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Fragen an den Verkehrsminister : Boizenburg will HVV-Tarif

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Bei seinem Besuch in der Elbestadt stellte sich Christian Pegel Diskussion zur Anbindung nach Hamburg

Seit März ringen CDU und SPD darum, einen gemeinsamen Antrag zum Anschluss Westmecklenburgs an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) in den Landtag einzubringen. Der ursprünglich ausgearbeitete Antrag der CDU beruhte auch auf Gesprächen von Wolfgang Waldmüller - für die CDU Fraktionsvorsitzender im Kreistag und stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Landtag - mit Pendlern in Boizenburg. Till Backhaus (SPD) wiederum hatte sich bei vom Verein „Haus & Grund“ organisierten Pendlergesprächen den Fragen der Bürger in Boizenburg gestellt und betont, dass ihm der HVV-Anschluss ebenfalls sehr am Herzen liegt. In der Elbestadt macht sich besonders die Boizenburger Ortsgruppe der CDU stark für den HVV-Anschluss ihrer Stadt, ist aber ziemlich enttäuscht von dem Antrag, der nach einigem Hin und Her der Koalitionspartner SPD und CDU nun im September im Landtag beraten werden soll.

Der ursprüngliche Antrag ihrer Partei beinhaltete die Einrichtung eines Pilotprojektes zur Ausdehnung des HVV-Tarifgebietes für Zeitkarteninhaber auf die Bahnstrecken Büchen-Schwerin Süd (RE 1) und Hagenow Stadt (RB 14) zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017. Die geschätzten Kosten dafür betragen etwa 250  000 Euro pro Jahr. Der nun eingebrachte Antrag, auf den sich SPD und CDU geeinigt haben, wurde erweitert um die Prüfung vergleichbarer Pilotprojekte, so für die Bahnstrecke Bad Kleinen - Grevesmühlen Lübeck (RE4), Gebietskörperschaften der Metropolregion Stettin sowie Anbindungen an die Metropole Berlin.

„Man kann so einen Antrag auch tot machen, wenn man die Ziele so hoch steckt, dass sie unmöglich zu erfüllen sind“, kritisierte Patricke Sevecke von der Boizenburger CDU, der als möglicher Nachfolger des Ortsgruppenvorsitzenden Marko Schultz gehandelt wird. Der Absolvent der Wismarer Hochschule nutzte die Anwesenheit von Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) in der vergangenen Woche in Boizenburg, um mit ihm über das Thema zu diskutieren. Er verwies darauf, dass das Pilotprojekt für den RE1 und RE14 mit geschätzten 250.000 Euro nicht sehr teuer sei. „Wie sollen wir das den Menschen in Parchim erklären oder auf Usedom, wo mehr Menschen auf der Bahn sitzen als hier oder denen, die sich in Rostock eine Zugverbindung nach Berlin im Stundentakt wünschen“, antwortete Christian Pegel. „Was wir hier ausgeben, müssen wir anderen wegnehmen.“ Im übrigen glaube er nicht an diese Zahl. Das Problem sei aber vor allem, dass ab 2022 MV weniger Geld aus Regionalisierungsmitteln für den Naherkehr zur Verfügung stehe. Der junge Boizenburger CDU-Mann konterte, laut einer Studie würde die Anbindung an den HVV zu mehr Einnahmen durch wachsende Einwohner- und Touristenzahlen führen. „Das ist nur eine Studie“, meinte Pegel dazu. „Unser wichtigstes Ziel ist es, den bestehenden Verkehr zu erhalten und auszubauen.“ Für eine Verbesserung des Pendlerverkehrs sei die Verbindungsintensität entscheidend und nicht die Anbindung an den HVV-Tarif. Und die scheint erst einmal nicht machbar, da der Hamburger Bahnhof dafür mit vier zusätzlichen Gleisen - jeweils zwei für den Fern- und zwei für den S-Bahnverkehr - ausgebaut werden müsste, wie Heinz Gohsmann, Vorsitzender der Orts-SPD, ergänzte.

„Aber für viele Studenten und Geringverdiener würde der HVV-Tarif rund 860 Euro pro Jahr mehr im Portemonnaie bedeuten“, ließ Patrick Sevecke nicht locker. Bürger aus Boizenburg zahlten 50 Prozent mehr für eine Fahrt nach Hamburg als die im nur zehn Kilometer entfernten Lauenburg. Man könne doch einfach mal nur Boizenburg an den HHV-Tarif anschließen und beobachten, wie sich das auswirke. „Das erklären sie mal den Menschen auf Usedom“, wiederholte der Verkehrsminister. „Ich werbe dafür, nicht so sehr über die Grenzen zu sehen, sondern zu den Menschen, die im Land leben.“

 

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erstellt am 11.Aug.2017 | 20:45 Uhr

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