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Altes Amtsgericht Neuhaus : „Bis auf letzten Nagel abgestimmt“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Der Ausbau des alten Amtsgerichts soll Mitte November fertig sein. Die Denkmalbehörde hat strenge Auflagen vorgegeben.

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Dort wo früher über Straftaten verhandelt wurde, soll bald geheiratet werden. Der Ausbau des alten Amtsgerichts in Neuhaus läuft auf Hochtouren. Seit Februar werden im Inneren Wände herausgenommen, Decken verstärkt und Böden erneuert. „Mitte November soll es fertig sein“, sagt Thorsten Knebusch, der die Bauplanung übernommen hat. Ein sicherlich ehrgeiziger Plan – schon allein deshalb, weil alles mit dem Denkmalschutz besprochen werden muss. „Ich habe die Konzeption gemacht, beispielsweise welche Baustoffe verwendet werden. Hier wird wirklich alles bis in den letzten Nagel mit dem Denkmalschutz abgestimmt.“ Denn das sei Voraussetzung für die Förderung. 95 Prozent der Kosten für den Ausbau würden übernommen, im Gegenzug gebe es ganz strenge Auflagen von der Denkmalbehörde. „Aber sonst hätten wir es nicht machen können“, so Knebusch.

Bei der Sanierung wird deshalb auf natürliche Baustoffe gesetzt. In einer Ecke der Eingangshalle stehen noch ein paar Schilfmatten. Sie wurden für den Treppenbereich verwendet und anschließend mit Lehm verputzt. Und dieser ist noch feucht. „Lehm braucht lange bis er trocknet“, erklärt Knebusch. „Deshalb haben wir auch immer ein paar Pausen beim Bau, die wir beachten müssen.“ Mehrere Schichten müssten aufgetragen werden, bis die Oberfläche wirklich glatt ist.

Daran, dass hier einmal Straftäter verurteilt wurden, erinnert im alten Amtsgericht nicht mehr viel. Allein in der Eingangshalle ist noch das Portal vom Gerichtssaal zu erkennen. „Der Gerechtigkeit gewidmet.“ steht in goldenen Buchstaben auf dunkelrotem Grund. „Das soll erhalten bleiben“, so Knebusch. „Auch der alte Fußboden hier im Eingang, mit den Terrazzoplatten wird nicht herausgerissen.“ In den restlichen Räumen im Erdgeschoss wurde dagegen alles aufgestemmt. Im Moment ist ihr Boden rund 30 Zentimeter tiefer, als der im Foyer. „Später ist hier aber alles barrierefrei“, meint Thorsten Knebusch. In der unteren Etage werde es eine Garderobe in der alten Gefängniszelle geben, einen Versammlungsraum, das Standesamt, den Technikraum, eine Teeküche sowie ein kombiniertes Behinderten–/ Damen–WC und eine Herrentoilette. „Die Räume oben sind ausschließlich für das Archiv vorgesehen. Sie können nicht für die Öffentlichkeit genutzt werden, weil ein zweiter Rettungsweg fehlt.“

Momentan ist das Archiv, auch das der Verwaltung, noch im Pforthaus untergebracht. Damit es in das alte Amtsgericht umziehen kann, mussten im Obergeschoss sämtliche Decken verstärkt werden, damit sie später auch die Last halten können. Auf dem kleinen Flur unter dem Dach ist dann noch ein kleiner Schacht zu sehen, der in den Glockenturm führt. „Hier möchten wir wieder eine Uhr und Glocken haben. Irgendwann soll es wieder aus dem Turm läuten“, so Knebusch. „Im Moment haben wir aber noch kein Geld dafür.“

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