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Flüchtlinge in Dadow : Berater und Lotse im Alltags-Dschungel

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Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Frank Petersen betreut mit seiner Frau Ines Ohmann rund 100 Flüchtlinge im Landkreis./ Sein Wissen als Islamwissenschaftler hilft ihm bei der Arbeit

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erstellt am 05.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Es ist schon für viele Deutsche eine Hürde, sich im Dschungel der Behörden und Ämter zurechtzufinden. Sich mit geltenden Vorschriften auseinander zusetzen und die richtigen Hilfen zu finden. Wie ergeht es dann erst Menschen, für die die deutsche Kultur und Sprache völlig fremd ist?

Genau hier hilft Frank Petersen. Als Integrationsberater steht er Menschen zur Seite, die sich in Deutschland nicht auskennen und auf Hilfe angewiesen sind. Gemeinsam mit seiner Frau Ines Ohmann betreuen sie rund 100 Flüchtlinge in Dömitz und Malliß, die hier dezentral untergebracht sind und auf ihrer Status warten. „Wir leisten die Vorarbeit zur Integration“, erzählt Frank Petersen. „Wir vermitteln praktische Dinge und Sachen, die für uns normal scheinen, aber für die Flüchtlinge ganz neu sind.“ Dazu gehöre zum Beispiel die regelmäßige Treppenreinigung oder auch die Mülltrennung, die viele Flüchtlinge einfach nicht kennen. Weiter helfen sie bei Anmeldung für Kindergärten und Schulen, bei Behördengängen oder beim Ausfüllen von Formularen.

Die Dadower sind zwei von derzeit 25 Betreuern, die im Landkreis Ludwigslust-Parchim im Auftrag des Awo Kreisverbandes unterwegs sind. 22 Gemeinden werden insgesamt betreut – von Brüel über Plau am See bis nach Dömitz und Zarrentin. „Die Belegung geht dabei von zwei Leuten in Quassel bis hin zu 200 Flüchtlingen in Schwechow“, erzählt Kerstin Finger, Teamleiterin der Ausländerberatung vom Awo Kreisverband Ludwigslust.

Die Intergrationsberater helfen bei den normalen Problemen, die der Alltag so mit sich bringt, doch auch weit darüber hinaus. „Auch wir stehen oft vor großen Herausforderungen“, so Finger. Zum Beispiel wenn es darum gehe, einen Arzt in erreichbarer Nähe zu finden oder auch eine Schule oder Kita für die Flüchtlingskinder. Eine logistische Meisterleistung sei oft auch der Weg in einen Supermarkt. Viele Gemeinden lägen zu weit ab. Die nächste Einkaufsmöglichkeit für die Flüchtlinge in Appelburg sei im sechs Kilometer entfernten Plau am See und für die Schwechower im sieben Kilometer entfernten Vellahn. „Das funktioniert meist nur mit einem funktionierenden Ehrenamtskreis.“

Trotz aller Probleme war für Frank Petersen und Ines Ohmann von Anfang an klar: hier müssen wir helfen. „Als wir gehört haben, dass die ersten Flüchtlinge nach Grabow kommen, haben wir unsere Hilfe angeboten“, erinnert sich die 54-Jährige. Kurze Zeit später wurden dann hauptberufliche Unterstützer gesucht, worauf sich die Dadower bewarben.

Die erste Berührung mit dem Islam hatte Petersen bereits vor über 30 Jahren. Als junger Mann studierte er Islamwissenschaften. „Ich war sehr an Sprachen und Kulturen interessiert“, so der gebürtige Hamburger. Nach dem Studium bereiste er etliche arabische Länder, war Studienreiseleiter und hielt zahlreiche Vorträge über den Islam, Jemen und die damalige Politik. „Heute könnte ich das nicht mehr, da sieht ja keiner mehr durch“, fügt er mit einem Lächeln hinzu. Vor knapp zwei Jahren hatte Petersen dann seit langem wieder ersten Kontakt mit der arabischen Sprache. Aufgrund seiner Vita wurden Frank und Ines Pateneltern eines neunjährigen syrischen Flüchtlings, der allein auf der Reise war. „Für drei Monate lebte der Junge bei uns, bevor er zu Verwandten geschickt wurde“, so Ines Ohmann.

Sein Wissen über die arabische Kultur hilft Frank Petersen bei seiner Arbeit als Integrationsberater. Gerade wenn es zu neuen Problemen kommt, die die Berater bewältigen müssen. Derzeit gibt es immer häufiger Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche. „Es tut sich ja langsam was.“ Die Aufenthaltstitel würden jetzt schon schneller bearbeitet werden, demnach fallen die Flüchtlinge unter eine andere Betreuung. „Aber viele von ihnen bleiben trotzdem weiter in der Unterkunft, da sie keine Wohnung finden“, so Petersen. Es bilde sich ein Rückstau und die Aufnahmekapazität in den dezentralen Unterkünften sei irgendwann erreicht. „Es werden immer wieder neue Probleme auf uns zu kommen“, fasst der 59-Jährige zusammen. „Aber wir müssen was tun. Gerade jetzt, wo es in der Welt so aussieht“, sind sich Frank und Ines einig.

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