR-Regimes sei es höchste Zeit, dass sich die Bundeswehr von Relikten der NVA verabschiedet. „Traditionsstiftend kann für die Bundeswehr nur sein, was ihrem Auftrag entspricht.“ Das Panzergrenadierbataillon 401 im mecklenburgischen Hagenow trägt bis heute einen NVA-Schützenpanzer vom Typ BMP im Wappen.

Diese Meldung schlug bei den sowieso schon genervten Soldaten ein wie eine Bombe. Am  Mittwoch Nachmittag fand nämlich das  feierliche Gelöbnis  in der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne statt. Hauptredner Wolfgang Waldmüller von der CDU-Landtagsfraktion hatte für den Vorstoß aus Bayern gar kein Verständnis. Der Kollege von der CSU soll sich doch erst mal kundig machen, bevor er solchen Unsinn in die Welt setze. Der BMP-Panzer war eben nicht nur zu DDR-Zeiten in Hagenow das Hauptwaffensystem, sondern auch noch vier Jahre in dem neu aufgestellten Panzergrenadierbataillon der Bundeswehr. Erst danach wurde der „Marder“ als Schützenpanzer eingeführt. Brigadegeneral Oliver Kohl nahm die Nachricht von der Forderung am Mittwoch nur mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis.  Das Wappen sei klar eine Sache des Standortes.

Margret Seemann, Bürgermeisterin Wittenburgs, das eine Patenschaft mit einer Kompanie des Bataillons unterhält, sprach von Bilderstürmerei. Christian Rosenkranz von der CDU, als Oberstleutnant der Reserve für die zivil-militärische Zusammenarbeit im Kreis zuständig, sagte: „Der Herr soll sich mal um seine Angelegenheiten kümmern und nicht so einen Flurschaden hinterlassen. Die Bundeswehr braucht Unterstützung und nicht so etwas.“

Gerade auf das Wappen war und ist man in Hagenow besonders stolz. Denn den BMP (übersetzt Kampfmaschine der Infantrie) hat niemand sonst im Wappen. 

Auf Nachfrage teilte Thomas Silberhorn der SVZ mit, dass auch die Militärgeschichte – mit allen Seiten der Vergangenheit – selbstverständlich ihren Platz in der Bundeswehr habe. „In der Traditionspflege geht es aber darum, welche Werte und Normen für die Bundeswehr identitätsbegründend und handlungsleitend sind. Hier muss deutlich werden, dass der Auftrag der Bundeswehr im Alltag gelebt wird.“

 Genauso gut, so hieß es am Mittwoch bei einigen Soldaten,  könne man  gleich die ganze Kaserne oder zum Beispiel das Berliner Olympiastadion abreißen, weil  ja alles geschichtlich belastetet sei.

Den Ablauf des von zahlreichen Angehörigen beobachteten Gelöbnisses konnte der politische Vorstoß nicht stören. Im Gegenteil, Oberstleutnant Jan-Friedrich Tilmann bedankte sich ausdrücklich bei allen, die gekommen waren. „Ihre Anwesenheit unterstreicht die Bedeutung des heutigen Tages und zollt diesen jungen Bürgern in Uniform den Respekt, den sie für ihren Dienst an und für unsere Gesellschaft verdient haben, auch und gerade in Zeiten, in denen über die Bundeswehr lautstark in der Öffentlichkeit diskutiert wird“, erklärte der Hagenower Kommandeur. Das Signal auch von den Partnerstädten am Mittwoch war klar. Kasernenname und Wappen bleiben in Hagenow so wie sie sind.

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