zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

24. November 2017 | 05:08 Uhr

Immer auf Achse : Busfahrer der ersten Stunde

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Hermann Brumme sitzt seit 35 Jahren hinterm Lenkrad

von
erstellt am 08.Okt.2014 | 16:16 Uhr

Hagenow Hermann Brumme ist in seinem Metier so etwas wie eine Institution. Seit 20 Jahren lenkt er den City-Bus durch Hagenow. Für viele Menschen ist er ein vertrautes Gesicht auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Arzt. „Man kennt sich“, sagt Brumme, der nicht viel Aufhebens um seine Person macht. „Als ich damals anfing, waren einige der Stammfahrgäste  im Babyalter, heute haben sie selbst Kinder“, erzählt der 56-Jährige.

Brumme ist sozusagen der Mann der ersten Stunde hinter dem Lenkrad des Stadtbusses, der am 29. August 1994 zum ersten Mal auf Fahrt ging. Zu den zwei Dekaden,  in denen er vorrangig in der Frühschicht  seine zehn Runden für die  Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) in der Stadt dreht, kommen noch 15 weitere  Jahre bei seinem Arbeitgeber hinzu. In dieser Zeit hat Brumme  rechnerisch wohl um die 40 Mal die Erde umrundet und den Großteil der 1,25 Millionen Fahrgäste der Stadtbuslinie befördert, und das unfallfrei.

„Manche sagen, du musst ja schon ’ne kleine Macke haben, immer rundrum in der Stadt zu fahren“, berichtet der Berufskraftfahrer lachend. „Aber man gewöhnt sich dran. Bin zufrieden mit dem Job.“

Von den  täglich 270 Fahrgästen, die werktags mit dem  Mercedes-Bus im neuen gelben VLP-Design  fahren, sind etwa  95 Prozent eine wiederkehrende Klientel. Vorwiegend sind es  Schüler und ältere Menschen.

In seiner Karriere auf dem Fahrerstuhl hat Brumme  gute, weniger schöne und auch kuriose Erlebnisse gehabt. An einen Vorfall kann er sich noch gut erinnern: „Auf dem Kietz ist mal eine Oma beim Hinsetzen im Bus auf ihren langen Rock getreten. Und stand   auf einmal  ohne da.“

VLP-Geschäftsführer Christian Rader ist stolz auf die City-Linie. In Kommunen  unter 20 000 Einwohnern sei es schon eine Seltenheit, ein derartiges Angebot  zu unterbreiten. Schließlich sei es  eine ökonomisch vakante Sache, in Kleinstädten einen Busverkehr zu installieren, der in einem relativ festen Takt die Stadt regelmäßig durchfährt. „Und diesen Spagat zwischen einem guten Angebot und der Wirtschaftlichkeit haben wir versucht hinzubekommen,“ betont Rader. 

Bislang mit Erfolg. Im Moment trägt sich die Linie mit einem Bus zwischen Hagenow Land und dem ZOB , wie Rader betont. „Mit diesem Fahrplan ist aber auch das Optimum erreicht,“ fügt er hinzu.   Durch die  zunehmende  Zahl von  Einrichtungen für betreutes Wohnen und eine Bevölkerung mit wachsender Lebenserwartung sieht sich der Verkehrsbetrieb verstärkt mit den Anforderungen der Barrierefreiheit konfrontiert und hat entsprechend reagiert. Allein im Raum Hagenow sind elf sogenannte Niederflur-Fahrzeuge unterwegs, die dank moderner Technik ein einfacheres Ein- und Aussteigen erlauben. Dazu gehört auch der Stadtbus, der extra mit einem größeren Stehperron für bewegungseingeschränkte Menschen mit Rollatoren ausgerüstet wurde.   Die VLP in Gänze hat Rader zufolge 2014 acht barrierefreie Niederflurbusse angeschafft.

Mit Blick auf den Hagenower Stadtverkehr wünscht der Betriebschef sich ein stärkeres Engagement der Kommune bei der Umgestaltung der vorhandenen Haltestellen in barrierefreie Stationen. Seines Wissens sei in diesem Jahr gar keine geplant, kritisierte Rader. Es müsste doch möglich sein, wenigstens zwei Haltestellen wie in anderen Städten auch für bewegungseingeschränkte Menschen herzurichten, sprich, sie in der Höhe, in der Gestaltung und in der Wegführung für Sehschwache anzupassen.

„Wir erwarten  von  der Stadt, dass die Barrierefreiheit auch in Bezug von Haltestellen vorangetrieben wird!“, betont Rader.  Barrierefreiheit ist aus seiner Sicht auch nicht nur ein notwendiger Service für Ältere  mit ihren Rollatoren und Gehstöcken, sondern ebenso unabdingbar  für Mütter mit Kinderwagen und den vielen Grundschülern mit schwerem Ranzen und Sporttasche.

Die Stadt in die Pflicht nimmt Rader   auch bei einer Forderung vieler Fahrgäste aus der Neuen Heimat: Die wünschen sich eine Haltestelle vor dem Frischemarkt in der Tarnow-Straße.  „Seit  zwei Jahren haben wir das Thema auf die Tagesordnung gesetzt.  Bislang hat sich aber nichts getan,“ klagt Rader.   

 Die vor einem Jahr neu gegründete VLP, hervorgegangen aus der Ludwigsluster Verkehrsgesellschaft mbH, der Reisedienst Parchim GmbH und Teilen der SGS Bus & Reisen Schwerin GmbH, bedient als eine der größten Busgesellschaften des Landes eine Fläche  von Ventschow bis Dömitz, Lauenburg bis Krakow am See. Für das kommunale Unternehmen sind mehr als 200 Busse unterschiedlicher Größe jeden Tag  unterwegs.  Unter den 250 Beschäftigten ist auch  einer von Hermann Brummes Kindern.  „Dein Sohn ist als  Baby bei Dir mitgefahren, dann als Schüler und ist jetzt  selber Busfahrer. Da muss er seinen Vater doch sehr entspannt erlebt haben, wenn er so einen Job machen wollte“,  scherzt Rader mit seinem Kollegen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen