Hagenow : Damit es kein Tabu-Thema bleibt

In der Familien- und Erziehungsberatungsstelle des IB in Hagenow: Bereichsleiterin Gabriela Wegner (l.) und Beraterin Tine Bräuer.
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In der Familien- und Erziehungsberatungsstelle des IB in Hagenow: Bereichsleiterin Gabriela Wegner (l.) und Beraterin Tine Bräuer.

Familien- und Erziehungsberatungsstelle des IB regt die Bildung einer Selbsthilfegruppe für Frauen an, die Gewalt erfahren haben

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27. August 2016, 11:53 Uhr

Die Zahlen sind erschreckend. Nach Auskunft des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erlebten beispielsweise 40 Prozent der Frauen in Deutschland seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt. 25 Prozent der bundesweit lebenden Frauen haben Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner zu spüren bekommen. Gewalt gegen Frauen, meistens in der Beziehung oder nach der Trennung, ist ein wichtiges Thema, mit dem sich die Familien- und Erziehungsberatungsstelle des Internationalen Bundes Nord, Südwest Mecklenburg, in Hagenow befassen muss. Ansprechpartnerin dort ist Diplom-Psychologin Tine Bräuer.

„Weil wir diese Zahlen kennen und in unserem eigenen Arbeitsumfeld mit dieser Problematik zu tun haben, wollen wir eine Selbsthilfegruppe für betroffene Frauen ins Leben rufen, damit sie sich austauschen können“, macht Tine Bräuer im SVZ-Gespräch deutlich. Angesiedelt sein soll diese Selbsthilfegruppe in Boizenburg. „Mir geht es eigentlich darum, dass wir einen Ort schaffen für Frauen, die Gewalterfahrungen gemacht haben. Es ist mir bei den Beratungen aufgefallen, dass es viele Frauen sind, die mit Gewalt konfrontiert sind, sei es körperliche oder psychische. Und da es seit Jahren keine Selbsthilfegruppe für betroffene Frauen gibt, denke ich, dass wir mit der Gründung so einer Gruppe auf dem richtigen Weg sind“, macht Tine Bräuer die Beweggründe deutlich. Vor allem geht es den Sozialarbeitern darum, den Frauen Mut zu machen. Wichtig sei ihr, dass die Frauen eine Anlaufstelle bekommen, einen Ort haben, an dem sie sich austauschen können.

Nach den Worten von Gabriela Wegner, der Bereichsleiterin für ambulante und stationäre Hilfe zur Erziehung in der Hagenower Beratungsstelle, sei häusliche Gewalt oft ein Tabu-Thema in der Gesellschaft, die Frauen hätten Angst vor dem gewalttätigen Partner und vor der Öffentlichkeit. „Nach den bisherigen Kampagnen zu dem Thema sei es nun der nächste Schritt, die Selbsthilfegruppe zu gründen. Die Dunkelziffer der betroffenen Frauen ist sicherlich hoch, denn es bedarf schon Mut, sich einen Ruck zu geben, um mit diesem Thema in die Beratungsstelle zu kommen“, macht Gabriela Wegner im SVZ-Gespräch deutlich.

Betroffene Frauen erhalten Informationen bei Tine Bräuer in Hagenow unter der Telefonnummer 03883/727123. Gleichzeitig ist Michaela Zorn, Kibis Selbsthilfekontaktstelle, vom DRK-Kreisverband ansprechbar. Sie ist unter der Telefonnummer 03883/618939 erreichbar.

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