zur Navigation springen

Benz: Selbst ist das Dorf : Bürger spenden Geld für ihre Straße

vom

Das hat die Benzer Bürgermeisterin in ihrer Amtszeit noch nicht erlebt: Bürger aus ihrer Stadt spenden Geld für die Ausbesserung einer Straße, damit ihnen die Umlage auf die Anwohner in ein paar Jahren erspart bleibt.

svz.de von
erstellt am 26.Jun.2013 | 11:49 Uhr

Lübtheen | Das hat Bürgermeisterin Ute Lindenau in ihrer zwölfjährigen Amtszeit noch nicht erlebt: Bürger aus ihrer Stadt spenden Geld für die Ausbesserung einer Straße, damit ihnen die teure Umlage auf die Anwohner in ein paar Jahren erspart bleibt. Mitinitiator dieser für die Stadtverwaltung "ungewöhnlichen Aktion" ist Jürgen Sahs. Er wohnt in Benz, einem Ortsteil von Lübtheen, war früher selbst Bauleiter und weiß, was auf die Anwohner zukommen kann, wenn Kommunen in die Straßenerneuerung investieren. "Ich bin ja im Bauausschuss der Stadt und weiß, dass die Stadt kein Geld hat", sagt er.

Die Dorfstraße im Ort sieht auf den ersten Blick noch gut aus. "Sie ist vor 35 Jahren mit einer Bitumenschicht befestigt worden", sagt Sahs. Nach den ersten großen Verschleißerscheinungen habe man die Schadstellen ausgebessert. Jetzt aber entdeckt der Baufachmann wieder Risse. "Das kommt von den vielen Transportern, die hier durchfahren und von dem feuchten Wetter", sagt er.

Sahs befürchtet, dass die Straße irgendwann wegsackt und zerschottert. Dann müsste die Stadt sie komplett sanieren und das werde für alle Beteiligten teuer. Deshalb habe er das Problem einfach mal auf einer Ortsversammlung in Benz angesprochen und erfreulicherweise viele Zuhörer gefunden. Seine Idee, im Dorf Geld für die Straßenausbesserung zu sammeln, kam an. Jürgen Sahs zögerte nicht lange, zog mit Kuli und Liste von Haus zu Haus und ließ sich von den Anwohnern mit Unterschriften Geldbeträge quittieren, die sie bereit waren, für ihre Straße zu spenden. Mehr als 35 000 Euro sind zusammengekommen. Das wäre knapp die Hälfte, die die Sanierung laut Schätzung einer Baufirma kosten würde. Dass die Stadt Lübtheen den Benzern so aufgeschlossen gegenüber steht, hat Jürgen Sahs überrascht. Der Hauptausschuss hat den Antrag spontan begrüßt. "Das Engagement der Benzer ist beachtenswert", sagt auch Bürgermeisterin Ute Lindenau. Nach Prüfung der Haushaltslage habe man entschieden, das Projekt auszuschreiben. Morgen soll die Bauleistung vergeben werden. Bauamtsleiter Frank Wein hofft, dass die Angebote sich in dem geschätzten Rahmen bewegen. "Andererseits hätten wir eine Finanzierungslücke." Was bedeutet, dass die Stadt die in Aussicht gestellten 38 000 Euro aus dem Haushalt nicht mehr beisteuern könnte. Doch Sahs rechnet im Zug des Straßenneubaus an der L 06 eher mit noch günstigeren Angeboten von den dort arbeitenden Firmen. "Benz liegt ja nah dran."

Den Denkanstoß für diese Aktion bekam Jürgen Sahs aus Hagenow. Hier müssen Anlieger in der Kastanienallee je nach Grundstücksgröße bis zu 15 000 Euro für die Sanierung zahlen, weil der normgerechte Neubau viel Geld kostet. Sahs: "In Benz kann man genau jetzt dafür sorgen, dass es gar nicht erst soweit kommt."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen