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Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 11:37 Uhr

Landwirtschaft : Bauer setzt weiter auf Milch

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Während andere aufgeben, will Christian Karp die Anzahl der Rinder in seiner Herde verdoppeln

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2015 | 08:50 Uhr

Die Milchbauern stecken wieder einmal in einer tiefen Krise: Überproduktion, Absatzprobleme und Preisverfall setzen der Branche zu. Dennoch will Christian Karp investieren. Zu den 1500 Rindern, darunter 800 Milchkühe, soll noch einmal die gleiche Anzahl an Tieren hinzukommen. „Aber nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach“, betont der Kraaker Landwirt.

Doch diese Erweiterung ist ein Projekt, das Antragsverfahren steht kurz vor dem Abschluss. „Selbst wenn wir nur 100 zusätzliche Tiere halten möchten, muss das gleiche, lange Verfahren durchgezogen werden.“ Deshalb gleich die Verdoppelung der Herde – jedenfalls auf dem Papier. „Damit sichern wir die Existenz des Betriebes für die nächsten 20 bis 30 Jahre“, betont Christian Karp.

Den hat der 42-Jährige von seinen Eltern übernommen. Helga und Ernst Johannes Karp kamen vor 25 Jahren aus Schleswig-Holstein nach Mecklenburg und bauten am Dorfrand von Kraak den Betrieb auf. Christian Karp wuchs hier auf, lernte seinen Beruf von der Pike auf. Rund 1000 Hektar Acker- und Grünland bewirtschaftet der Betrieb heute. Eine Biogasanlage gehört dazu. 2012 wurde der neue Kuhstall mit hochmodernem Melkhaus eingeweiht. „Ich kann mir nicht vorstellen, einen Hof zu leiten, auf dem es keine Tiere gibt“, betont Karp. Und da auf den leichten Böden zwischen Schwerin und Hagenow nun mal eher Futter wächst als Brotgetreide, ist Milchwirtschaft die wichtigste Art der Veredlung.

Dafür macht sich Christian Karp nicht nur in seinem Betrieb stark: Der Kraaker ist Landesvorsitzender im Bund der Deutschen Milchviehhalter. Als solcher weiß er doppelt, dass der derzeitige Milchpreis von 24 bis 28 Cent pro Liter, den die Bauern bekommen, für viele Betriebe existenzbedrohend ist: „Zu Jahresbeginn gab es noch 700 Milchbetriebe in MV, 60 haben inzwischen ihre Kühe abgeschafft.“ Zwar wollen einige Höfe, wie die Holthusener Genossenschaft, in einigen Jahren einen Neustart mit der Milch wagen. Doch andere Bauern steigen aus: Die Milchviehhaltung in Grambow bei Schwerin beispielsweise wurde komplett eingestellt.

Christian Karp will weitermachen – mit Milch. Zwar laufen noch die Kredite für die 2,4-Millionen-Euro-Investition in den heutigen Kuhstall. Doch um dauerhaft bestehen zu können, muss der Hof weiterentwickelt werden. „Wir müssen dringend etwas an den Ställen ändern, in denen die Kühe abkalben. Auch die Kälbchenstation muss neu angelegt werden“, betont Karp. Das sind die beiden konkreten Vorhaben, die im nächsten Jahr in Angriff genommen werden sollen. Perspektivisch kann dann ein zweiter Kuhstall hinter dem jetzigen errichtet werden. Melkhaus, Milchtank, Räume für die Mitarbeiter stehen bereits, können mitgenutzt werden.

Anders als zum gerade erst abgesagten Großprojekt in Keez bei Brüel gab es in Kraak und Umgebung auch nie Diskussionen um die Pläne des Milchbauern.

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