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Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 04:11 Uhr

Boizenburg : Das kann man nicht lernen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Abschied nach 30 Jahren Dienst: Die Grundschule „An den Eichen“ verabschiedete ihren Hausmeister Walter Grassel

svz.de von
erstellt am 29.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Sichtlich gerührt verfolgte Walter Grassel die fröhlichen Lieder, die Schüler und Lehrer der Grundschule „An den Eichen“ für ihn am Dienstagmorgen im Foyer sangen. In 15 Minuten würde er die Schule verlassen und das war’s – nach 30 Jahren Dienst ist es für den Hausmeister Zeit, in Rente zu gehen. Das sind in Tagen seit dem 1. Juni 1986 ganze 11  098 oder 266  352 Stunden oder 15  981  120 Minuten oder 958  867  200 Sekunden, wie Schulleiterin Angela Hartmann, ihres Zeichens Mathematiklehrerin, ausgerechnet hat. Sie ist seit 1994 an der Schule und kennt Hausmeister Walter Grassel neben den Lehrerinnen Kerstin Schmiedek (seit 1992) und Dörte Herzberg mit am längsten. Nicht wenige Jungen und Mädchen verdrückten sich ebenfalls ein paar Tränen und fielen „ihrem“ Hausmeister zum Abschied um dem Hals. Ein besseres Zeichen für Beliebtheit kann es wohl kaum geben.

„Hausmeister kann man nicht lernen, das muss man sein“, sagt Walter Grassel. „Das ist nicht Jedermanns Sache, das muss man mögen. Ich fand es oft lustig, mir hat das Spaß gemacht.“

Gewohnt hat die gute Seele der Eichenschule all die Jahre in der schuleigenen Hausmeisterwohnung. Der Tag begann für Walter Grassel immer damit, die Milch für die Schüler herein zu holen und im Hausmeisterraum sortiert aufzustellen, so dass die Schüler sich die Milch in der Pause abholen konnten. „Deshalb kennen die mich auch alle so gut.“ Denn offensichtlich machte Hausmeister Grassel auch mal den einen oder anderen Scherz. „Hier an der Grundschule sind die ja noch knuddelig“, meint er. „Und Kinder sind eben Kinder, die toben auch mal gern.“ Das sei an der Erweiterten Oberschule, die zu DDR-Zeiten in der jetzigen Eichenschule war, selbstverständlich anders gewesen. Vor dem Unterricht schloss Walter Grassel jedenfalls immer alle Klassenräume auf und lüftete. Auf die Frage, was ein Hausmeister denn sonst noch so zu tun hat, antwortet Detlev Witt, der das Amt von Walter Grassel übernimmt: „Unsere Arbeit ist ein offenes Buch. Man sieht, wer den Müll aufsammelt, den Rasen mäht oder den Hof und die Schule fegt. Wir sind diejenigen, die verstopfte Klos und Wasserhähne reparieren.“ Und auch Unmögliches möglich machen, lächelt Walter Grassel. Ansonsten seien eben alle gekommen, wenn etwas kaputt war. „Oder wenn eine Lehrerin ihre Steckdose nicht finden konnte oder ein Kabel brauchte.“

Jetzt hat Walter Grassel eine Wohnung außerhalb der Schule, die er nun erst einmal einrichten will. Und dann herausfinden muss, für welche Hobbys er sich interessiert. Denn bis jetzt hat er keine. „Ich war ja Tag und Nacht hier.“

Mit 65 Jahren fängt das Leben an, hatte der Chor der Lehrerinnen im Foyer gesungen. Für Walter Grassel wird es auf jeden Fall ein ganz neues Leben. „Das fällt mir schon schwer“, sagt er beim Abschied.

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