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Hagenower Kreisblatt

20. November 2017 | 03:26 Uhr

"Das ist nichts für stille Mäuschen"

vom

svz.de von
erstellt am 27.Apr.2012 | 09:34 Uhr

Hagenow | 15 Uhr - normalerweise hat Angelique um die Zeit längst Schulschluss. Doch statt zur Schule zu gehen hat sie sich heute für einen langen Tag in der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne entschieden. "Das hier ist richtig interessant. Ich wusste gar nicht, dass es so viele Berufsfelder bei der Bundeswehr gibt", sagt die 16-Jährige. Sie steht neben der Hindernisbahn unter einer Zeltplane und lässt sich von Feldwebel Friderike Hahm erklären, wie man Fingerabdrücke nimmt. Die junge Soldatin gehört zur Tatort- und Ermittlergruppe. Sie tut das, was Polizisten tun - nur eben nicht im zivilen Leben, sondern bei der Bundeswehr. "Das ist es, was ich immer wollte", sagt die Soldatin zu den Mädels. Nach ihrem Fachabitur habe sie eine dreijährige Feldjägerausbildung gemacht und sei dann zu den Ermittlern nach Hagenow gekommen. Hier ist sie eine von fünf Frauen unter den 150 Feldjägern in Hagenow. "Die Arbeit ist nichts für stille Mäuschen in der zweiten Reihe", sagt sie zu den Mädchen. "Man braucht ein gutes Durchsetzungsvermögen." Sich behaupten zu können sei das A und O in diesem Beruf. "Die Arbeit ist abwechslungsreich und sehr fordernd. Aber auf eine positive Art", sagt sie. Außerdem habe sie hier Lkw- und Motorradfahren gelernt und einen dreimonatigen Englischkurs belegt. "Wer kriegt so etwas schon in einem normalen Beruf geboten." Die Mädchen hören ihr gespannt zu. "Cool", sagt Angelique, als ihr Oberfeldwebel Thomas Rostock zeigt, wie man Fußspuren sicherstellt. 20 Mädchen aus Hagenow, Ludwigslust, Lübtheen, Boizenburg und Schwerin haben sich gestern für den Girls’ Day bei der Hagenower Bundeswehr gemeldet. "Kaum hatten wir die Plätze im Internet freigegeben, waren sie auch schon besetzt", sagt Gerrit Schütt, Sprecher des Panzergrenadierbataillons. Das Interesse der Mädchen für die Bundeswehr ist seit Jahren groß. "Auch bei der Polizei, im Kühne-Werk und in den Verwaltungen melden sich die Mädchen gern an", sagt Hagenows Gleichstellungsbeauftrage Heike Schweda. Zu ihrem Bedauern habe das Kompetenzzentrum für Chancengleichheit in Bielefeld dieses Jahr erstmals kleine Handwerkerbetriebe, wie Optiker, Hörakustiker oder Zahntechniker aus dem Angebot gestrichen, weil es sich hierbei nicht um männertypische Berufe handele. "Deshalb sind uns viele Plätze weggebrochen", sagt Heike Schweda. "Und deshalb sind auch dieses Jahr nicht mehr so viele Mädchen beim Girls’ Day dabei."

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