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Wolfsattacke bei Schlesin : Blutbad auf der Koppel

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

In Schlesin bei Woosmer reißt vermutlich ein Wolfsrudel einen jungen Ochsen. Schockierte Landwirte wollen mehr Regulierung.

Es ist morgens, kurz nach 6 Uhr, als Wilfried Witt am Mittwoch auf eine Weidefläche hinter Schlesin fährt und seinen Augen nicht trauen mag. Da, wo ansonsten 105 junge Ochsen weiden, findet er das reinste Schlachtfeld. Ein acht Monate altes Tier liegt völlig zerfleischt nur knapp 60 Meter vom Koppeleingang. Dicht hinter dem Kadaver machen sich zwei Wölfe aus dem Staub - vollgefressen. Sie und mutmaßlich weitere Artgenossen hatten den Ochsen in dessen Todeskampf mehr als 50 Meter weiter in die Wiese geschleift.

„Sowas habe ich noch nicht erlebt. Der Ochse wiegt ja weit über 400 Kilogramm. Das muss ein Rudel gewesen sein“, mutmaßt der Weidewirt. Der Rissgutachter vom Biosphärenreservat Amt Schaalsee Elbe ist ebenfalls direkt vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Doch ohne die genaue Analyse der genetischen Beweise will Volker Demmin nicht spekulieren. „Die Vermutung liegt nahe, dass es mehrere waren, aber mit Bestimmtheit kann man das eben nicht äußern.“

 

Ganz anders reagiert Hans-Georg Niemzok, Jäger aus der Region Schlesin-Laupin: „Hier gibt es doch wohl keine zwei Meinungen, dass ein Rudel Wölfe den Ochsen gerissen hat. Und noch eins: Wir sollten aufpassen, dass wir die Wolfspopulation regulieren, solange wir noch können.“

Am „Tatort“ findet sich außer Kopf, Beinen und ein wenig Korpus nur noch wenig von dem einst stattlichen Weidetier. „1300 Euro hätte der uns ausgewachsen gebracht“, sagt Jutta Kreuzig, Herdemanagerin des Unternehmens ins Schlesin. Sie ist überzeugt davon, dass dieser Riss lange nicht der letzte Vorfall seiner Art sein wird, wenn nichts getan werde.

„Die Wölfe werden mehr und auch der Bedarf an Fleisch wird größer. Das ist doch normal“, sagt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Nicole Gottschall gestern am Fundort des beinahe aufgefressenen Ochsen. Sie werde mit ihren Bauern auch weiterhin darum kämpfen, dass es zu regulatorischen Maßnahmen kommt. „Das Ministerium kennt unsere Einstellung.“ Und dabei ginge es mit Sicherheit nicht um das rigorose Abschießen.

„Irgendwann sind es nicht nur Tiere, die den Wölfen zum Opfer fallen“, sagt die Schlesinerin Jutta Kreuzig. Sie kenne genügend Menschen im Ort, die nicht mehr in den Wald gehen. Kein Wunder: liegt doch Schlesin genau zwischen den Hauptgebieten der Wolfsrudel aus der Lübtheener Heide und Neu Kaliß.

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erstellt am 09.Aug.2017 | 21:00 Uhr

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