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Hagenower Kreisblatt

22. November 2017 | 05:04 Uhr

Boizenburg : Breitet eure Schwingen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Bei Jugendweihen und Konfirmationen wird der Übergang der 14-jährigen von der Kindheit ins Erwachsenenleben gewürdigt

svz.de von
erstellt am 26.Mai.2015 | 07:00 Uhr

Eben lagen sie noch im Kinderwagen und jetzt muss man sich von den hoch gewachsenen jungen Menschen anhören: „Pass auf, dass ich nicht auf dich drauf trete!“

Mit Konfirmationen und Jugendweihen wird eine Tradition gefeiert, die die körperlichen Veränderungen der Pubertät, die mit einer mentalen und seelischen Reifung verbunden sind, öffentlich würdigt. Diese Tradition ist älter als die Arbeiterbewegung, die die Jugendweihe erfunden hat, und selbst älter als die christliche Kirche mit ihrer Konfirmation. Schon seit Urzeiten hatten die Menschen das Bedürfnis, den Übergang ihrer Nachkommen von der Kindheit ins Erwachsenenleben anzuerkennen und zu feiern.

Noch bis in die sechziger Jahre war der Anfang des 19.   Jahrhunderts eingeführte Volksschulabschluss nach acht Schuljahren der verbreitetste Schulabschluss in Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt wurde bis dahin zeitgleich die Konfirmation oder Jugendweihe gefeiert und damit der sehr reale Übertritt in die Erwachsenenwelt mit einer Lehrlingsausbildung und meist der Verpflichtung, zu Hause einen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten. Heute ist das in der Regel nicht mehr so, doch ab 14 Jahren gelten die Jugendlichen in Deutschland beispielsweise als strafmündig und fallen unter das Jugendstrafrecht. Hier wie in allen Lebensbereichen sollen und wollen sie zunehmend Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Das feiert die Jugendweihe und letztendlich auch die Konfirmation, denn in den Kirchengemeinschaften sind die Jugendlichen nun selbst für ihr Seelenheil verantwortlich.

Hartwig Kiesow, der Pastor der Kirchgemeinde St. Marien in Boizenburg, gab seinen zwölf diesjährigen Konfirmanden und ihren Familien Worte mit auf den Weg, die für alle Jugendlichen in diesem Alter gelten können. Er erzählte die Geschichte von einem Mann, der einen Adler fing und ihn in seinen Hühnerhof sperrte. Fünf Jahre vergingen und der Adler scharrte und pickte nach Würmern und Körnern wie die Hühner um ihn herum. Da kam eines Tages ein naturkundiger Mann und sagte: „Das ist ein Adler. Er hat das Herz eines Adlers. Ein Adler muss fliegen!“ Der erste Mann meinte, er könne es ja versuchen, ihn fliegen zu lassen, aber der Adler sei inzwischen wie ein Huhn. Drei Mal versuchte der Naturkundige, den Adler zum Fliegen zu bringen. Die ersten beiden Male hüpfte der König der Lüfte wieder zu den Hühnern, um Körner zu picken. Doch beim dritten Mal breitete er doch seine Schwingen aus und flog zur Sonne.

Pastor Kiesow rief die Jugendlichen dazu auf, nie zu vergessen, was ihre Bestimmung sei, sich nie die Flügel stutzen zu lassen und nach der Verwirklichung ihrer Träume und Wünsche zu streben. Das Leben würde aus mehr bestehen, als nach Körnern und Würmern zu scharren und Küken groß zuziehen. Er wünschte den jungen Erwachsenen, dass sie immer Menschen begegnen würden, die ihnen helfen, zu fliegen.

Ruth Hasemann, die stellvertretende Vorsitzende des Kirchgemeinderates, rief die Familien dazu auf, ihre Jugendlichen in Liebe und Freiheit auf dem Weg ins Erwachsenenleben zu begleiten und ihnen in dieser schwierigen Zeit des Übergangs Halt zu geben.

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