Flüchtlinge in Boizenburg : Breites Bündnis für Menschlichkeit

Die Gruppe Takomba trommelte zum Friedensgebet und zur Stadtvertretersitzung.
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Fotos: Katja Frick

Über 200 Menschen nahmen am Aktionstag teil, während Resolution zur Flüchtlingssituation verabschiedet wurde

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11. November 2015, 07:45 Uhr

Anfangs hatten nur Wenige an diesem Montagabend den Weg durch Regen und Wind zur St.Marienkirche gefunden, um an dem Aktionstag „Boizenburg bleibt bunt“ teilzunehmen. Die, die dort den Crazy Liners und der Trommelgruppe Takomba zuschauten, waren jedoch bester Laune. Bei der Verabschiedung der Resolution zur aktuellen Flüchtlingssituation durch die Stadtvertreter knapp zwei Stunden später waren es dann doch über 200 Menschen, die ein Zeichen für Menschlichkeit und gegen Rassismus und Fremdenhass setzen wollten. Vertreter aller Parteien saßen neben Mitgliedern der Willkommensgruppe, Kirchenleute neben Mitarbeitern des Biosphärenreservats, Jugendliche vom Skatepark neben ehrenamtlichen Helfern, Vereinen, Kulturgruppen und Privatmenschen. Auch einige minderjährige Flüchtlinge aus dem Boizehaus hatten zusammen mit der neuen Leiterin der IB-Einrichtung den Mut, an der Veranstaltung teilzunehmen.

„Wir stellen uns der Aufgabe, unserer Überzeugung und unserem Grundgesetz entsprechend, schutzbedürftigen Integrationswilligen Sicherheit im Rahmen unserer Möglichkeiten zu geben, von Amts wegen und mit ehrenamtlichem Engagement, das allerhöchsten Respekt verdient“, heißt es in der Resolution, die die 20 anwesenden Stadtvertreter auf ihrer außerplanmäßigen Sitzung mit 19 Ja-Stimmen und der Enthaltung des NPD-Vertreters verabschiedeten. Zuvor war dieser Satz durch die Annahme eines Änderungsantrags von Christian Meyer (CDU) mit einer knappen Mehrheit noch geändert worden. „Wir treten dafür ein, dass die derzeit nach Deutschland und Europa aus großer Not und Sorge um ihr Leben fliehenden Menschen hier aufgenommen werden, dass ihnen in unserem Verantwortungsbereich Unterstützung und Hilfe zuteil wird“, heißt es in der Resolution weiter. „Wir wenden uns gegen alle Bestrebungen, die Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit propagieren. Wir stehen gemeinsam für Toleranz und Vielfalt im städtischen Miteinander und gegen Extremismus in jeglicher Form - heute wie in der Zukunft.“ Interessierte Bürger haben im Bürgerbüro der Stadt am Kirchplatz 6 die Möglichkeit, sich der Resolution der Stadtvertretung mit ihrer Unterschrift anzuschließen.

Beim der Resolution vorangegangenen Friedensgebet hatten viele Boizenburger den Mut gefunden, ihre Gedanken zum Thema öffentlich zu äußern. „Ich bin froh, dass hier heute so Viele erschienen sind, um zu zeigen, dass Menschlichkeit und Toleranz zu uns gehören“, sagte beispielsweise Stadtvorsteherin Heidrun Dräger. Zuvor hatte Pastor Kiesow an die Reichspogromnacht am 9.11. 1938 erinnert. „Der Begriff Überfremdung stammt von den Nazis. Damals heizten sie den Hass auf die Juden an, die nur ein Prozent der Bevölkerung ausmachten.“ Bürgermeister Harald Jäschke musste dem Aktionstag wegen Krankheit fern bleiben.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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