KFZ-Meisterbetrieb in Wittenburg : Das Herz verloren an Simson und Jawa

<strong>Andreas Hamann und Sebastian Grohs</strong> widmen sich in ihrem Kfz-Meisterbetrieb vornehmlich  rollenden  Oldtimern. <foto>Thorsten Meier</foto>
Andreas Hamann und Sebastian Grohs widmen sich in ihrem Kfz-Meisterbetrieb vornehmlich rollenden Oldtimern. Thorsten Meier

"Egal ob Schwalbe, Mokick oder Roller, alle Simson-Modelle fahren spielend 60 Stundenkilometer, neu zugelassene Scooter und Roller dürfen und können nur noch maximal Tempo 45 fahren", weiß Sebastian Grohs.

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02. Juli 2012, 06:56 Uhr

Wittenburg | Wussten Sie schon, dass ein Simson Moped legal 60 Stundenkilometer fahren darf?

"Alle Fahrzeuge bis Baujahr Februar 1992 dürfen das. Egal ob Schwalbe, Mokick oder Roller, alle Simson-Modelle fahren spielend 60 Stundenkilometer, neu zugelassene Scooter und Roller dürfen und können nur noch maximal Tempo 45 fahren", weiß Sebastian Grohs und erklärt damit auch den ungebrochenen Run auf diese ehemaligen DDR-Mopeds. Simson-Fahrzeuge hätten ein sehr außergewöhnliches Design, seien eben ganz anders, als alles, was man außerhalb des einstigen Arbeiter- und Bauernstaates kannte, betont der 28-Jährige weiter, der seit April dieses Jahres im Wölzower Weg zusammen mit seinem Spannemann Andreas Hamann einen KFZ-Meisterbetrieb für die rollenden Kulteisen "Simson" und "Jawa" betreibt.

"Während diese Fahrzeuge nach der Wende noch teilweise belächelt wurden, sind sie heute, egal ob Ost oder West, vom normalen Straßenbild kaum noch wegzudenken", berichtet Andreas Hamann. Ihr Design könne man als zeitlos bezeichnen, meint der Kraftfahrzeug-Techniker-Meister weiter. "Das Design wie beispielsweise bei dem legendären Modell Schwalbe wird im allgemeinem sehr geschätzt und ist heute ein absolutes Kultobjekt", weiß der gebürtige Wittenburger. Ein kraftvoller Motor mit drei oder Vier-Gang-Schaltung sorge für ein zügiges wie sehr bequemes Fahren. Selbst im Anhängerbetrieb sei der Motor nicht überfordert. Ähnliches gelte auch für die tschechischen Motorräder der Marke "Jawa " mit einem Hubraum von 175 und 350 Kubikzentimetern, berichtet der 28-Jährige. Auch sie waren damals sehr beliebt, zumal die DDR noch nicht in der Lage war, den Bedarf an Motorrädern aus eigener Produktion mit den Marken IFA (ehemals DKW), EMW und Simson zu decken. Darüber hinaus hatten Jawa-Motorräder zu dieser Zeit Weltruf, nicht zuletzt wegen der sportlichen Erfolge. Die Jawa 175 war eines der wirtschaftlichsten Fahrzeuge dieser Zeit und sah einfach auch gut aus.

Und trotzdem kam es anders. Der Volksaufstand in Ungarn im Oktober 1956 war der Grund dafür, dass die Jawa-Werke zeitweilig keine Motorräder nach Ungarn liefern konnten. Deshalb wurde ein Sonderkontingent mit 250 ccm-Maschinen der Modellreihe Jawa 353 in die DDR exportiert. In den 80er und 90er Jahren wurde die Jawa langsam zu einer Seltenheit im Straßenverkehr. Während die 80er Jahre in der DDR überwiegend von einheimischen MZ-Motorrädern dominiert wurden, setzte nach der politischen Wende der "Run" auf westliche Motorradmarken ein. Das Motorrad entwickelte sich mehr und mehr vom früher notwendigen alltäglichen Gebrauchsfahrzeug zum Hobbyinhalt oder Sportgerät.

"Es gibt noch so viele Liebhaber von Simson und Jawa", betont Sebastian Grohs. Der gebürtige Hagenower, der in Tessin lebt, besitzt etliche Zweirad-Oldtimmer. "Ich bin selber begeisterter Motorradfahrer und habe mit zwölfeinhalb Jahren bereits mit dem Speedway begonnen." Es mache ihm einen Riesenspaß an den Mopeds und Motorrädern herumzuschrauben.

"Da muss man noch richtig reparieren und nicht nur Teile tauschen. Manchmal muss man sich was einfallen lassen, improvisieren oder sogar selber Ersatzteile drehen." Ihm gefalle die Formsprache, das seien noch Zweiräder mit Charakter, meint Sebastian Grohs. Er und Hamann haben sich auf der Meisterschule der Handwerkskammer in Schwerin kennengelernt. Beide suchten sie die berufliche Selbständigkeit und haben sie seit Gründung der A&amp;S Service GbR bisher auch noch nicht bereut, bestätigen sie einstimmig. Man wisse, wofür man arbeite, sagt Andreas Hamann, der auch für die Autoschiene verantwortlich zeichnet. "Wir reparieren nämlich hier auch Autos aller Fabrikate und Hersteller."

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