Kommunen : Bantiner proben den Aufstand

Die Bantiner fühlen sich und ihre Sorgen sowie Wünsche von der kommunalen Politik nicht ernst genommen. Und proben den Aufstand. Fotos: Thorsten Meier/privat
1 von 4
Die Bantiner fühlen sich und ihre Sorgen sowie Wünsche von der kommunalen Politik nicht ernst genommen. Und proben den Aufstand. Fotos: Thorsten Meier/privat

Sie befürchten Platzmangel in geplantem Kita-Anbau

svz.de von
28. April 2015, 17:02 Uhr

„Seit über zwei Jahren schon kämpfen wir um den Erhalt unseres Dorfgemeindehauses, in dem ja auch die Kita untergebracht ist. Bei uns wohnen viele Rentner. Die treffen sich oft zu Würfel- und Kaffeenachmittagen. Da kommen in der Regel immer um die 45 Personen zusammen. Aber auch so findet jede Menge kulturelles Leben bei uns statt. Dafür brauchen wir Platz. Der geplante Anbau an der neuen Kita wäre jedoch nur 60 Quadratmeter groß. Da sind Platzprobleme doch jetzt schon vorprogrammiert“, erklärt Dorin Hanebeck den Grund ihres Unmutes. Die Stadtvertretung Zarrentins habe sich jedoch mit ihrem 2013er-Beschluss für eine neue Kita  auf einen Anbau zur allgemeinen Nutzung für nur maximal 50 Personen festgelegt. „Der wäre etwa so groß wie meine Wohnküche und da passen sitzend höchstens 30 Leute rein. Selbst unsere Gemeindevertretung hat schon moniert, dass der geplante Raum zu klein sei. Ich habe das Gefühl, dass man uns einfach nicht zuhört und über unsere Köpfe hinweg entschieden hat“, beklagt die 46-Jährige. Die gebürtige Zarrentinerin wohnt seit 1995 in Bantin.

Im Ort geboren ist Margret Kammlodt. Die 51-Jährige ist Ortsteilvertreterin. Ihr Antrag auf eine Raumvergrößerung ist offensichtlich auf taube Ohren gestoßen. „Ich habe nie eine Antwort erhalten“, erinnert sie sich. „Ein zu kleiner Raum würde unsere kulturelle Arbeit im Dorf kaputt machen. Mir ist bekannt, dass es über das Bodenneuordnungsverfahren bereits  schöne Beispiele gibt, wie man alte oder leerstehende Gemeindehäuser mit neuem Leben erfüllen kann, als sogenannte multiple Häuser,“ berichtet die Stadtvertreterin.

60 Quadratmeter reichen nicht aus

„Wir wollen die Möglichkeit eines kulturellen Lebens. 60 Quadratmeter reichen da leider nicht aus.“ Man sei ja kompromissbereit, wolle keinen Streit mit der Stadt Zarrentin. „Aber wir wollen Lösungen, mit denen alle leben können.“

Auf der letzten Stadtvertretersitzung hatte Dorin Hanebeck im Rahmen der Einwohnerfragestunde  wissen wollen, warum man den Raum nicht an das alte Gemeinschaftshaus, das seit seiner Entstehung vor etwa 200 Jahren immer als öffentliches Gebäude, Schule, Kita, Verwaltungsgebäude, Bibliothek und  Jugend- sowie Versammlungsraum  genutzt worden ist,  anbaut und das alte Gebäude als Wirtschaftsgebäude mit nutzt?

„Es sind viele Räume vorhanden, die genutzt werden könnten wie Küche, Toilette und  Wirtschaftsräume. Es  könnte sogar ein extra Jugendraum eingerichtet werden, Unternehmer könnten Räumlichkeiten anmieten wie z. B. Physiotherapie und Friseur.  Auch eine Nutzung  als Sportraum wäre doch denkbar. Wir wollen es nicht verkaufen, sondern erhalten!“

Bürgermeister sieht keinen Spielraum

Dass der Bürgermeister ihr geantwortet habe, man hätte  das Ganze überprüft und es würde eben nicht anders gehen, habe sie schon geärgert. Außerdem wäre das alte Gebäude  ja auch mit Schimmel befallen, habe Draeger weiter angeführt. „Ist es im Keller tatsächlich, aber würde man sonst immer noch jeden Tag Kinder darin spielen lassen, wenn es schon so schlimm wäre und könnten man es denn überhaupt so verkaufen?“ Weiterhin äußerte Klaus Draeger, dass er   nicht mehr darüber diskutieren wolle, weil ja ein Beschluss gefasst worden sei. Geht man so mit seinen Bürgern um, die das Vertrauen in ihn und die Stadtvertreter gesetzt haben? Sollten gewählte Mandatsträger  nicht die Interessen der Bürger wahrnehmen? Warum kann man nicht nochmals neu darüber beschließen?“ Das ginge nicht mehr, hält Bürgermeister  Draeger dagegen. „Die Planungen sind abgeschlossen, die Fördermittel seit kurzem genehmigt. Die Mehrheit der Zarrentiner Stadtvertreter war der Meinung, der Platz im Anbau an die neue Kita sei ausreichend. Wir haben nun keine Möglichkeit mehr, baulich etwas zu verändern. Da sehe ich keinen Spielraum.“ Selbstverständlich sei man gesprächsbereit,  das alte Dorfgemeindehaus betreffend. „Es besteht  die Möglichkeit einer Weiternutzung des Hauses. Als Gemeinde können wir uns das finanziell aber nicht leisten. Deshalb soll es verkauft werden. Wir sind für  Ideen und Anregungen offen. Am  4. Mai findet um 19.15 Uhr in der Kita Bantin eine Einwohnerversammlung statt. Ich freue mich auf Vorschläge über die weitere Nutzung des Gebäudes.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen