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Lärm, Schäden und Gefahren durch Schwerlaster : Brahlstorfer wollen das Tempo drosseln

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Manchmal ist es so heftig, dass Kerstin Kühl es nicht mehr aushält. Die Neu-Brahlstorferin wollte eigentlich nur die Ruhe auf dem Land genießen. Doch Landmaschinen knattern im Minutentakt an ihrer Tür vorbei.

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erstellt am 10.Apr.2013 | 09:26 Uhr

Brahlstorf | Manchmal ist es so heftig, dass Kerstin Kühl es weder drinnen noch draußen aushält. Die Neu-Brahlstorferin wollte eigentlich nur die Ruhe auf dem Land, am Dorfleben teilhaben. Sich auflehnen und gemeinsam mit Alteingesessenen eine Interessengemeinschaft (IG) im Ort gründen, die ein Tempo-Limit will, war nie der Plan. "Aber nichts tun, geht auch nicht", sagt die gebürtige Boizenburgerin und Vorsitzende der IG. Ihr Traum vom eigenen Haus wurde schnell getrübt. Schwere Landmaschinen knattern zu Hochzeiten im Minutentakt an ihrer Tür vorbei. Mitunter mit mehr als 50 Sachen. Hätte sie das gewusst, wäre sie dort nicht eingezogen.

Und sie steht nicht alleine da. Zehn der 40 Anwohner haben sich der Truppe bislang angeschlossen, um eine Tempo-30-Zone durchzusetzen. Ihre Gründe: Vibrationen verursachen starke Risse im Mauerwerk; Häuser sacken immer weiter ab; der Straßenzustand könnte sich verschlimmern; Kinder sind nicht mehr sicher auf dem Weg; Lärm bringt schlaflose Nächte... "Vor allem in der Erntezeit geht das an die Nerven", sagt Karl-Heinz Runge, 1. stellvertretender Vorsitzender. Er kennt das Klappern der Gläser im Schrank seit Jahrzehnten, weiß aber auch, dass die Laster und Traktoren mit Anhängern dort lang müssen. Viele stammen von örtlichen Landwirtschaftsbetrieben, deren Fahrzeuge seit der Wende immer größer geworden sind.

Bürgermeister Gerhard Wartmann kann die Anwohner verstehen, verweist aber gleichzeitig auf die Ablehnung des Landkreises Ludwigslust-Parchim für die beantragten Tempo 30 in der Neuhauser Straße, und auf die vielen Versuche in den letzten Jahren, eine Lösung für das Problem zu finden. Der Favorit: Eine Abfahrt von der Umgehungsstraße zum Agrarbetrieb. Das hätte den Verkehr aus dem Ort geholt. Doch die Förderung für das mindestens 260 000 Euro teure Vorhaben wurde abgelehnt. Und ohne "können wir uns das nicht leisten", sagt Gerhard Wartmann gestern auf Nachfrage. So rollen die Transporte weiter über einen Asphalt, deren Untergrund "sicherlich nicht dafür ausgelegt ist", gesteht Wartmann. Kiesel, Schotter, Steine - zu DDR-Zeiten habe das ausgereicht. Doch eine Sanierung sei mit erheblichen Kosten verbunden. Er könnte sich einen Kompromiss vorstellen: Tempo 30 zur Haupterntezeit.

Allerdings: Andreas Steuck, Fachbereichsleiter der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises, erklärt, warum das Tempo-Limit bislang abgelehnt wurde. Für eine Tempo-30-Zone sind bauliche Veränderungen erforderlich. So seien etwa Kreuzungen für die dann vorgeschriebene "Rechts vor Links-Regel" mitunter schlecht einsehbar. Geschwindigkeitsmessungen, Unfall- und Verkehrsaufkommen begründeten zudem kein Tempo 30 aufgrund besonderer Gefahren in der Straße, so Steuck.

Die IG um Kerstin Kühl will einen Weg finden. "Wir müssen", sagt sie. Gemeinsam wollen sie jetzt erstmal mit den betreffenden Betrieben im Ort und den Gemeindevertretern sprechen.

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