Schaale bei Kogel : Bachneunauge ist kleine Sensation

Wolfgang Kniep beim Keschern in der Schaale. Hier gelang ihm auch der Sensationsfund der Bachneunaugenlarven. Sie gehören landesweit zu den stark gefährdeten Tierarten.
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Wolfgang Kniep beim Keschern in der Schaale. Hier gelang ihm auch der Sensationsfund der Bachneunaugenlarven. Sie gehören landesweit zu den stark gefährdeten Tierarten.

Kürzlich verschmutzte Schaale ist immer für eine Überraschung gut/ Vom Kreis beauftragte Wasseranalyse ergab erhöhte Kalziumwerte

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18. November 2015, 08:00 Uhr

Weißliche Eintrübungen unbekannten Ursprungs in der Schaale bei Kogel riefen kürzlich Naturschützer auf den Plan. (SVZ berichtete am 5. November auf Seite 7) Sie schlugen sofort Alarm und benachrichtigten den Landkreis. Der schickte Mitarbeiter, die Proben nahmen. Auf Nachfragen unserer Redaktion über die Untersuchungsergebnisse erhielten wir vom Pressesprecher Andreas Bonin folgende Information. „Eine vom Fachdienst Natur- und Umweltschutz der Kreisverwaltung in Auftrag gegebene Wasseranalyse hat erhöhte Kalziumwerte ergeben. Bei der festgestellten Trübung handelt es sich also um eine mineralische Trübung in Folge von Auswaschung des Bodens. Hinweise auf Sauerstoffmangel hat die Wasseranalyse nicht bestätigt.“

Das will Wolfgang Kniep nicht unkommentiert im Raum stehen lassen. Denn seine Beobachtungen und Untersuchungen der hinter Kogel abwärts fließenden Schaale sind ganz anderer Natur. Hier habe ein sauerstoffzehrender Prozess stattgefunden und viel Leben im Wasser vernichtet, meint er. Anders sehe es in der Schaale bei Pamprin aus.

„Viele Stoffe, die unseren Gewässern gefährlich werden, sind gar nicht im klassischen Sinne ,giftig’. Dazu gehören neben Haushaltsabwässern vor allem Gülle, Silagesäfte, Milchprodukte, organische Düngemittel u.v.m. Sie verbrauchen aber beim Abbauprozess sehr viel Sauerstoff“, erklärt Kniep gestern beim Ortstermin. Die meisten Wasserlebewesen atmeten durch Kiemen und seien daher auf einen hohen Sauerstoffgehalt angewiesen. Jeder Angler wisse, dass z.B. Forellen nur in sehr klaren Bächen mit hohem Sauerstoffgehalt vorkämen.

„Zu den in dieser Hinsicht empfindlichsten Tieren gehören Neunaugen. Sie werden wegen ihrer an Augen erinnernden Kiemenlöcher so genannt. Ihre Larven leben bis zur Geschlechtsreife mehrere Jahre lang eingegraben im kiesigen Grund des Baches. Sinkt nun der Sauerstoffgehalt des Wassers, sterben sie wie viele andere an diesen Lebensraum angepasste Lebewesen ab. Neunaugen gehören deshalb landesweit zu den stark gefährdeten Tierarten. Wo sich ihre Larven nachweisen lassen, wie hier bei Pamprin, kann die Gewässergüte mit 1 bis 2 eingestuft werden, also mit Bestnote! Die Tiere zählen damit – neben einigen Insektenlarven – zu den wichtigsten ,Bio-Indikatoren’ für Fließgewässer“, berichtet Kniep weiter.

Man müsse sich nämlich vor Augen führen, dass die kurzfristige Einleitung gefährlicher Stoffe in ein Fließgewässer, auch wenn es große Mengen seien, schon nach kurzer Zeit weder optisch noch chemisch nachweisbar wären, weil die Substanzen schnell weggespült würden. „Selbst wenn aufmerksame Bürger Auffälligkeiten den Behörden melden und diese – wie im Fall der Schaale – schnell tätig werden, können Wasserproben schon nach wenigen Stunden keine Anhaltspunkte mehr liefern. Untersucht man aber regelmäßig an mehreren Stellen den Zustand der Lebewesen im Bach, lässt sich die mögliche Gefahrenquelle leicht auf wenige Meter eingrenzen.“

Umweltpädagogin Edeltraut Kahl aus Lübtheen rege daher an, mit interessierten Bürgern regelmäßig solche Untersuchungen durchzuführen, ähnlich, wie es die ehrenamtlichen Bachpaten im damaligen Landkreis Hagenow über viele Jahre taten. So könnte mit der Zeit ein Netzwerk wertvoller Daten gesammelt werden. Und Behörden im Bedarfsfall noch schneller reagieren.

Schon seit einigen Jahren breite sich „Meister Bockup“, wie ihn die Jäger nennen, von der Elbe her wieder in heimischen Fließgewässern aus, berichtet Wolfgang Kniep weiter. Wo die Ufer steil genug seien, begnüge er sich meist damit, in die Uferböschung Höhlen zu graben.



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