"Urban Knitting" in Wittenburg : Das Ziel: Gestrickte "Straßenkunst"

Ziel  des Urban Knitting ist es übrigens, Gegenstände im wahrsten Sinne des Wortes einzustricken und so triste Orte aufzupeppen. Thorsten Meier/privat
Ziel des Urban Knitting ist es übrigens, Gegenstände im wahrsten Sinne des Wortes einzustricken und so triste Orte aufzupeppen. Thorsten Meier/privat

Im Rahmen der Aktion "Die große potemkinsche Straße" soll eine weitere Aktion aus der Taufe gehoben werden, nämlich das "Einstricken" einer Hausfassade. Das "Urban Knitting" soll in Wittenburg für Aufmerksamkeit sorgen.

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13. September 2012, 06:20 Uhr

Wittenburg | Im Rahmen der Aktion "Die große potemkinsche Straße" (SVZ berichtete mehrfach) soll nun eine weitere Aktion aus der Taufe gehoben werden. Ton Matton und seine Mitstreiter haben sich wieder eine verrückte Sache ausgedacht, nämlich, das "Einstricken" einer Hausfassade. Gegenstände mit Strickwerk einzukleiden, Straßenpfosten, Laternenpfähle und gar Bäume zu bestricken, ist seit einigen Monaten ein Trend, der sich vor allem in den großen Städten wie Hamburg, Berlin, München großer Beliebtheit erfreut.

Nun soll das sogenannte "Urban Knitting" auch in Wittenburg für gezielte Aufmerksamkeit sorgen. Die Fassade eines Hauses in der Großen Straße soll dazu eins zu eins eingestrickt werden. Das Material und die Technik werden gestellt. Wer jedoch Stricknadeln in der Größe acht bis zehn Millimeter hat, kann die gerne zum ersten Treffen im Rathaus, am kommenden Montag, dem 17. September, um 18 Uhr, mitbringen. An diesem Abend wird die Aktion vorgestellt und das Material verteilt.

"Liebe Wittenburger, bringen Sie Kind und Kegel mit und stricken Sie in gemütlicher Runde. Wir freuen uns über jeden, der sich an diesem Vorhaben beteiligt", wirbt Bürgermeister Norbert Hebinck und meint weiter: "Natürlich ist das eine verrückte Aktion. Keine Frage. Aber nur mit ungewöhnlichen Ideen, holt man sich die Menschen ran. Je verrückter, desto besser. Denn wir wollen Leben in die Große Straße bekommen und Ideen aus den Menschen herauslocken. Dazu müssen wir ihre Neugierde wecken. Wir möchten über unsere Stadtgrenzen hinaus auf das Vorhaben aufmerksam machen."

Dieses "Vorhaben" ist das Bemühen, die 14 Ruinen in der Großen Straße und einige Leerflächen als Schandflecke in der Großen Straße verschwinden zu lassen. Dafür sollen die Einheimischen mit eingebunden werden. Denn Wittenburgs Große Straße wirkt wie ein saniertes Gebiss mit einzelnen faulen Zähnen. Diese sollen verblendet werden.

"Wir verkleiden die verfallenen, ungenutzten Häuser und Freiflächen. Dafür wollen wir zum Teil haushohe Planen bedrucken lassen und am 21. Oktober feierlich vor die Immobilien hängen. Die Große Straße wird für etwa drei Monate zu einem ein Kilometer langen Ausstellungsraum . Der Passant erlebt die Straße völlig neu, als Potemkinsches Dorf. Er reflektiert das Gesehene als städtebaulichen Impuls", erklärte jüngst Michael Kockot, einer der Mitorganisatoren einer kürzlich stattgefundenen Projektwoche. Veranstaltet und inspiriert wurde diese Aktions von den involvierten Künstlern, Architekten, Städteplanern, Soziologinnen und den Wittenburger Bürgern.

Guerilla Knitting, auch Urban Knitting, Yarn bombing oder gestricktes Graffito, ist eine Form der Streetart, bei der Gegenstände im öffentlichen Raum durch Stricken verändert werden. Die Knittings werden aber auch als eine Form der politischen Äußerung eingesetzt, so tauchten in Stuttgart 2010 am Bauzaun des Hauptbahnhofs seit dem Abriss des Nordflügels (Projekt Stuttgart 21) Knittings von Projektgegnerinnen auf. Ziel des Urban Knitting ist es, triste Orte aufzupeppen: Graue Betonpfeiler oder Laternenpfähle in bunten Maschen zu verhüllen, langweilige Parkuhren Ringelmützen verpassen, strengen Statuen Schals umwickeln oder harte Parkbänke in weiche Stricksofas umarbeiten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Nun sind die Wittenburger gefordert, sich einzumischen und mitzustricken.

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