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Hagenower Kreisblatt

22. November 2017 | 14:08 Uhr

Wittenburg : Babyfund: Verdacht auf Totschlag

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln fieberhaft. Wittenburger geschockt. Identität der Mutter noch ungeklärt

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2017 | 17:00 Uhr

Die Stimmung in Wittenburg ist nach dem Fund der Babyleiche im Schäferbruch gedrückt. Die Frau, die heute Vormittag mit ihrem Nachwuchs im Kinderwagen den Weg nach Hause schiebt, findet es „einfach nur schrecklich“, was da ganz in der Nähe ihres Zuhauses passiert ist. Dabei gäbe es doch genügend Hilfsangebote für Schwangere, die sich in Bedrängnis befinden, meint die junge Mutter, die unerkannt bleiben möchte.

Am frühen Mittwochnachmittag fanden Spaziergänger in einem Waldstück in der Nähe des Sportplatzes in Wittenburg die Leiche eines Neugeborenen. Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen wurde der weibliche Leichnam dort abgelegt. Das Fachkommissariat 1 der Kriminalpolizeiinspektion Schwerin hat die Ermittlungen aufgenommen. Der Fundort wurde weiträumig abgesperrt. Der Einsatz von Spürhunden habe noch nicht zum Erfolg geführt. Die Spurensicherung dauert an. Beamte der Bereitschaftspolizei befragten heute im Schäferbruch sowie im Umfeld zudem die Anwohner. „Jeder Hinweis hilft“, sagt ein Polizist. Sie hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung auf zuletzt schwangere Frauen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegen keine Erkenntnisse zu der Mutter des toten Babys vor. Die am Donnerstag durchgeführte rechtsmedizinische Untersuchung des Leichnams hat ergeben, dass das Mädchen zum Zeitpunkt seiner Geburt gelebt hat. Für die Klärung der Todesursache sind weitere Untersuchungen erforderlich, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden, heißt es von der Staatsanwaltschaft Schwerin.

Das Naherholungsgebiet in Wittenburg, in dem das tote Baby gefunden wurde, liegt in der Nähe zweier Wohngebiete. Der Wald werde oft zum Spazierengehen genutzt, sagt Bürgermeisterin Margret Seemann. „Da muss man schon mit rechnen, dass was gesehen wird.“ Da über die Identität der Mutter und ihre Beweggründe  noch nichts bekannt sei, warne Seemann diesbezüglich vor wilden Spekulationen. „Es ist eine schreckliche Tat. Aber man muss erst einmal die Ursachen herausfinden, dann erst können Schlussfolgerungen gezogen werden.“ In diesem Zuge möchte sie auch an alle Frauen und werdende Mütter, die Probleme haben, appellieren, die Hilfsangebote im Landkreis zu nutzen.

Es gebe das Frauenhaus, ambulante Kontaktberatungsstellen, Sozialhäuser. „Auch bei uns im Sozialamt bekommt man Hilfe und wir können weitervermitteln.“ Das Helene von Bülow Krankenhaus in Hagenow bietet beispielsweise die Möglichkeit einer vertraulichen Geburt. Diese laufe anonym ab, erklärt Sabine Oesterlin, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Krankenhauses. Die werdende Mutter könne ihr Kind auf der Geburtenstation unter medizinischer Versorgung auf die Welt bringen und laufe für diese Zeit unter einem Pseudonym. Danach kümmere sich das Jugendamt um das Baby. Es gebe auch die Möglichkeit, vorher durch eine Beratungsstelle an ein Krankenhaus außerhalb des Wohnortes vermittelt zu werden. Mit gesundem Menschenverstand könne man die Situation der Mutter sicherlich nicht erklären, sagt Tine Bräuer, Diplom-Psychologin der Familien- und Erziehungsberatungsstelle des Internationalen Bundes in Hagenow. „Es ist wahrscheinlich hier von einer extremen Belastungssituation der Mutter auszugehen, die verschiedene Ursachen haben kann“. Als Beispiel nennt Bräuer psychische Erkrankungen, eine konflikthaft entstandene Schwangerschaft, kulturelle Aspekte oder ein nicht wohlwollendes Umfeld.

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