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Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 03:50 Uhr

Hagenow : Das Dilemma um die Fehlalarme

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Die hohen Kosten für Fehlalarme werden den Firmen in Rechnung gestellt, was für Diskrepanz sorgt. Denn einige Unternehmer sind gleichzeitig Sponsoren der Hagenower Feuerwehr und überdenken ihre Spenden. Ein Dilemma.

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2013 | 07:24 Uhr

Hagenow | Fehlalarme entwickeln sich zu einem kleinen Dilemma für die Hagenower Feuerwehr. 18 Mal müssen die Kameraden 2012 ausrücken, weil die Sirene umsonst auslöst. Das kostet. Bis zu 1000 Euro pro Einsatz. Die Rechnungen gehen an die Firmen, was für Diskrepanz sorgt. Denn einige Unternehmer sind gleichzeitig Sponsoren der Feuerwehr und überdenken ihre Spenden.

"Das Geld geht allerdings an die Stadt", betont Wehrführer Steffen Kasulke. Nicht an die Kameraden. Zumindest nicht direkt. Stattdessen gibt es einen jährlichen Zuschuss für die Kameradschaftskasse.

Und trotzdem müssen sich die Feuerwehrleute vor Ort mitunter beschimpfen lassen. Situationen, die nicht gerade motivieren, sagt Steffen Kasulke. Dabei sei für sie jeder Einsatz zunächst ein Ernstfall. Innerhalb von drei bis vier Minuten rücken die ersten Feuerwehrleute aus. Tag und Nacht. Empfangen werden sie ganz unterschiedlich. "Die meisten gehen aber professionell damit um", fasst der Wehrführer zusammen.

Dennoch: Die Feuerwehr würde die Diskrepanz gerne aus der Welt schaffen. Denn für die ehrenamtlichen Lebensretter zählt nicht nur der gute Kontakt zu den Unternehmen, sondern auch jede Sach- und Geldspende. Denn die seien immer schwieriger zu bekommen, so Kasulke. Die Idee - eine Pauschale für Firmen, oder andere Formen von Rabatten. Doch das gehe gegen die Satzung der Stadt, die die Gebühren genau regelt, begründet das Rathaus ihm gegenüber. Bürgermeisterin Gisela Schwarz appelliert stattdessen an die Verantwortung der Betriebe, in denen häufiger Fehlalarme auslösen. "Sie sollten die Ursachen dafür überprüfen."

Die regelmäßige Wartung der automatischen Brandmeldeanlagen sei aber bereits zu spüren, lobt Steffen Kasulke. Nur sechs von 18 sind reine Fehlalarme gewesen, die auf technische Defekte der Anlage basieren. Der Rest Blindalarme, die durch Wartungsarbeiten, Dampf oder externen Rauch ausgelöst worden sind.

Damit künftig weniger Falschalarme auslösen, könnten Firmen bei Wartungsarbeiten die Brandmeldeanlage ausstellen, rät Steffen Kasulke. Auch im Falle eines Alarms kann der finanzielle Schaden minimiert oder verhindert werden. Mehrere Minuten haben die meisten Techniker Zeit, einen Fehlalarm zu entdecken und die Leitstelle darüber zu informieren. Dann rückt die Feuerwehr gar nicht erst aus. Schafft er das nicht, sollte der Alarm nicht selbst abgestellt werden, erklärt der Wehrleiter. Denn "dadurch können wir die Ursache nicht mehr ablesen". Dann müsse oft das gesamte Werk oder der Betrieb abgelaufen werden. Das kostet Zeit und Geld, was die Rechnung für den Einsatz schnell mal von 100 oder 300 Euro auf 2000 Euro erhöhen könnte.

Summen, die durchaus gerechtfertigt seien, sagt Steffen Kasulke. Abgesehen von der teuren Technik, stecke ein hoher Aufwand hinter solchen Einsätzen. Spezielle Ausbildungen und Übungen mit Lageplänen etwa, damit die Kameraden wissen, wo sie was in welchem Betrieb vorfinden. Hinzu komme der Lohnausfall für die Arbeitgeber der Feuerwehrleute.

Kühne gehört zu den Firmen, die froh über die schnelle und kompetente Hilfe der Feuerwehr sind. Das Hagenower Werk überrascht die Kameraden deshalb auch spontan mit einem Frühstück, nachdem sie 2012 nach einem Blindalarm sofort auf der Matte stehen. "Wir waren überrascht, dass das so gut funktioniert hat", sagt Hans-Joachim Brüning, Technischer Leiter. Auch wenn so ein Einsatz für Kühne zusätzliche Kosten bedeutet, "letztlich zählt die Sicherheit", sagt Brüning. Und es könnte ja auch ein Ernstfall sein. So wie die meisten der 127 Einsätze der Hagenower Wehr in 2012.

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