Bio-Schweinezuchtbetrieb bei Boizenburg : Brucellose: Glück im Unglück

Die Polizei sperrte gestern den Zugang zum Hof ab.
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Die Polizei sperrte gestern den Zugang zum Hof ab.

Inhaber des Hofes und Amtstierarzt äußern sich zum Ausbruch der Tierseuche. Bio-Schweinezüchter blickt bereits nach vorn

svz.de von
16. Juni 2016, 20:55 Uhr

Die Brucellose in dem Bio-Schweinezuchtbetrieb bei Boizenburg (SVZ berichtete) wurde durch eine Routinekontrolle entdeckt. Das erklärte Amtstierarzt Olav Henschel gestern gegenüber SVZ. „In Mecklenburg-Vorpommern gibt es Hygieneprogramme, bei denen die Landwirte freiwillig mitmachen können. Der Bio-Bauer des betroffenen Hofes hat daran teilgenommen.“ Bei einer Blutprobe seien zunächst Antikörper des Bakteriums Brucella suis festgestellt worden und bei einer weiteren Probe der Erreger selbst. Da bei der übergroßen Mehrzahl der Schweine der getesteten Gruppe die Proben positiv waren, wurden dann weitere getestet.

„Symptome waren auf den ersten Blick bei den Tieren noch gar nicht zu beobachten“, erläuterte Henschel. Das auffälligste Symptom der Schweinebrucellose sind Totgeburten von Ferkeln im letzten Drittel der Trächtigkeit. „Da die Wahrscheinlichkeit sehr groß war, dass alle Sauen auf dem Hof betroffen waren, haben wir alle den gesetzlichen Vorgaben entsprechend getötet“, so Olav Henschel.

Die Tötungsaktion der über einhundert Schweine sei unter seiner und der Aufsicht seiner Kollegen nach allen Maßgaben des Tierschutzes und der Seuchenhygiene abgelaufen und von einer darauf spezialisierten Firma durchgeführt worden. „Die Aktion hat am Mittwoch von sechs Uhr morgens bis 18.45 Uhr am Abend gedauert.“ Die getöteten Schweine wurden in die Tierkörperbeseitigungsanstalt gebracht.

Die Sauen seien im Freiland gehalten worden. Auf dem Areal stehen Hütten, in denen die Tiere nachts Unterschlupf finden konnten. Die Hütten seien desinfiziert worden, die Weiden dürften jetzt vier Monate lang nicht genutzt werden.

„Wir hatten Glück im Unglück“, sagte der Hofinhaber gestern einigermaßen gefasst gegenüber SVZ. „Die Sauen machen nur zehn Prozent unseres Bestandes aus, der Rest sind Mastschweine und Ferkel. Und von der Brucellose können nur Tiere mit ausgebildeten Geschlechtsorganen befallen werden.“ Trotzdem seien vorsichtshalber alle anderen Tiere im Bestand getestet worden, alle mit negativem Ergebnis.

„Der Ausfall wird zum Teil durch die Tierseuchenkasse ersetzt, in die wir entsprechend der gesetzlichen Verpflichtung einzahlen“, informierte der Bio-Schweinezüchter. Zusätzlich habe er noch eine Ertragsausfall-Versicherung. „So entgeht mir zwar der Gewinn, aber die Seuche bringt mich nicht um.“

Durch die Hilfe, die ihm von allen Seiten angeboten werde, seien er und seine vier Mitarbeiter im Moment sogar eher optimistisch. „Klar ist das traurig. Aber wir überlegen gerade, die Chance zu nutzen und in der Zeit ohne ferkelnde Sauen etwas Neues, Revolutionäres zu bauen.“ Denn das Problem sei vielleicht die völlige Freilandhaltung, eventuell könne man sich da etwas einfallen lassen. Etwas, das ebenfalls artgerecht sei, bei dem aber der Rabenanflug verhindert werde.

Denn darin sieht der Hofinhaber eine mögliche Ursache für den Ausbruch der Brucellose unter seinen Tieren. Die Raben hätten Kontakt mit dem Aas von Wildschweinen. „Und es ist doch allgemein bekannt, dass ungefähr 30 Prozent der Wildschweine Brucellose haben“, meint der Bio-Bauer. „Durch den vermehrten Maisanbau erhöht sich die Zahl der Wildschweine immer mehr und damit auch die Zahl der erkrankten Tiere.“

Nicht unbedeutend ist in diesem Zusammenhang womöglich, dass es nach Recherchen der SVZ den letzten Ausbruch von Brucellose im Landkreis Ludwigslust-Parchim 2008 in derselben Gemeinde bei Boizenburg unweit des jetzigen Geländes gegeben hatte. Damals mussten 400 Schweine getötet werden.

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