hortplätze sind mangelware : Boizenburg: Jason will in den Hort

Die Eltern wollen die Ablehnung ihres Hort-Antrages nicht hinnehmen.
Die Eltern wollen die Ablehnung ihres Hort-Antrages nicht hinnehmen.

22 Eltern haben keinen Hortplatz für das neue Schuljahr. Mindestens 40 Kitaplätze zu wenig in der Elbestadt.

svz.de von
26. Mai 2017, 12:00 Uhr

Am Rande des Amtsausscheides der Feuerwehren stellte sich der sechsjährige Jason-Finley vor Boizenburgs Bürgermeister Harald Jäschke und fragte: „Warum darf ich nicht mit meinen Kumpels in den Hort?“ Eine Frage, die nicht nur diesen zukünftigen Erstklässler in Boizenburg schwer beschäftigt, sondern noch 21 weitere. Sie alle fanden in den vergangenen Tagen ein Schreiben des zuständigen Trägers DRK in ihrem Briefkasten, dass sie leider keinen Hortplatz an der Ludwig-Reinhard-Schule bekommen können. Das ist knapp ein Drittel aller Kinder, die dort ab September die erste Klasse besuchen werden.

Die 22 betroffenen Eltern sind verzweifelt, neun Mütter und ein alleinerziehender Vater wendeten sich an die SVZ. „Wir und unsere Männer arbeiten alle Vollzeit“, erzählt Michaela Giese. Und für alle ist die Ludwig-Reinhard-Schule auch zuständig, denn sie kommen alle aus Boizenburg, Bahlen, Wiebendorf oder Neu Gülze.

„Wenn ich keinen Hortplatz bekomme, muss ich aufhören zu arbeiten“, sagt Sabrina Buck, die als Technische Zeichnerin für APS in Vellahn arbeitet. „Und das wäre für meinen Arbeitgeber die absolute Katastrophe. Er hat schon keinen Ersatz für meine Kollegin finden können, die jetzt in der Babypause ist.“ So wie ihr geht es allen in der Runde. „Wir können meist erst frühestens um 17 Uhr zu Hause sein. Wenn unsere sechsjährigen Kinder dann, nach der vierten Stunde, um halb zwölf aus der Schule kommen, können sie nicht so lange allein bleiben. Da würden wir ja auch unsere Aufsichtspflicht verletzen“, ist sich die Runde einig. Deshalb hat Sabrina Bucks Arbeitgeber schon ein Dringlichkeitsschreiben an die Stadt geschickt, ebenso Variovac aus Zarrentin, wo Juliane Lerbs arbeitet.

„Verantwortlicher Träger für den Hort der Reinhard-Schule ist das DRK“, meint Bürgermeister Harald Jäschke. „Aber ich fühle mich auch verantwortlich, es geht ja um Boizenburger.“ Im Moment gebe es Gespräche mit DRK-Kreisgeschäftsführer Dietmar Jonitz und der Schule, ob man nicht einen kleinen Anbau, in dem eine kaum frequentierte Schülerküche ist, als zusätzlichen Hortraum nutzen könnte.

„Wir wissen, dass es zu wenig Hortplätze in Boizenburg gibt“, erklärt Silvia Reiß von der Jugendhilfeplanung des Landkreises Ludwigslust-Parchim. „Ich habe gerade mit Herrn Jonitz vom DRK gesprochen. Wir versuchen, eine zusätzliche Hortgruppe an der Reinhard-Schule zum neuen Schuljahr zu eröffnen.“

Auch dass es zu wenige Kitaplätze in Boizenburg gibt, sei wahr, bestätigt Silvia Reiß. Selbst wenn man sich darüber streiten könne, ob es 40 oder 60 seien. „Wir haben genug Plätze“, meint dagegen Bürgervorsteherin Heidrun Dräger. Man könne den Bedarf nur schlecht feststellen, weil sich die Eltern mehrfach anmelden würden.

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