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Internet, Telefon und Fernsehen : Bohren für die Daten-Autobahn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bauunternehmen aus Zühr stemmt Großauftrag für Kabel-Deutschland. Versorger bremst Erwartungen vieler Bewohner auf dem Land.

von
erstellt am 13.Dez.2014 | 16:00 Uhr

Seine Bohr- und Bautrupps beherrschen seit Monaten die Szenerie in der ganzen Region, erst in dieser Woche haben die Teams in seinem Auftrag die Autobahn A 24 unterbohrt. Olaf Sitte, Bauunternehmer aus Zühr, arbeitet mit seinen Leuten und etlichen anderen Firmen an einem Großauftrag: Dem Neubau einer Datenautobahn fürs Internet, Telefon und das Fernsehen. Die Trasse führt von Boizenburg nach Hagenow, weiter nach Ludwigslust, nach Hagenow-Heide, nach Grabow und Groß Laasch. Für den Unternehmer geht es um ein Volumen von 2,5 Millionen. Und der groß gewachsene Mann aus Zühr hat sich bei dem von Kabel Deutschland bezahlten Projekt gegen fast 20 Bewerber durchgesetzt. Sein Vorteil: Das Unternehmen mit derzeit 69 Mitarbeitern ist spezialisiert auf das horizontale Bohren und verfügt auch über etliche eigene Anlagen. Die Buddelei für die neue Leitung soll nämlich so wenig wie möglich sichtbar sein und auch so wenig wie möglich Schaden anrichten. Zudem kann nicht überall offen gegraben werden. Im Kern werden zwei relativ dünne Rohre in einer Tiefe von 0,6 bis fünf Metern verlegt. Alle 2000 Meter und in jeder Ortschaft, die durchquert wird, gibt es einen Kabelschacht, die Kabelstränge werden miteinander verschraubt. In die Rohre bläst man dann mit hohem Luftdruck die eigentlich wichtigen Glasfaserkabel ein, auch das geschieht in Verantwortung des Unternehmens aus Zühr.

Kabel Deutschland bestätigte das Projekt und erklärte, dass man bereits seit September 2012 die Region Boizenburg, Hagenow, Hagenow- Heide, Grabow, Ludwigslust und Groß Laasch großflächig mit Internet und Telefon über das TV-Kabel mit einer Downloadgeschwindigkeit von bis zu 100 Mbit/s versorge. „Aktuell entsteht zwischen Boizenburg und Hagenow eine neue Glasfaseranbindung, um vorhandene Netzkapazitäten zu erweitern. Die Arbeiten stellen sicher, dass Kabel Deutschland angeschlossenen Kabelkunden in diesem Bereich auch zukünftig eine leistungsfähige Infrastruktur bieten kann.“ So schreibt es das Unternehmen.

Klingt gut, bedeutet aber noch lange nicht, dass alle Orte entlang der neuen Trasse, in absehbarer Zeit in den Genuß von Hochgeschwindigkeitsleitungen kommen. Denn mit dem Millionenprojekt will Kabel Deutschland vor allem von den teuren Mietleitungen loskommen und eine eigene Infrastruktur aufbauen. Gebaut wird eben nur die Autobahn für die Daten, für die nötigen Ortsnetze müssten Koaxialkabel verlegt werden. Je nach Ort und Ausdehnung wäre das ein gewaltiger Aufwand. Und den ist im Moment niemand bereit zu zahlen. Die Zahl der möglichen Kunden wäre schlicht zu klein. Und so bleibt es bisher bei dem Flickenteppich in der Region in Sachen Breitbandversorgung. Nicht wenige Gemeinden haben mit Förderung des Landes auf Funknetz umgerüstet.

Für die Tiefbauer aus Zühr, die z. B. auch auf das Verlegen von Energiekabel spezialisiert sind, spielt das keine Rolle. Sie mussten nur mit den Anfragen der Anwohner leben, die natürlich fragen, wofür denn in ihrem Ort gebohrt und gebaut wird. Bis Ende Februar, so der Plan, sollen auf gut 85 Kilometern die Kabel verlegt sein. Um das zu schaffen, arbeitet Sitte, der auch für die CDU in der Wittenburger Stadtvertretung sitzt, mit weiteren fünf bis sechs Firmen zusammen. Sein Pfund bleiben jedoch die eigenen Bohranlagen, die nicht nur in der Anschaffung teuer sind. Das horizontale Bohren unter der Erde verlangt von den Trupps einiges an Erfahrung und viel Gefühl. Mehrere Hundert Meter lassen sich so mit einer Bohren untertunneln. Vorausgesetzt, es ist keine andere Leitung im Weg, wie erst vor kurzen die Gasleitung bei Groß Laasch.

Unternehmer Olaf Sitte, der einst bei der Bleckeder Firma Karl-Heinz Hoppe anfing und sich ab 2005 selbständig machte, ist auch nach dem Auftrag um die Zukunft nicht bange. Auch andere Telekommunikationsunternehmen müssten sich um ihre Netze kümmern. Insofern ist der jetzige Großauftrag auch ein Referenzobjekt für andere Aufträge.






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