Wettbewerb schlechteste Kreisstraße : „Das kann nicht die Zukunft sein“

Einer der Anwärter auf den Titel ist sicherlich die K 12 zwischen Setzin und Körchow.

Einer der Anwärter auf den Titel ist sicherlich die K 12 zwischen Setzin und Körchow.

Setzins Bürgermeister Marco Haurenherm kämpft seit neun Jahren für Sanierung der Kreisstraßen in seiner Gemeinde – bisher erfolglos

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24. Februar 2018, 05:00 Uhr

Der Wettbewerb um die schlechteste Kreisstraße im Landkreis Ludwigslust-Parchim hat Fahrt aufgenommen. Seit Montag erreichen unsere Redaktion viele Vorschläge mit  würdigen Anwärtern auf den Titel. Mit dabei sind beispielsweise die K 24 bei Tessin, die K 20 und K 31 in Belsch sowie die K 12 und die K 25 in der Gemeinde Setzin. Deren Bürgermeister Marco Haurenherm hatte sich, als hätte er es geahnt, als einer der Ersten bei uns gemeldet. „Auch bei der Gemeinde Setzin liegt die wichtige Infrastruktur in der Baulast des Landkreises. Wir sprechen hier von den Kreisstraßen 25 und 12. Beide Straßen haben einen dringenden Sanierungsbedarf. Dazu habe ich bereits mehrfach den zuständigen Landrat Herrn Christiansen schriftlich darauf hingewiesen. Zuletzt habe ich eine Unterschriftenliste auch beim Bürgerbeauftragten M-V Matthias Crone eingereicht“, schreibt Haurenherm. Leider komme immer wieder die gleiche Antwort, man habe keine finanziellen Möglichkeiten, bemühe sich aber weiter um eine Verbesserung. „Es gibt diesbezüglich aber kein Konzept und Aussicht auf baldige Besserung!“

Und der ehrenamtliche Bürgermeister dürfte wissen wovon er spricht, ist er doch hauptberuflich  Leiter der Straßenmeisterei Hagenow. „Da juckt es einem schon mal in den Fingern, aber wir sind nicht für Kreisstraßen zuständig, das geht nicht“, meint Haurenherm im SVZ-Gespräch. „Die Straßenmeisterei kümmert sich um die Landes- und Bundesstraßen, also Straßen deren Baulast das Land Mecklenburg-Vorpommern oder der Bund trägt. Für Kreisstraßen ist der Landkreis verantwortlich. Das bekommt kaum einer der Anwohner auseinander gehalten. Und ich werde oft von den Bürgern angesprochen, ob ich nicht mal was machen könnte.“

Das kann Marco Haurenherm eben nicht, so gerne er auch wollte. „Die großen Verbindungsachsen, also Bundes- und Landstraßen, funktionieren gut. Das Netz darunter ist problematisch. Dieses Problem muss der Kreis lösen. Und wenn, wie immer gesagt wird, kein Geld da ist, dann muss er das Problem an das Land tragen.“ Die knapp sieben Millionen Euro, die der Kreis in diesem Jahr für Investitionen in den Straßenbau geplant habe, reichten bei weitem nicht aus. Er habe fast 1000 Kilometer Straße zu betreiben. Feste Kosten seien auch immer vorhanden, so zum Beispiel für den Winterdienst.  „Früher hat der Kreis vier Millionen Euro jährlich eingeplant. Nach Abzug der festen Kosten blieben rund zweieinhalb Millionen übrig. Ein Kilometer Straßenausbau kostet den Landkreis laut eigener Aussage aber schon 900 000 Euro“, erzählt Haurenherm. So seien theoretisch gerade einmal knapp drei Kilometer pro Jahr möglich gewesen. „Da kann man schon  zehn Feste auf einmal feiern, wenn der Landkreis mal eine Straße saniert.“

Wenn es dann doch einmal dazu kommen sollte, schlägt Marco Haurenherm vor, zunächst eine Prioritätenliste zu erstellen. Und da hat der 44-jährige Bürgermeister schon einen Vorschlag: „Die K 12 von Setzin nach Körchow ist eine verkehrsreiche Straße. Laut einer Zählung fahren hier mehr als 1350 Fahrzeuge am Tag lang. Außerdem ist sie ein Autobahnzubringer.“ Deshalb sei es auch unverständlich, dass auf der Straße noch DDR-Zustände herrschen würden, denn seit der Wende sei sie nicht mehr saniert worden. Das Ergebnis sei nun, dass sie von Grund auf neu gemacht werden müsse. Ein so genannter Aufbau auf die vorhandenen Strukturen sei dort nicht mehr möglich. Das gehe vielleicht noch bei der K 25 von Setzin in Richtung Toddin.

„Um die Sanierung zu provozieren, wende ich mich mittlerweile jedes Jahr erneut an den Kreis“, erzählt Haurenherm. „Dabei habe ich auch schon geschrieben, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist.“ Als Antwort habe er  immer die gleiche bekommen: „Der Landkreis meint, die Verkehrssicherheit ist  gegeben, die Verkehrsteilnehmer müssten nur ihre Geschwindigkeit anpassen. Vielleicht ist die Straße auch sicher, wenn ich 60 fahre,  aber das kann  nicht die Zukunft sein.“

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