Alt Garge : Das Ringen um wenige Zentimeter

Juni 2013: Nur noch die Sandsackbarriere hält die Elbfluten auf...
Juni 2013: Nur noch die Sandsackbarriere hält die Elbfluten auf...

Umweltausschuss des Kreistags hörte Sachverständige zum Hochwasserschutz an Rückschnitt könnte nächsten Winter erfolgen

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10. Februar 2018, 12:00 Uhr

Die Erinnerungen an das Hochwasser im Sommer 2013, als das Wasser der Elbe knapp unter die mit Sandsäcken verstärkte Deichkronen flutete, sind noch frisch. Viel wird seitdem gerechnet und diskutiert, wie dem Fluss mehr Raum gegeben werden kann, denn zukünftige Hochwasser könnten noch höher auflaufen. „Die Elbe hat sich in den letzten Jahrhunderten stark verändert und muss sich in Zukunft wieder stark verändern, damit wir solchen Hochwasserereignissen gewachsen sind“, erklärt Klaus-Jürgen Steinhoff vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Der Umweltausschuss des Lüneburger Kreistages hatte auf Initiative des Bleckeder Kreistagsmitgliedes Martin Gödecke zu einer Sondersitzung in Alt Garge Sachverständige geladen, die zum aktuellen Stand der Hochwasserschutzmaßnahmen informieren.

„Wir müssen unsere Philosophie ändern, isolierte Einzelmaßnahmen haben bei der Senkung des Hochwasserpegels kaum Effekte. Wir müssen länderübergreifend arbeiten und gemeinsam Maßnahmenpakete entwickeln“, so Steinhoff. Das Augenmerk richtet sich derzeit auf die Beseitigung von Engstellen, die den Wasserdurchfluss behindern und von denen es 24 im niedersächsischen Abschnitt der Elbe gibt. „Schon im 19. Jahrhundert hat man gefordert, dass für die Elbe ein 600 Meter breiter Raum offengehalten werden muss“, erläutert Steinhoff.

Ein gemeinsames Projekt könnte auf Mecklenburger Seite die Verlegung des Sudesperrwerkes und der Bau eines Querdeiches im Hinterland in Kombination mit einer Deichrückverlegung in Mahnkenwerder und einer anderen Steuerung des Polders Gothmann sein. Der niedersächsische Beitrag in dieser Kooperation könnte die Deichrückverlegung im Bereich Vitico zwischen Bleckede und Radegast sein. „Hier ist noch nichts entschieden, aber das Paket könnte eine Senkung von 20 Zentimetern bringen“, wirbt Klaus-Jürgen Steinhoff. Doch aus den Reihen der zahlreichen Zuhörer der Versammlung gibt es Widerstand. „Eine Deichrückverlegung im Vitico bringt gar nichts. Stattdessen gefährden Sie die Ortslage Radegast extrem. Das ist ein Irrsinn!“, empört sich ein Anwohner.

Auch beim Rückschnitt der Verbuschung möchte man sich zukünftig auf Engstellen konzentrieren, referiert Stefan Bartscht, Chef des Lüneburger Umweltamtes: „Wir haben Voraussetzungen festgelegt, unter denen ein Rückschnitt erfolgen kann. Unter anderem dürfen keine prioritären Lebensräume betroffen sein, die Wirksamkeit muss belegt und die erforderlichen Kohärenzmaßnahmen geprüft sein.“ Weitere Rückschnittmaßnahmen seien denkbar, die an Engstellen erfolgen könnten.

Im Amt Neuhaus könnten das Viehle, Stiepelse, Bitter und Privelack sein. Der Landkreis wolle eine Festlegung für geschützte Auwaldbereiche und Rückschnittbereiche erstellen, ein möglicher weiterer Schnitt könne im nächsten Winter erfolgen. Dass der Busch an den Engstellen maßgeblich für erhöhte Wasserstände ist, bezweifelt Zuhörer Johannes Haker aus Preten: „Die Engstellen werden meist durch landschaftliche Gegebenheiten geformt, oft liegen dort Ortschaften wie in Radegast.“

Wie schwierig und einschneidend für die Anwohner eine Weitung der Engstellen sein könnte, beweist ein Blick in den „Rahmenplan Abflussverbessernde Maßnahmen an der Unteren Mittelelbe“ des NLWKN. Dort heißt es im Zusammenhang mit berechneten und geprüften Möglichkeiten einer Deichrückverlegung im Bereich Privelack, die eine Absenkung von 9 Zentimeter bringen könnte, „Da eine Deichrückverlegung im Bereich Privelack den Abriss der dort befindlichen Häuser erfordern würde, wurde alternativ der Bau eines Umfluters untersucht.“ Der Umfluter, der erforderliche Bau einer Brücke, um die Bewohner im Hochwasserfall zu versorgen, und der Bau zusätzlicher Deiche erweisen sich allerdings in der Umsetzung als zu teuer.

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