Keine Gemeindefusion : Besitz bleibt lieber Single

Allein, allein. Allein, allein: Bürgermeister Toralf Pfohl vor dem Ortsschild von Besitz.
Allein, allein. Allein, allein: Bürgermeister Toralf Pfohl vor dem Ortsschild von Besitz.

Die Gemeinde steigt nach der Sondierung aus den Hochzeitsverhandlungen mit Dersenow und Tessin aus

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27. Juli 2018, 05:00 Uhr

Von Hochzeitsglocken ist in Besitz derzeit nichts zu hören. Die Gemeinde im Amt Boizenburg-Land bleibt lieber „Single“. Dabei sah eine Zeit lang vieles nach einer großen Vermählung aus. Mit dem Ort Kuhlenfeld schien ein benachbarter Partner gefunden zu sein, der nicht nur sympathisch ist, sondern mit rund 260 Seelen auch eine schöne Mitgift aufweisen kann. Besitz wäre einwohnermäßig aus dem Schneider gewesen (SVZ berichtete).

Doch ein erstes Kennenlernen war genug. Besitz hat noch vor den eigentlichen Vorbereitungen einer Fusion den Verhandlungstisch verlassen. Hier sitzen nun nur noch die beiden Nachbargemeinden Dersenow und Tessin, wobei sich Letztere sogar zu einem Zusammenschluss entschließen musste. „Wir waren und sind finanziell derart schwach aufgestellt, dass von einer kommunalpolitischen Handlungsfähigkeit keine Rede sein kann“, beklagte Bürgermeister Ralf Kretschmer. Besitz hingegen hätte sich mit dem Gedanken angefreundet, mit Kuhlenfeld, einem Ortsteil der Gemeinde Tessin, künftig gemeinsame Wege zu gehen, gibt der Bürgermeister des Ortes, Toralf Pfohl, zu verstehen. Tessin wäre in diesem Fall nach Dersenow gegangen. Indes fand die Option einer Zersplitterung der Gemeinde in der entscheidenden Sitzung der Tessiner Gemeindevertretung jedoch keine Mehrheit, erfuhr Pfohl. Dies wollte sein ehrenamtlicher Amtskollege aus Tessin so weder bestätigen, noch dementieren. „Ja“, meinte Ralf Kretschmer, „es war politischer Wille, dass Tessin nur als Ganzes mit zwei Gemeinden oder einer fusioniert. Das hätte auch mit Besitz passieren können, doch deren Interesse beschränkte sich auf Kuhlenfeld. Ergo verhandeln wir mit Dersenow.“

In Besitz hält sich die Enttäuschung derweil in Grenzen. „Anders wäre es vielleicht gewesen, wenn wir zwingend hätten handeln müssen. Doch wir sind finanziell gut aufgestellt“, erklärte Toralf Pfohl. So könnten es sich die Besitzer beispielsweise leisten, ihre Neugeborenen mit jeweils 500 Euro willkommen zu heißen. Zehn Babys freuten sich 2017 über diese milde Gabe, zwei sind es bislang in diesem Jahr. Dennoch scheint die vom Land gewollte Mindesteinwohnerzahl von 500 unerreichbar.

Um die 460 Menschen leben in Besitz und seinem Ortsteil Blücher. So baut Toralf Pfohl darauf, dass eine neue Landesregierung Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern nicht bestraft, indem sie diesen etwa weniger Schlüsselzuweisungen überweist. Das würde nämlich bedeuten, dass eine ansonsten gut da stehende Gemeinde wie Besitz als Single keine reelle Zukunftschance mehr hat. Erneute Fusionsverhandlungen wären die Folge. Und ob sich das Veto der politischen Entscheidungsträger bis dahin verändert hat, bleibt fraglich, so dass eine Ehe mit Reibungen vorbestimmt wäre.

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