Jagdschlösschen Schwartow : Damit das Lächeln erhalten bleibt

Kersten Dumke, mit Leib und Seele Koch und Hotelier, vor dem Eingang zu seinem Restaurant.
Kersten Dumke, mit Leib und Seele Koch und Hotelier, vor dem Eingang zu seinem Restaurant.

Die vergebliche Suche nach Personal bedroht zunehmend Unternehmen der Region/Eines davon ist das Jagdschlösschen Schwartow

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26. August 2015, 15:15 Uhr

Schon seit fast zwei Jahren sucht Kersten Dumke, Geschäftsführer und Koch vom „Jagdschlösschen Schwartow“, eine Servicekraft. Sie soll für das Frühstück der Hotelgäste zuständig sein und sich um die Reinigung der Zimmer sowie des Hauses kümmern. Er inserierte in verschieden Zeitungen bis nach Lüneburg, machte Anschläge an Bäumen und Hauswänden und sagte jedem seiner Gäste Bescheid. Vergeblich. Wenn er nicht in naher Zukunft jemanden findet, muss er in irgendeinen Bereich des Gastronomiebetriebes streichen. „Wir müssen unsere Gastfreundschaft und unser Lächeln retten“, erklärt der gebürtige Potsdamer. „Ich und meine Mitarbeiter müssen die Arbeit der fehlenden Servicekraft zusätzlich bewältigen. Und wenn man überdimensional viel arbeiten muss wie wir, vergeht einem das Lächeln.“

Dumke und sein Mitarbeiterteam spielen gerade verschiedene Möglichkeiten durch, wie sie das Arbeitskräftedefizit auffangen können. „Wir werden nicht umhin kommen, zusätzlich zu unserem Schließtag am Montag je nach Bedarf das Restaurant zu schließen. Der Montag und solche zusätzlichen Schließzeiten sind nicht wirklich Ruhezeiten, denn der Hotelbetrieb, der Veranstaltungsservice und die Büroarbeit gehen ja währenddessen weiter.“ Ärgerlich findet der Unternehmer, der Hotel und Restaurant ganz allein aufgebaut hat, dass auf diese Weise die Erfolgsgeschichte des Hauses ins Stocken gerät. Denn das Jagdschlösschen ist ein sehr erfolgreicher Betrieb. Das Restaurant ist beliebt bei den Bewohnern der Region. Seitdem Kersten Dumke in einer Sendung während der NDR-Landpartie gekocht hat, kommen Leute sogar bis aus Süddeutschland zu ihm, um seine bodenständige, aber einfallsreichen Küche, die zum großen Teil mit regionalen Produkten zubereitet wird, auszuprobieren. Die mittelständischen Unternehmen der Umgebung schicken gern ihre Gäste in sein Hotel. „Wir hatten schon Gäste aus Amerika, Russland, Japan, Vietnam und Südafrika hier“, erzählt der Hotelier. „Der Generalkonsul von Madagaskar war schon da und der Generalkonsul von Ghana, wegen einer Angelegenheit im Asylbewerberheim Horst.“ Der habe sich gefreut, dass einer von Dumkes Mitarbeitern, der auch aus Ghana ist, denselben Stammesdialekt spricht wie er. Besondere Highlights waren natürlich der Besuch von Thomas Gottschalk und der Dreh des Schweizer Fernsehteams für die Sendung „Wie isst Deutschland?“ Danach ist das Team zu Angela Merkel gefahren und meinte, sie seien gespannt, ob die Kanzlerin die Gastfreundschaft von Kersten Dumke und seinem Team toppen könnte.

„Wir hören es auch so viel von anderen Gastronomen in der Region, dass sie immer größere Probleme haben, Personal zu finden.“ Kersten Dumke ist ratlos. „Nein, ich mache niemandem einen Vorwurf. Ich weiß nicht, ob die Stadt oder das Land da irgendwie helfen könnten.“ Das Problem sei für viele der frühe Arbeitsbeginn. „Ja, als Frühstücks- und Servicekraft muss man früh anfangen, um sechs Uhr. Aber dafür ist man gegen 12 Uhr auch schon wieder fertig. Und wir bezahlen im regionalen Vergleich ziemlich gut.“ Die fertig ausgebildeten Gastronomen würden eben lieber in die großen Städte gehen oder hinaus in die Welt ziehen. „Das verstehe ich sogar, das habe ich selbst so gemacht.“

Im Moment sieht er keine Lösung für das Problem. Dabei sucht er noch nicht einmal eine ausgebildete Kraft. „Eine Hausfrau, die nach ihrer Kinderbetreuungszeit wieder berufstätig sein möchte und selbstständig in diesem Bereich arbeiten kann, wäre auch perfekt.“ Aber auch die gibt es nicht. Offensichtlich ist das Problem eines, das die Möglichkeiten des Einzelnen übersteigt. Der viel zitierte demographische Wandel macht sich jetzt immer stärker bemerkbar.

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