Zeetze : Damit die Düne wieder wandert

Kiefern entfernen in Teamarbeit: Den beiden Juniorrangern Anni und Lisa macht das Entkusseln wie man sieht großen Spaß. Fotos: Ingunn Wittkopf
Kiefern entfernen in Teamarbeit: Den beiden Juniorrangern Anni und Lisa macht das Entkusseln wie man sieht großen Spaß. Fotos: Ingunn Wittkopf

Juniorranger des Archezentrums entkusselten mit Unterstützung der Biosphäre und der Landesforst ein Binnenbiotop

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17. November 2017, 12:00 Uhr

„Man sieht, was man für einen Erfolg haben kann, wenn man im Team arbeitet“, mit Stolz zeigt der zehnjährige Hannes aus Neuhaus auf die große Fläche, die die Kinder mit Unterstützung der Erwachsenen von Forst, Biosphäre und dem Archezentrum an diesem Vormittag bereits von kleinen Kiefern befreit haben.

„Entkusseln nennt man das“, erklärt Hannes Kumpel Jannis, der ebenfalls mit einer kleinen Baumsäge den Kiefern zu Leibe rückt, „Wir müssen nur noch die Stumpen glatt abschneiden, dann können sie verrotten. Damit der Wind wieder über den Sand blasen kann.“ Auch Ronja und Annie sind bestens über das „Warum?“ dieser Maßnahme im Rahmen der landesweiten Naturschutz-woche 2017 für Kinder informiert.

„Wenn wir das nicht machen, würden hier ganz viele große Bäume stehen und die Düne könnte nicht mehr wandern“, erläutert Annie, während sie resolut eine Kiefer zerlegt. Etwas unschlüssig sind die Kinder dann doch, wohin die Düne wandert. Nach Zeetze? „Ne, in die andere Richtung“, glaubt Ronja.

Fachliche Unterstützung gibt es in solchen Fragen von der zertifizierten Natur- und Landschaftsführerin Gaby Eßer, die den Kindern die Besonderheiten der Dünenlandschaft nahebringt. Sogar Wolfsspuren wurden von ihr in der Nähe der Düne gesichtet, die noch erkundet werden sollen, verspricht Holger Belz vom Archezentrum. „Das ist heute eine tolle Gelegenheit für die Kinder, etwas draußen in der Natur zu machen“, findet Belz, „Ich habe mal rumgefragt, fast alle Kinder wollen Ranger werden, wenn sie groß sind, weil es ihnen so viel Spaß macht.“

„Wann sieht man denn heutzutage noch Kinder im Wald spielen? Und nach so einem Tag wissen sie genau, wie eine Kiefer riecht“, freut sich der Förster der niedersächsischen Landesforsten, Hans-Jürgen Kelm, über den ehrenamtlichen Waldarbeiternachwuchs durch die Juniorranger.

Der neunjährige Niall aus Sumte ist sowieso am liebsten den ganzen Tag draußen und Lisa und Anni aus Neuhaus würden gerne mal einen größeren Baum fällen. Auch für diesen Wunsch hat Hans-Jürgen Kelm, der im Forstamt Göhrde für die Waldökologie zuständig ist, Verständnis und sucht ein entsprechendes Exemplar aus. „Wo darf man sonst noch einfach so Bäume abhacken?“, lacht er, „Hier ist sehr magerer Boden, deshalb sind diese Bäume forstwirtschaftlich für die Ernte nicht von Belang. Aber für dieses spezielle Waldgebiet im Amt Neuhaus ist es wichtig, dass wir Flächen offen halten. Vor zehn Jahren hat der ehemalige Förster Hans Lange begonnen, Flächen freizustellen, u. a. diese Düne bei Zeetze. Alle fünf Jahre muss sie vom Kiefernbewuchs befreit werden, damit sie ihre Funktion als Lebensraum erfüllen kann.“ Hans-Jürgen Kelm zeigt einen eigentümlich gewachsenen, fächerförmigen Pilz: „Den wärmeliebenden Insekten, die auf der Düne leben, ist es heute natürlich zu kalt. Aber solche Pilze oder seltene Flechten brauchen diesen trockenen, sandigen Lebensraum.“ Auch das Rotwild trifft sich gerne auf den Dünen, bestätigt Förster Kelm und neben dem Naturschutz gibt es auch noch einen anderen wichtigen Grund, Flächen im Wald freizustellen: „Bei einem Waldbrand würde an der Düne das Feuer aufhören. Da der Ort Zeetze in direkter Nähe liegt, ist das ja nicht ganz unwichtig.“

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