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Zarrentiner Naturschutzgebiet Strangen : Baumriesen sorgen für Zündstoff

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Der letzte starke Sturm Anfang Juli hat auch in Zarrentin einige Bäume entwurzelt. Sie liegen nun seit Wochen wie der Wind sie brach, da es sich um ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet handelt. Das ist umstritten.

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erstellt am 22.Aug.2012 | 10:41 Uhr

Zarrentin | Der letzte starke Sturm Anfang Juli hat auch auf dem Strangen in Zarrentin einige Bäume entwurzelt. Genau genommen sind es sechs flach gewurzelte Riesen der um 1910 gepflanzten Sommerlinden-Allee. Sie liegen nun seit Wochen wie der Wind sie brach, da es sich beim Strangen um ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet handelt. Das ist in der öffentlichen Meinung umstritten. Viele Zarrentiner haben sich in der letzten Zeit besorgt gefragt: Soll das etwa so bleiben?

Ja, das soll so. Neben der ökologischen Sinnhaftigkeit sind die umgestürzten Linden, deren stattliche Baumteller bald vielleicht einem Eisvogel Lebensraum bieten könnten, auch ein beeindruckender Anblick. Quasi als eine Art "Naturwaldzelle". Das heißt, dass dieser Abschnitt sich selbst überlassen bleibt, Alt- und Totholz zunehmen und umgestürzte Bäume liegen bleiben dürfen: So entsteht ein kleines Stück Urwald von morgen - beeindruckend für den Besucher, interessant für die ökologische Forschung.

Weg um den Kirchsee ist weiter problemlos passierbar

"Natur Natur sein lassen" ist deshalb auch das erklärte Motto von Forstwirtschaftsmeister Andreas Vollmann. "Wir haben keine Nutzungsanweisung für das Laubholz. Und der Weg um den Kirchsee ist weiter problemlos passierbar", sagt der 34-Jährige, der als Serviceleiter im örtlichen Biosphärenreservat seit Dezember letzten Jahres den Rangern vorsteht. Er spricht von Nullnutzung, was heißen soll, die Entwicklung der Natur möglichst wenig zu beeinflussen. Auch wenn er weiß, dass diese Art von Naturschutz in einigen Teilen der Bevölkerung, besonders der ordnungsliebenden, derzeit auch für Zündstoff sorgt. "Trotzdem bleiben die entwurzelten Bäume liegen und werden so zu neuem Lebensraum für Käfer & Co oder dienen als Nischen für Brutvögel. Kleinstlebewesen und Pilze zersetzen das Holz in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu Humus", erklärt Vollmann weiter. Das bewusste Erleben der Natur mit allen Sinnen, das Beobachten natürlicher Vorgänge und das Aufzeigen der Auswirkungen menschlichen Nicht-Eingreifens in die Natur stehe im Vordergrund für naturfreundlichen Tourismus. "Dazu gehört eben auch, dass mal ein Baum umfällt und liegenbleibt. 1991 sind in der Nähe schon mal einige Linden von einem Sturm entwurzelt worden. Sie haben wieder ausgetrieben und sich reproduziert."

Vor 1945 war Strangen ein beliebtes Erholungszentrum

Vor 1945 war Strangen bereits ein beliebtes Erholungszentrum. 1952 dann wurde die Halbinsel in das Grenzsicherungsystem einbezogen. Das heutige Naturschutzgebiet zeigt eindrucksvoll, wie ehemals besiedelte Bereiche von der Natur zurückerobert wurden. Der Wanderweg führt durch das Strangenmoor mit reicher Tier- und Pflanzenwelt. Die Flächen gehören übrigens dem Zweckverband Schaalseelandschaft.

"Für die Bäume ist das hier ein überwiegend staunässegeprägter Standort. Deshalb bilden sie alle auch nur flache Wurzeln aus. Wenn wir jetzt mit schwerer Technik in das Gebiet einrückten, würde das das Ende der Allee beschleunigen", betont Andreas Vollmann. Schon deshalb verbietet sich ein jeglicher Räumeinsatz in dieser natürlichen Oase.

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