zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

24. November 2017 | 16:09 Uhr

Banges Warten auf das Elbehochwasser

vom

svz.de von
erstellt am 04.Jun.2013 | 11:49 Uhr

Neuhaus | "Wir bereiten uns auf eine mittlere Katastrophe vor", sagte Erwin Kruse gestern. Der Betriebsleiter des Fährbetriebs "Tanja" in Darchau muss wohl auch wieder einen Notdeich bauen zwischen dem Göpelhaus und dem Kateminer Bach. Wie schon im Jahr 2011. Seit heute früh kann die Fähre nur noch vom Hochwasseranleger abfahren. Bei einem Pegelstand von 6,25 Meter in Neu Darchau muss die "Tanja" dann im Hafen bleiben. Und der wird im Laufe des kommenden Freitags erwartet. Gestern Vormittag wurde in Neu Darchau auch der Anleger für die Fahrgastschiffe an Land geholt.

Hochwasservorhersage musste stark korrigiert werden

Dabei hatte die Hochwasservorhersagezentrale in Magdeburg noch am Freitag einen Höchststand am Pegel in Neu Darchau von 5,50 Meter prognostiziert. Die Fachleute mussten sich schnell ganz enorm berichtigen und gaben aktuell für den Pegel Neu Darchau eine Prognose ab, nach der das Wasser bis auf einen Stand von 7,80 Meter am kommenden Montag steigen könnte. Das ist höher als zu den "Jahrhunderthochwassern" im Jahr 2002 (höchster Pegelstand 7,32 Meter), 2006 und 2011 (höchster Pegelstand am Pegel Neu Darchau jeweils 7,49 Meter).

"Treffen die Vorhersagen ein, dann steht das Wasser nur noch 60 bis 70 Zentimeter unter der Deichkrone, um eine Vorstellung davon zu geben, wie hoch das Wasser auflaufen kann ", erläutert Deichverbandsvorsteher Hans Ebeling. Der Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband beginnt voraussichtlich morgen mit Kontrollfahrten und wird wahrscheinlich ab Sonnabend Deichwachen aufziehen.

Da wird manchen die Erinnerung an den Sommer 2002 beschleichen, als die Elbe in dieser Region nur durch einen riesigen Einsatz von Menschen und Millionen von Sandsäcken daran gehindert wurde, ins Land zu strömen. Seither sind die Deiche erhöht und erneuert worden, gibt es etwa in Hitzacker eine Schutzmauer.

Doch was ist mit den Rückstaudeichen an Sude, Rögnitz und Krainke, die noch nicht in Gänze saniert sind? Hier sei eine Vorhersage schwer abzugeben, denn viele Faktoren würden Einfluss nehmen, unter anderem, zu welchem Zeitpunkt das Wehr in Boizenburg geöffnet wird, so Ebeling. Beim aktuellen Bau eines Teilstücks des Krainkedeiches werde eine kleine Lücke verfüllt.

Den Deichverbandssvorsteher hat die Vorhersage der Zentrale in Magdeburg vom vergangenen Freitag gewundert. Seiner Meinung nach war schon abzusehen, dass es eine Hochwasserlage geben wird. Die in Magdeburg tun sich schwer, denn gestern war eine aktualisierte Vorhersage für 13 Uhr angekündigt, die aber am frühen Abend immer noch nicht vorlag. Wegen "der komplizierten hydrologischen Situation", so die Begründung.

Die Menschen an der Elbe bereiten sich indes vor. Manfred Ruffing war mit seinen Flößen gerade unterwegs in den hochwassersicheren Hafen in Thießau, als SVZ ihn anrief. Petra Wilhelm von der Fähre "Amt Neuhaus" bereitet auch den Umzug an den Hochwasseranleger vor und wird wohl ab heute wieder den langen Weg fahren müssen. In Lauenburg werden morgen Hochleistungspumpen aufgebaut und Sandsäcke befüllt.

Auch im benachbarten Landkreis Ludwigslust-Parchim würden bereits erste Vorbereitungen für die Hochwasser-Abwehr innerhalb der Verwaltung getroffen werden, erklärte Pressesprecher Andreas Bonin. "Der Landkreis verfolge in enger Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StaLU) die Entwicklung der Wasserstände." Bonin rechnet damit, dass es eine erste gemeinsame Sitzung mit dem Hochwasser abwehrstab heute oder morgen geben wird.

Hans Ebeling weist angesichts der Lage nochmal darauf hin, dass die Beseitigung der Verbuschung an der Elbe endlich ausreichend und kontinuierlich vorgenommen werden muss. Das Hochwasser läuft wegen des Aufwuchses im Elbevorland, der den Abfluss verlangsamt, zwischen 40 und 50 Zentimeter höher auf. "Hier muss endlich etwas geschehen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen