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Gnadenhof in Banzin : Das Ziel: Ehrfurcht vor der Kreatur

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

In Banzin vermitteln Tanja Günther und Jürgen Foß Besuchern auf ihrem Gnadenhof das friedliche Zusammenleben von Mensch und Tier

von
erstellt am 16.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Als einzigartige Begegnungsstätte für Mensch und Tier mit einem lebenswürdigen Umfeld für all jene Kreaturen, die als vergängliche Nutzwesen dem Menschen nicht mehr dienbar sind, verstehen Tanja Günther und Jürgen Foß ihr „Land für Tiere“. Vor drei Jahren hat das Paar damit begonnen, ein respektvolles und friedliches Zusammenleben aus der Taufe zu heben. Auf rund 13 Hektar Fläche, wo früher ein Horchposten der NVA in den Westen installiert worden war.

Nachdenken sei angesagt, betont Tanja Günther. Sie ist bekennende Veganerin und hat sich mit dem Gnadenhof einen Lebenswunsch erfüllt. Nämlich einen Ort zu schaffen, wo es egal sei, ob ein Tier von Nutzen sei oder nicht. Einen Platz, wo sich bestenfalls die Gefühle des Menschen mit denen der Tiere verbänden. „Auch Tiere können leiden, deshalb müssen wir als Menschen ihnen beistehen.“ Angriffsziel müsse die Massentierhaltung sein, sagt die 48-Jährige. Und ihr Mann Jürgen Foß nickt zustimmend, bevor er durch das Reich der 60 Tiere, wie Schafe, Schweine, Puten, Kaninchen und Schildkröten führt. Zutraulichkeit inklusive. Schnell wird klar, sie sind allesamt Botschafter ihrer Artgenossen, denen weder ein gutes Leben noch Unversehrtheit zugebilligt wird.

Dass Tiere eine Seele haben, wird immer noch gern bezweifelt. Wer so etwas sagt, zeigt eigentlich nur, dass ihm seine abhanden gekommen sein dürfte. „Nutztiere fallen doch oft einfach durchs Raster. Die meisten Menschen verdrängen ihre Existenz. Durch die Anonymisierung hält sich das schlechte Gewissen in Grenzen. Wie Massentierhaltung tatsächlich vonstatten geht, will doch so wirklich kein Kunde wissen, der nach preiswertem Fleisch verlangt“, erklärt Jürgen Foß, der nachdenkliche Diplom-Physiker, der in seiner Frau eine Seelenverwandte gefunden hat. Dort wo einst beider Wiegen standen, in Nordrhein-Westfalen.

Tierschutzunterricht für Schulklassen, das hautnahe, ungekünstelte Erleben von Natur und Umfeld, vegane Kochkurse, Seminare und Besuchssonntage, um nur einige Beispiele zu nennen, sollen mit dazu beitragen, in diesem Refugium, das nicht zuletzt auch ein Projekt der Stiftung Tiernothilfe ist und sich durch Spenden und Patenschaften finanziert, ein friedliche Miteinander von Mensch und Nutztier täglich neu zu beginnen. Am Lehmberg 3, dort, wo zu DDR-Zeiten mit übermächtigen Antennen in die Welt hinein gelauscht worden ist. Vielleicht sollten wir ab und an auch in unser Innerstes horchen und uns fragen: Will ich wirklich, dass Nutztiere in Mega-Fabriken zusammengepfercht, für mich leiden? Es bedarf endlich einer neuen Ethik. Menschen verdienen Mitleid. Tiere ebenso. Also ist ein anderes Menschenbild vonnöten, eine andere Verantwortung gefragt. Letztlich gilt es doch auch, unsere eigene Liebe zu retten.

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