Wiebendorf : Das Ende von fünf Biberdämmen

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Hier langt die Baggerschaufel in einen der fünf Dämme, die ein Biber nahe Wiebendorf errichtet hatte. Jetzt ist die Gefahr für Weideflächen gebannt.
Hier langt die Baggerschaufel in einen der fünf Dämme, die ein Biber nahe Wiebendorf errichtet hatte. Jetzt ist die Gefahr für Weideflächen gebannt.

Das gab es lange nicht mehr: Landkreis gab Grünes Licht für den Baggereinsatz nahe Wiebendorf

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14. Juni 2018, 05:00 Uhr

Mit einem satten, schmatzenden Geräusch frisst sich die Baggerschaufel in den kleinen Damm. Sofort schießt das angestaute Wasser gurgelnd in den trockenen Graben. Das Ende eines Biberdammes. Und noch weitere vier Dämme im gleichen Graben werden in nicht einmal einer halben Stunde beseitigt. Der Biber ist hier schon lange ausgezogen, seine Dämme haben auf den nahen Weiden immer wieder für Überschwemmungen gesorgt. Und dennoch ist diese Aktion alles andere als normal und markiert einen Durchbruch im Umgang mit dem streng geschützten Tier.

Landwirt Fabian Pruns vom Wiebendorfer Luisenhof ist einfach nur erleichtert, als er neben dem Bagger steht. Denn der Biber hat seiner Firma lange zu schaffen gemacht. Vor allem im vergangenen Herbst setzten die Bauten des Nagers Teile seiner Weiden unter Wasser. Jetzt kann das Wasser in dem Graben, der zum Wassersystem der Schaale gehört, wieder ungestört abfließen.

Doch der Weg bis zum Abriss der Biberdämme war lang und nicht gerade billig. Voraussetzung für die Aktion des Wasser- und Bodenverbandes „Boize-Sude-Schaale“ war eine umfangreiche behördlichen Untersuchung, Monitoring genannt. Aber auch die behördlichen Beobachter im Auftrag des Landkreises fanden schnell zwei Sachen heraus: Erstens, die Drainagen und Rohrleitung in dem Weidebereich funktionierten durch die Biberdämme nicht mehr. Und zweitens, die Biberdämme waren alt, die Burg nicht mehr bewohnt. So kam schließlich die Genehmigung für die Baggeraktion.

Sowohl Geschäftsführer Andreas Schwebs als auch der für das Gebiet nahe Wiebendorf zuständige Ingenieur des Verbandes, Steffen Wagner, konnten sich nicht erinnern, dass es eine derartige Aktion überhaupt schon einmal gegeben hat. Für Schwebs ist die Beseitigung der Dämme eine ermutigende Aktion. „Es zeigt sich, dass man Probleme lösen kann, auch wenn es manches Mal lange dauert und Geld kostet.“

Sein Verband hat sehr viel mit den emsigen Bibern zu tun. Schwebs schätzt die Zahl der aktiven Biber im Verbandsgebiet auf mehr als 50. Und viele sind so fleißig, dass ihre Dämme Auswirkungen auf die Menschen haben.

So im Kammgraben in Boizenburg. Der dortige Damm (SVZ berichtete) schränkt nicht nur die Kläranlage der Stadt ein, sondern setzt auch Teile des angrenzenden Gewerbegebietes nebst Ausgleichsflächen unter Wasser. Umweltminister Till Backhaus hatte zwar mittels einer Drainage den Wasserstand dort senken lassen. Doch das reicht, so die letzten Untersuchungen des Verbandes, nicht aus. In solchen Fällen hatte Backhaus eine „Entnahme“ des Bibers ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Ein weiteren Fall gibt im Verlauf der Mühlenbaches nahe Schwanheide. Auch hier befürchten Menschen langfristig Überflutungsgefahr durch einen Biberdamm.

Für den Luisenhof in Wiebendorf ist das Problem Biber erst einmal gelöst. Der Milchbetrieb, der gerade auf Bio umstellt, kann mit den bisher nicht nutzbaren Weideflächen wieder rechnen. Und gerade im Biobereich sind die Flächen kostbar.

Kommentar: Endlich!

Es ist eigentlich bedenklich, wenn eine an sich normale Aktion, wie die Beseitigung offenkundig problematischer Biberdämme, ein so wichtiges Thema ist. Bisher war es aber so, der Biber war unantastbar, egal, was er tat. Jetzt wurde gehandelt, und es ist zu hoffen, dass andere Behörden dem folgen. Denn bei allem Naturschutz, der wichtig bleibt, darf das Wohl der Menschen nicht vergessen werden.
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