Boizenburg : Das Ende der Ente

In Boizenburg geht es ihnen noch gut. Aber in wirklich freier Wildbahn setzen Nesträuber den Wildenten gehörig zu.
In Boizenburg geht es ihnen noch gut. Aber in wirklich freier Wildbahn setzen Nesträuber den Wildenten gehörig zu.

Eingewanderte Nesträuber bedrohen die Wildvögel.

svz.de von
08. November 2018, 10:35 Uhr

Gelassen sitzt ein Rentnerehepaar auf einer Parkbank. Zwischen ihnen steht ein kleiner Beutel. Er ist gefüllt mit altem Brot. Dieses verteilen die zwei älteren Herrschaften nach und nach an die Enten, die ebenso gelassen auf dem Teich, an dem die Bank steht, an ihnen vorbeiziehen. Romantisch ist dieses Bild, dass ein jeder in irgendeiner Weise bestimmt schon einmal beobachtet hat. Vielleicht wird ja selbst manchmal von dem ein oder anderen ein kleines Entlein mit einem Stückchen Gebäck belohnt. In Boizenburg bietet sich am Graben zumindest zu Hauf die Gelegenheit dazu. Haben sich doch viele Enten die ehemalige Wallanlage als Heimat gewählt.

Doch so gut es dem wilden Geflügel in Boizenburg gehen mag, in der freien Wildbahn hat es das Federvieh nicht mehr so einfach. „Es ist schon ein Rückgang zu verzeichnen“, erklärt Jörg Stübe. Der Leiter des Forstamtes Schildfeld setzt dies zugleich in einen gewissen Zusammenhang: „Waschbär, Marderhund und Mink sind einfach eine zu große Bedrohung.“ Die Räuber seien einfach zu geschickt und kämen auch an das entlegenste Nest, um das Gelege der Vögel zu stehlen. „Einheimische Arten wie der Fuchs würden da nicht so weit vordringen können“, fährt Jörg Stübe fort.

Damit benennt er zugleich ein großes Problem, dass sich für die Enten erst im Laufe der Zeit ergeben hat. Mink, Marderhund und Waschbär sind nämlich so genannte invasive Tierarten. Das heißt, dass sie ursprünglich aus einen anderen Land eingewandert sind. Haben sich die Wildvögel zum Beispiel auf den Fuchs als Fressfeind über Jahrhunderte einstellen können, wissen sie nun mit der neuen Bedrohung noch nicht richtig umzugehen. Und die Räuber wiederum wissen dies für sich zu nutzen. Umsonst wäre ihre Population wohl nicht so rasant angestiegen. „Das wird auch an der Zahl der Abschüsse dieser Tiere ersichtlich“, gibt der Forstamtsleiter zu verstehen. Diese sei in nur relativ wenig Jahren extrem gestiegen, wobei die Population dennoch nicht weiter abnimmt.

Noch sei es zwar nicht zu akut, der Förster findet es aber trotzdem wichtig, dass den Raubtieren eine gezielte Bejagung gilt. „Seitdem diese stattfindet, erhöhte sich der Entenbestand auch wieder“, erklärt er. Anderthalb Monate vor Weihnachten sind dies gute Nachrichten. Schließlich wollen Menschen nicht nur Enten füttern, sondern zum Fest so manches Tier auch als Braten verspeisen. Dies können sie bei einem erholten und stabilen Bestand dann auch mit einem guten Gewissen tun.

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