Neuhaus : Das Amt hat seine eigenen Wölfe

Wir fühlen uns hier wohl: Drei Wölfe haben sich im Amt Neuhaus angesiedelt.
Wir fühlen uns hier wohl: Drei Wölfe haben sich im Amt Neuhaus angesiedelt.

Wolfsberater so gut wie sicher: Drei erwachsene Tiere haben sich im Gemeindegebiet angesiedelt. Fast täglich Sichtungen bei Sumte

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24. November 2017, 05:00 Uhr

Noch weiß niemand, woher die Wölfe kommen, die sich offenbar im Amt Neuhaus angesiedelt haben. „Aber wir sind dran, es nachzuweisen“, sagt Hauke Hanstedt. Der Wolfsberater für das Amt aus Herrenhof ist sich so gut wie sicher, dass sich mittlerweile drei erwachsene Tiere dauerhaft rund um Sumte aufhalten. „Vor drei Monaten war die Situation noch anders. Das territoriale Verhalten und die Häufung von Sichtungen und Losungen spricht aber dafür, dass es sich hier um Wölfe handelt, die nichts mit dem Lübtheener Rudel zu tun haben.“

Dafür sprechen auch die Beobachtungen von Jürgen Oehlke aus Sumte. „Bei uns wird eigentlich täglich ein Wolf gesehen“, erzählt der Hobbyzüchter von Schafen. Und er hat Angst: „Nicht um mich. Aber ich habe schon ein mulmiges Gefühl, wenn ich abends nach meinen Tieren gucke. Dann hoffe ich, dass keins gerissen wurde.“

Ungewöhnlich wäre das in der Region nicht mehr: Hauke Hanstedt hatte zuletzt einiges zu tun. Mitte Oktober seien Wildtiere in der Nähe von Kaarßen gerissen worden. Anfang November habe es fünf Schafe in Neuhaus erwischt. „Dass es sich um Wolfsrisse handelt, ist noch nicht hundertprozentig bestätigt. Wir haben aber Genproben genommen. Die Fälle sind jetzt noch in Bearbeitung“, so Hanstedt.

Daneben seien zuletzt vermehrt Losungen (Kot der Tiere) aufgefunden worden. In einem Fall nur 50 Meter vom Ortseingangsschild Sumte entfernt, berichtet Jürgen Oehlke. „Es ist beängstigend. Wir müssen dafür sorgen, dass Wölfe nicht in die Orte kommen. Es geht nicht darum, sie abzuschaffen, sondern die Situation vernünftig zu händeln. Tiere, die Ortschaften und Menschen zu nahe kommen, müssen weg.“

Und dafür gebe es genügend Möglichkeiten, meint der ausgebildete Wolfsberater Hauke Hanstedt. So könnte man die Tiere vergrämen, also dauerhaft verscheuchen, oder vereinzelt abschießen. „Wir sind in der Situation, dass wir die höchste Wolfsdichte in Europa haben. Es wäre nicht mehr der Fall, dass einzelne Abschüsse die Population gefährden.“ Man müsse den Wölfen wieder beibringen, dass der Mensch gefährlich für sie sein kann.

Die aktuelle Rechtslage spricht allerdings dagegen, denn laut Gesetz ist der Wolf keine jagdbare Tierart, und er ist zu schonen. „Damit untersteht er direkt dem Umweltministerium und nicht den Jagdbehörden. Nach der Wahl stockt allerdings zurzeit die Diskussion, wie mit Problemwölfen umgegangen wird“, so Hanstedt. Und so bliebe Haustierhaltern nur die Möglichkeit , Präventionsmaßnahmen zu ergreifen und für einen wolfssicheren Grundschutz zu sorgen. Dieser würde vom Land Niedersachsen bei Tierhaltern im Neben- und Haupterwerb bis zu 80 Prozent gefördert. Eine Pauschale zahle das Land als Entschädigung für gerissene Tiere. Diese gebe es aber nur, wenn auch ein wolfssicherer Grundschutz vorhanden war, so Hanstedt.

Darüber, wie dieser aussieht, können sich Tierhalter bei Hauke Hanstedt informieren. Weitere Tipps und Kontaktdaten der Wolfsberater gibt es auch auf der Internetseite www.der-wolf-in-niedersachsen.de. Eine Bitte, die dort zu finden ist, kann auch Hauke Hanstedt unterstreichen: „Jede Wolfssichtung sollte dem zuständigen Berater mitgeteilt werden.“

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