Stark trotz Handicap : „Brauni“ ist ihm besonders ans Herz gewachsen

Uwe Ehrke macht seinen Job mit Herzblut.
Foto:
1 von 1
Uwe Ehrke macht seinen Job mit Herzblut.

Uwe Ehrke trägt in der LEG Rastow e. G. trotz seiner körperlichen Einschränkung Verantwortung für 500 Jungrinder

svz.de von
03. Dezember 2013, 16:20 Uhr

Ein Stadtkind auf dem Lande, gehandicapt und nicht gerade erfolgsverwöhnt, hat seinen Weg gefunden: Uwe Ehrke (26) ist dank „Unterstützter Beschäftigung“ im Arbeitsleben angekommen. Ein Programm der Agentur für Arbeit Schwerin. Der junge Mann trägt als Fachpraktiker in der Landwirtschaft Verantwortung für 500 Jungrinder.

„Und das macht er richtig gut“, urteilt sein Chef Gerd Schütte, Geschäftsführer der LEG Rastow e.G.. „Für den gestrigen internationalen Tag der Menschen mit Behinderung ist das ein Beispiel, welches Schule machen sollte“, findet Dirk Heyden, Chef der Schweriner Arbeitsagentur.

Mit dem Landleben ist Uwe Ehrke inzwischen gut vertraut. Obwohl der junge Mann in einem Städtchen Vorpommerns groß geworden ist, liegt ihm der Umgang mit Tieren. Er sieht sofort, wenn eine Färse in seiner Herde schwächelt, weiß, wie viel Appetit die jungen Tiere haben und hält den Laufstall sauber, damit sich seine Jungrinder wohl fühlen. Kurz nach sechs steht er im Stall, mistet aus, streut ein und füttert die Schwarzbunten.

Trotz technischer Hilfe ist das ein schwerer Job. Insbesondere für einen schmächtigen jungen Mann, der körperlich eingeschränkt ist und nicht immer all das umsetzen kann, was er gern möchte. „Ich habe selten einen neuen Mitarbeiter erlebt, der so aufmerksam und fleißig ist wie Uwe. Auch wenn er bestimmte Dinge einmal mehr üben muss – er macht alles wett“, sagt Gerd Schütte mit Stolz.

In dem Unternehmen mit 30 Mitarbeitern, 1750 Hektar Land und 1650 Rindern hat Uwe Ehrke beruflich Fuß gefasst. „Die ,Unterstützte Beschäftigung‘ wurde 2009 ins Leben gerufen, um Menschen mit Behinderung die Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Mit Erfolg: Mehr als die Hälfte der bislang knapp 60 Teilnehmer in Westmecklenburg hat eine passende Tätigkeit gefunden“, sagt Lutz Kania, Teamleiter Rehabilitation bei der Arbeitsagentur Schwerin. Ist eine Arbeitsmarktfähigkeit diagnostiziert, dann beginnt die Suche nach geeigneten Arbeitsmöglichkeiten. Ein Partner ist dabei das Grone-Bildungszentrum MV. Mehrwöchige Praktika eröffnen den Menschen mit Behinderung und ihren potenziellen Arbeitgebern, einander kennenzulernen, Fähigkeiten herauszufinden und sich auszuprobieren.

In deutlich weniger als zwei Jahren hat sich Uwe Ehrke eine Vielzahl von Kenntnissen angeeignet, um seit Mai 2013 als Fachpraktiker arbeiten zu können. „Hier hat man sich viel Zeit genommen, um mir die Dinge auch zu erklären. Mir wird geholfen, die Kollegen sind wie eine große Familie“, sagt er. Und wenn mal irgendetwas nicht so gut läuft, dann kann Uwe Ehrke einen Vertrauten ansprechen: Seinen Qualifizierungstrainer. Einmal pro Woche, so Volker Böhm, Grone-Standortleiter in Schwerin, ist diese psycho-soziale Begleitung fest eingeplant.

Auch der Traktor-Führerschein wurde ihm finanziert. Und so ist Uwe Ehrke mit Trecker, Radlader und anderem Gerät unterwegs. Am liebsten ist er jedoch bei seiner Herde.

Mit einem prüfenden Blick weiß er, wer hier ganz schnell erwachsen werden will: „Zu meinen Aufgaben gehört es auch, die ‚Buller‘ rauszusuchen“, sagt der Landwirtschaftshelfer. „Das sind Tiere, die erste Brunstanzeichen offenbaren. Man erkennt das am Verhalten und bestimmten Merkmalen“, erklärt er kurz und knapp. Denn er hat noch einen Weg vor sich: den zu ‚Brauni‘. Dieses braune Jungrind ist dem 26-Jährigen besonders ans Herz gewachsen. Einen Liebling habe hier eben jeder, lacht Chef Gerd Schütte und klopft seinem jungen Mitarbeiter nach getaner Arbeit anerkennend auf die Schulter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen