Zarrentin : Das silberne Gold des Schaalsees

Fischer Philipp Eberele kehrt mit dem Silberschatz, den Maränen, heim.
Fischer Philipp Eberle kehrt mit dem Silberschatz, den Maränen, heim.

Maräne: begehrte Spezialität und das „Brot“ der Fischer erlebt hohe Zeit. Philipp Eberle leert jeden Tag Netze. Aalbesatz für 3000 Euro.

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26. Juni 2017, 21:00 Uhr

In einer Tiefe von 15 bis 20 Metern lebt im Schaalsee ein Fisch, der ab Juni auf dem Speisezettel ganz oben steht: die kleine Maräne.

„Derzeit schmeckt gerade dieser  Fisch besonders lecker. Und es ist ein gutes Maränen-Jahr, so dass wir täglich alle Bestellungen abdecken können. Wir müssen keine Kunden wegschicken, so wie manches Jahr, wenn die Fänge einfach nicht reichen“, freut sich Diana Rehbohm. Die Schaalseefischerin bewirtschaftet seit 17 Jahren etwa 460 Hektar des bis zu 72 Meter tiefen Gewässers. „Die Maräne ist eine begehrte Spezialität und unser Brotfisch zugleich“, erklärt die 46-Jährige im SVZ-Gespräch. Sie selber liebt den Forellenfisch frisch gebraten aus der Pfanne. Aber auch geräuchert oder  süßsauer eingelegt, möge sie ihn, sagt sie. „Er ist unser silbernes Gold“, betont die gebürtige Zarrentinerin und erklärt die guten Fangergebnisse dieses Jahres. „Die Planktonbildung im Frühjahr ist für den Bestand ganz wichtig. Die Maräne braucht diese kleinen Pflanzenteile als Nahrung.“ Als wichtiger  Bioindikator sei sie auf sauberes und sauerstoffreiches Wasser angewiesen, um heranwachsen zu können.   Bis zur „Ernte“. Dann kommt   Philipp Eberele  ins Spiel. Der 29-Jährige arbeitet seit drei Jahren als Fischwirt bei  der Schaalseefischerin.  Jeden  Morgen leert er bei Tagesanbruch die Netze und kommt mit den beliebten Fischen zurück. Oftmals warten die Kunden schon am Steg auf ihn. Um neugierig zu schauen, wie groß die Ausbeute ist. „Die Maräne gehört zur Familie der lachsartigen Fische. Sie ist mit der Forelle verwandt. Das feste helle Fleisch ist sehr aromatisch und grätenarm. Die kleine Maräne erreicht eine Größe von zehn bis 26 Zentimetern“, erklärt der junge Mann. Er war es auch, der dieser Tage mitgeholfen hat, 69 Kilo Aalbesatz in den Schaalsee zu entlassen. „Das waren etwa 11 500 Fische mit einer Größe um die zehn Zentimeter. Wenn fünf bis zehn Prozent davon durchkommen, sind wir schon glücklich“, sagt Philipp Eberele. Das Meiste holten sich die „Schwarzen Federn“, wie der Experte die Kormorane genervt betitelt. Teures Futter für die bei Fischern so verhassten Vögel.

„Immerhin hat der diesjährige Aalbesatz, den wir jedes Jahr zuführen, um die 3000 Euro gekostet“, rechnet Dianja Rehbohm vor. Vom Schaalsee aus, wo die Aale aufwüchsen,  würden sie später über die Elbe  in die bis zu 6000 Kilometer entfernten Laichgebiete quer durch den Atlantik bis zur Sargassosee am Rand der Karibik wandern.

Extra: Wie die Maräne in den Schaalsee kam

Der Schaalsee mit seinen 72 Metern Tiefe bietet Platz für Sagen und Legenden. Aber wussten Sie, dass Zarrentin aus dem Slawischen übersetzt „Ort des Bösen“ heißt? Eine Äbtissin vom Nonnenkloster zu Zarrentin, so erzählt jedenfalls die Sage, hatte in der Fastenzeit Appetit auf ein Maränengericht. Sie hatte in ihrer Jugendzeit in Italien die Maränen kennengelernt.  Sie überfiel so sehr das Verlangen nach diesen Fischen, dass sie den Teufel anrief und ihm ihre Seele versprach, wenn er ihr vor Mitternacht ein Gericht Maränen herbeischaffe. Dem Meister alles Bösen gefiel dieser Handel sehr und er machte sich sogleich auf den Weg zum Bodensee, wo es die seltenen Fische gab. Kaum hatte sich der Teufel in die Luft erhoben, da schlug die Äbtissin das Gewissen. In ihrer Ratlosigkeit rief sie die Nonnen des Klosters zusammen und beichtete ihnen reuevoll ihr Vergehen. Da stand eine der Nonnen auf, beruhigte die fromme Mutter, kletterte auf den Turm und stellte die Uhr eine Stunde voraus. Der Teufel hatte sich sehr beeilt. Schon um 11 Uhr befand er sich mit dem Fischgericht über Techin am Schaalsee. Da hallten plötzlich zwölf Schläge der Klosteruhr dröhnend über den See. Als der Teufel diese vernahm, geriet er in rasende Wut und schleuderte die herbeigeschafften Maränen samt Netz in den See, wo sie seitdem leben. Quelle: Kloster Zarrentin

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