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Hagenower Kreisblatt

19. Oktober 2017 | 23:48 Uhr

Hagenow : Biotherm startet Probebetrieb

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Mit einem Jahr Verzögerung geht die neue Trockneranlage in Betrieb. In wenigen Wochen rollt der innovative Brennstoff regulär vom Band

von
erstellt am 06.Okt.2015 | 23:00 Uhr

Hagenow Ein „einzigartiger Brennstoff“ rollt nun vom Band  der Biotherm Unternehmensgruppe in Hagenow. Und das in der größten freitragenden Rundbogenhalle Westmecklenburgs. Noch ist Probebetrieb. Nach dem  regulären Produktionsstart in wenigen Wochen sollen dann 70000 Tonnen Holz pro Jahr  durch die Trockneranlage der Tochterfirma Thermopell laufen, bis zu 50000 Tonnen Holzhackschnitzel am Ende auf den Markt gehen.

Ein normierter Brennstoff als „ideale Alternative zu Heizöl, Gas oder Holzpellets“, sagt Geschäftsführerin Ute Uffmann. „Nur billiger“, ergänzt ihr Mann Dieter Uffmann. Bis zu 40 Prozent im Vergleich zu guten Pellets. Das Holz bekommen sie aus der Region im Umkreis von  100 Kilometern. Vorrangig aus der Forstwirtschaft und Landschaftspflege. Holz, das oft liegen bleiben würde. „Damit ist es ein erneuerbarer Rohstoff, den man nicht mehr anders nutzen könnte und der krisensicher zur Verfügung steht“, betont Ute Uffmann einen der Vorteile.  Ein weiterer: Er wird gesiebt und im speziell dafür angefertigten Bandtrockner innerhalb von 15 Minuten mit der Wärme des Biomassekraftwerkes getrocknet. Die heiße Luft gelangt mittels Plattenwärmetauscher  direkt aufs Band. Ein Messfühler kontrolliert den Wassergehalt. Je nach Kundenwunsch sind 10, 20 oder 30 Prozent möglich. Raus kommt ein staubarmer, trockener und damit haltbarer Brennstoff mit einem guten Wirkungsgrad, erklärt Dieter Uffmann.

Zum Vergleich: Herkömmliche Holzhackschnitzel werden meist im Container   getrocknet. „Da ist aber nicht gewährleistet, dass alles gleichmäßig trocken wird“, sagt Dieter Uffmann. Der Rohstoff sei oft noch sehr feucht, mit einem Gehalt von  bis zu 50 Prozent. Und „je nasser ein Brennstoff, desto schädlicher sind die Abgase und desto schlechter der Wirkungsgrad.“ Bei Biotherm können Kunden den Wassergehalt wählen. Genauso die Größe der Holzschnitzel und den Eingangs-Rohstoff, ob hergestellt aus Industrieholz oder Waldrestholz.

Ursprünglich wollten die Unternehmer Pellets aus Gärresten von Biogasanlagen auf den Markt bringen (SVZ berichtete). Doch es stellte sich heraus, dass dort zu viel Erde enthalten  wäre, erklärt Dieter Uffmann. So schwenkten sie um.

Fünf Millionen Euro hat der Familienbetrieb in die Trockner-Anlage investiert,  eine Million  Fördermittel gab es vom Land. Auch für einen neuen Rauchgaswärmetauscher, mit dem die Wärme des Biomassekraftwerkes nochmal  wesentlich effektiver genutzt werden kann. Vier Jahre hat es gedauert, bis die Idee gereift und alles  umgesetzt werden konnte. Eigentlich sollte die Trockneranlage schon vor einem Jahr in die Produktion gehen. Doch die Genehmigungsverfahren zogen sich in die Länge. So sehr, dass  es fast keine Fördermittel mehr gegeben hätte. „Obwohl wir alles gründlich vorbereitet hatten“, sagt Dieter Uffmann. So  „waren die Baukosten  höher als geschätzt.“ Sie hatten Maschinen bestellt, Personal eingestellt, das während  der Bauphase  die Technik kennen lernen sollte.

Doch die Unternehmerfamilie lässt sich nicht bremsen und hält getreu ihrem Motto „Energie ist unser Leben“ an den Plänen fest. Auch an künftigen. „Wir tüfteln weiter, was man noch machen kann“, sagt Ute Uffmann. „Das ist für uns der Kick.“Franca Niendorf

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