Hagenower Flaschenpost aus Plön entziffert : Botschaft eines Bierabends von 1930

<strong>Ein Gruß in Altdeutscher Schrift. </strong>Sechs Schüler der Oberen Schule unterschreiben.
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Ein Gruß in Altdeutscher Schrift. Sechs Schüler der Oberen Schule unterschreiben.

Rocco Hannert will sie nutzen - die Chance auf eine kleine Zeitreise. Und die Aussichten sind gar nicht so schlecht. Denn das Geheimnis um den Fund des passionierten Tauchers aus Eckernförde lüftet sich allmählich.

svz.de von
10. Januar 2013, 07:08 Uhr

Hagenow | Rocco Hannert will sie nutzen - die Chance auf eine kleine Zeitreise. Und die Aussichten sind gar nicht so schlecht. Denn das Geheimnis um den Fund des passionierten Tauchers aus Eckernförde lüftet sich allmählich. Zwar ist noch kein Zeitzeuge der mysteriösen Flaschenpost aus Hagenow gefunden (SVZ berichtete). Doch so viel steht fest: Es müssen Schüler der ehemaligen Oberen Schule in der Augustenstraße gewesen sein, die bei einem Ausflug um 1930 ein Bierchen des Hagenower Getränkehandels Ernst Busecke am Plöner Jachthafen getrunken und die leere Flasche mit einer Botschaft im Wasser versenkt haben.

Die Namen in Altdeutscher Schrift auf dem verblassten Papier sind entziffert. Emil Grothkopp zum Beispiel. Er taucht laut Recherchen eines Freundes von Rocco Hannert in der Mecklenburgischen Volkszählung von 1919 auf, ist Hagenower und 1913 geboren. Ortschronist Kuno Karls erinnert sich an dessen Vater, der Schuhmachermeister in der Kleinstadt war. Auch Friedrich Hückstaedt ist beim Abend am Plöner See dabei. Eine heiße Spur zu einem Hagenower Notar mit gleichem Nachnamen hat sich auf Nachfrage nicht bestätigt. Kein Verwandter. Es gebe viele Hückstaedts in der Stadt. Bei einem weiteren Absender mit dem Namen Karl Dubbe vermutet Kuno Karls, dass er mit einem Wilhelm Dubbe verwandt war, der Likörfabrikant und Weinhändler in Hagenow gewesen ist. Über die anderen drei Namen Willy Kohlfeldt, Walter Gudcke und Walter Scheller ist nichts weiteres bekannt. Jedoch glauben die Finder, dass sie alle ungefähr ein Alter sein müssen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass noch jemand von den Absendern lebt, schätzt Rocco Hannert als gering ein. Doch der gebürtige Ueckermünder will nicht aufgeben. "Vielleicht gibt es doch noch jemanden", hofft er. Oder Verwandte von ihnen. "Es wäre einfach interessant, die Geschichte hinter dem Fund zu erfahren", sagt der 35-Jährige. Er hat auch schon versucht, über die Flasche mehr herauszufinden. Wie schon in anderen Fällen. Denn die Prägungen seien damals sehr individuell gewesen und ständig geändert worden, so dass zumindest die Zeit des Umlaufs recht genau beziffert werden könne. Der Mann von der Marine erzählt von einem Tauchgang in einem Wrack, in dem er eine alte Flasche gefunden hat. Zusammen mit Experten identifizierte er anhand des Glases Alter und Herkunft des versunkenen Schiffes.

Über die Hagenower Flasche aus der Ernst Busecke Biergroßhandlung fand er bislang leider nichts heraus. Denn auch wenn die Exemplare hier laut Ortschronist Kuno Karls geläufig sind, so hatte doch "jede Gastwirtschaft ihre eigene Flasche." Es gab also etliche mit diversen Prägungen. Davon hat die Urenkelin von Ernst Busecke, Renate Lübcke, nichts mehr mitbekommen. Aufgeregt verfolgt sie den Suchaufruf in der SVZ, und stöbert gleich nach einem alten Foto mit ihrem Urgroßvater. Als Kind habe sie ihn oft begleitet.

Dass jetzt jemand so intensiv nach der Geschichte hinter einer Flaschenpost sucht, finden sie und Kuno Karls toll. Knapp 100 Jahre ist sie alt. Ungewöhnlich sei der Weg einer Bierflasche von Hagenow zum Plöner See allerdings nicht, sagt Kuno Karls. Die Stadtverwaltung und Schulen hätten früher öfter Ausflüge nach Mölln, Ratzeburg, Lübeck, Kiel oder eben Plön unternommen.

Rocco Hannert hofft nun, dass die kleine Reise durch die Zeit weitergeht. Wer jemanden kennt, der etwas zur Flaschenpost erzählen könnte, kann gern in der Redaktion anrufen unter 03883-61088234 oder eine E-Mail schreiben an hagenow@svz.de.

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