Bei Betroffenen macht sich Angst breit

<strong>Gemeinsam</strong> artikulierten sich die Vertreter der Pflegedienste  gegen die Absenkung der Vergütungssätze. <fotos>Pohle/privat</fotos>
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Gemeinsam artikulierten sich die Vertreter der Pflegedienste gegen die Absenkung der Vergütungssätze. Pohle/privat

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30. Juli 2012, 05:49 Uhr

Lübtheen | Weil die drei großen Kassen AOK, BKK und BKK-Nord ab morgen im Land die Vergütungssätze für ambulante Pflegedienste teils dramatisch kürzen wollen, formierte sich Protest bei den ambulanten Pflegediensten. Und das über alle Träger hinweg. Denn das, was kommen soll, könnte die Pflege Tausender Menschen im Landkreis in Frage stellen. In der Folge werden die meisten Pflegedienste nicht mehr kostendeckend arbeiten, mittelfristig müssen entweder Mitarbeiter entlassen oder Löhne gekürzt werden. SVZ hat in den vergangenen Wochen anhand von konkreten Beispielen auf Betroffene mit ihren Ängsten und Nöten aufmerksam gemacht. Heute sollen an dieser Stelle noch einmal anhand von zwei persönlichen Schicksalen gezeigt werden, wie sich die Mitarbeiter der Pflegedienste in ihrer Arbeit engagieren und welche Angst bei den Betroffenen umgeht.

Zwei Schicksale: Betroffene schildern ihre Ängste

Da ist der 24-jährige Chris Romann. Durch einen tragischen Badeunfall im Jahre 2009 ist er von der Brust an abwärts Querschnittsgelähmt. "Meine Arme und Hände kann ich nur sehr eingeschränkt bewegen und nutzen. Dadurch bin ich auf umfangreiche Hilfe angewiesen", macht er gegenüber SVZ deutlich. "Nach meinem Krankenhausaufenthalt kam ich in ein Pflegeheim in Hamburg, weit weg von Familie und Freunden. In diesem Heim wohnten überwiegend alte und geistig eingeschränkte Menschen. Als Jugendlicher erschien mir trotz der guten Arbeit der Pflegekräfte ein Leben in dieser Umgebung als nicht lebenswert. Da es im Land kaum Einrichtungen für junge Menschen wie mich gibt, zog ich nach Banzkow in eine betreute Wohneinrichtung. Dort wurde ich vom Lewitz Pflegedienst versorgt, was für mich eine deutliche Verbesserung bedeutete. Schon dort merkte ich, unter welchem Zeitdruck und welcher körperlichen Belastung die Pflegekräfte arbeiten und trotzdem gute fachgerechte Arbeit erbringen", sagt er.

Im Jahre 2012 konnte Chris Romann nach Hagenow in eine eigene Wohnung ziehen. "Meine Familie und Freunde sind hier vor Ort und übernehmen mit Hilfe des ambulanten Pflegedienstes ,Mobile Pflege’ meine Versorgung so, wie sie gebraucht wird. Alle arbeiten Hand in Hand, um mir ein eigenständiges Leben zu ermöglichen. Nun hörte ich von den Vergütungskürzungen meiner Krankenkasse AOK. Ich verstehe nicht, warum solche Absenkungen für die gute Arbeit der Pflegekräfte beschlossen wurden. Ich habe Angst, dass mein Pflegedienst auf Grund der Kürzungen nicht im Stande ist, mich wie gewohnt zu versorgen. Was zur Folge hätte, dass ich wieder in ein Heim müsste und ich mein eigenständiges Leben aufgeben müsste", sagt Chris Romann.

Der 83-jährige Josef Kanswohl aus Blievenstorf hatte 2010 einen Schlaganfall und ist seitdem linksseitig gelähmt. Er wird vom DRK-Pflegedienst aus Neustadt-Glewe betreut, die Mitarbeiter suchen ihn seit zwei Jahren drei Mal am Tag zur Grundpflege, zum Spritzen von Insulin, zum Messen des Blutzuckers und zur Vorbereitung der Medikamente (Wochenbox) auf. "Ich möchte durch gelernte Fachkräfte versorgt werden. Da ich auf dem Lande wohne, bin ich auf die Hilfe des Pflegedienstes angewiesen. Außerdem möchte ich meine jetzige Qualität in der Versorgung durch lieb gewonnene Pflegekräfte behalten, ich habe Angst sie durch Personaleinsparungen zu verlieren."

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