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Hagenower Kreisblatt

12. Dezember 2017 | 19:14 Uhr

Bauern müssen sich selber helfen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Landkreis weist in Rundschreiben darauf hin, dass Landwirte sich bei Hochwasser selbst um die Evakuierung ihres Viehs kümmern müssen

svz.de von
erstellt am 14.Apr.2014 | 13:24 Uhr

Im Fall des Falles, wenn das Elbehochwasser wieder steigt und steigt und droht, über die Ufer zu treten, ist jeder selbst dafür verantwortlich, sein Hab und Gut zu schützen. Das trifft auch für die Landwirte zu, die Tiere halten. Sie müssen sich rechtzeitig Gedanken machen, wohin sie ihre Tiere evakuieren können, wie sie an die entsprechenden Transportmittel kommen und wie sie ihr Vieh dort versorgen. So jedenfalls steht es in einem Rundschreiben des Veterinäramtes das Landkreises, dass Jürgen Voss vor einigen Tagen im Briefkasten hatte.

„Nach dem Tierschutzgesetz sind Sie als Tierhalter verantwortlich, Leben und Wohlbefinden Ihrer Tiere zu schützen. Auch obliegt es Ihnen, Ihre Tiere angemessen zu ernähren, zu pflegen und unterzubringen - und dazu gehört auch die Vorsorge für den Katastrophenfall“, heißt es in dem Rundschreiben.

Jürgen Voss ist Milchbauer mit Leib und Seele. In den Ställen und auf den Weiden stehen rund 250 Stück Vieh, von den Kälbern über das Jungvieh bis hin zu den Milchkühen. Man darf davon ausgehen, dass ihm das Wohl seiner Tiere am Herzen liegt. Das tat es auch im Jahr 2002, als zum ersten Mal die große Sorge bestand, dass die Elbe über die Ufer tritt oder dass irgendwo ein Deich bricht. „Da wurde alles vom Landkreis organisiert. Meine Tiere wurden in die Lewitz evakuiert, es hat alles ziemlich gut geklappt.“ Kosten sind ihm auch nicht entstanden. Er rechnet mit Kosten von etwa 30 000 Euro, sollte er seinen Viehbestand jetzt im Katastrophenfall selbst evakuieren müssen. Im Schreiben wird er dazu aufgefordert, einen individuellen Notfallplan zu erstellen. „Der Landkreis wird bei einer sich anbahnenden Hochwasserlage keine allgemeine Evakuierung des Tierbestandes anordnen“, heißt es deutlich im Rundschreiben.

Wenn Landwirt Voss auch verstehen kann, dass er als Tierhalter selbst zuständig ist, macht ihn doch ein Umstand richtig wütend. „Wir haben jetzt sichere Deiche, aber weil die Verbuschung nicht entfernt wird, laufen wir trotzdem Gefahr, abzusaufen. Da wird eine in den letzten Jahren ganz neu entstandene Landschaft im Elbvorland auf Biegen und Brechen geschützt, und die jahrhundertalte Kulturlandschaft gibt es nicht mehr. Und wir, die wir hier leben, müssen es ausbaden.“ Die Aussicht, dass entstandene Schäden womöglich durch einen vom Bund aufgelegten Fond ausgeglichen werden, tröstet ihn da wenig. Ihm wäre es lieber, die nach seiner Ansicht hausgemachte Katastrophe träfe nicht ein.

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